Welt im Umbruch Ökonom warnt – bald dürften die Preise deutlich ansteigen

Samuel Walder

22.4.2026

Haben wir bald weniger Geld im Portemonnaie?
Haben wir bald weniger Geld im Portemonnaie?
Bild: Keystone

Die Schweizer Wirtschaft wächst nur schwach, globale Krisen nehmen jedoch immer mehr zu. Für Herr und Frau Schweizer bedeutet das in der Regel, dass das Portemonnaie Ende Monat leerer ist als sonst. Ein Chefökonom schätzt die Lage ein.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Globale Konflikte und US-Handelspolitik bremsen das Wachstum der Schweiz, das bis 2026 unter dem Durchschnitt bleibt.
  • Steigende Energiepreise und Unsicherheiten dürften mittelfristig auch die Inflation anziehen und Investitionen dämpfen.
  • Der starke Franken wirkt als Puffer für Konsumenten, während exportorientierte Branchen unter Druck geraten.

Kriege, Spannungen, Unsicherheit: Die Weltlage bleibt angespannt und die Weltwirtschaft ist mitten in einem Wandel. Die USA haben mit ihrer Zollpolitik vieles auf den Kopf gestellt. Was bedeutet das für die Schweiz?Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse, ordnet für blue News ein – und aktuelle Zahlen zeigen: Die Risiken nehmen zu.

Die direkten Auswirkungen

Durch den Iran Krieg spüren wir auch in der Schweiz die Teuerung bei den Benzinpreisen.
Durch den Iran Krieg spüren wir auch in der Schweiz die Teuerung bei den Benzinpreisen.
Bild: Jonas Walzberg/dpa

Noch sind die direkten Auswirkungen überschaubar. «Wir hoffen, dass die internationale Konjunktur, also der allgemeine Zustand einer Volkswirtschaft, nicht abdriftet», sagt Minsch. Zu den direkten Auswirkungen gehören die Veränderungen beim Benzin- und Dieselpreis, Heizölpreise, Inportprodukte und Energiepreise. Gleichzeitig zeigen aktuelle Prognosen: Die Schweizer Wirtschaft wächst derzeit nur schwach. Für 2025 wird ein Plus von rund 1,1 Prozent erwartet, für 2026 etwa 1,4 Prozent – beides liegt unter dem langfristigen Durchschnitt. Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF prägen Konflikte wie der Iran-Krieg und die US-Handelspolitik die aktuelle Konjunktur entscheidend.

Die Abhängigkeit zum Ausland

Die Transportkosten im Handelsbereich können durch Krisen stark steigen. 
Die Transportkosten im Handelsbereich können durch Krisen stark steigen. 
Bild: Sina Schuldt/dpa

Die Abhängigkeit vom Ausland ist für die Konjunkturentwicklung zentral. «Generell verdient die Schweiz 40 Prozent ihres Wohlstands im Ausland. Das heisst, generell ist es für die Schweiz schlecht, wenn sich im Ausland instabile Situationen ereignen.» Entsprechend wirken sich globale Krisen direkt auf die Schweiz aus – etwa durch höhere Importpreise bei Energie oder Transport. Indirekt bremst die Unsicherheit die Investitionen: «Wo man die Unsicherheit am meisten spürt, ist bei langlebigen Investitionsgütern, zum Beisp Kapitalanlagen, wo die Nachfrage zurückgegangen ist.»

Die Folgen für Konsumenten

Die Inflation wird im nächsten Jahr zunehmen.
Die Inflation wird im nächsten Jahr zunehmen.
Bild: Jennifer Brückner/dpa

Was global passiert, hat teilweise direkte Auswirkungen auf Herr und Frau Schweizer. «An der Zapfsäule, bei Heizkosten und bei Importwaren steigen die Preise vor allem wegen der Konflikte im Nahen Osten. Da spüren es die Schweizerinnen und Schweizer am meisten», sagt Minsch zu den Energiekosten. Zwar ist die Inflation aktuell tief – sie lag 2025 zeitweise bei nur rund 0,1 Prozent. Doch die Ruhe könnte trügerisch sein.

«Wir erwarten einen generellen Anstieg bei der Inflation. Im Moment spürt man nicht viel davon, aber das wird in einem Jahr anders sein», erklärt Minsch. Auch Prognosen der Nationalbank zeigen: Die Inflation dürfte mittelfristig wieder anziehen.

Neue Richtung

Durch die täglichen Anpassungen der US-Regierung mussten sich Schweizer Unternehmen stark wandeln.
Durch die täglichen Anpassungen der US-Regierung mussten sich Schweizer Unternehmen stark wandeln.
Bild: Keystone/AP/Mark Schiefelbein

Besonders kritisch bleibt die Lage rund um die Strasse von Hormus: «Je länger die Strasse teilblockiert ist, desto höher wird die Preissteigerung.»  Die Teilblockade macht sich jetzt schon bemerkbar. Reedereien wie Maersk passen Routen an, Airlines wie Lufthansa reagieren auf steigende Treibstoffpreise. Gleichzeitig gerät die Industrie unter Druck, etwa durch Rohstoffengpässe. 

Während die Preise steigen könnten, entscheidet sich vieles weiterhin im Ausland – vor allem in Europa. «Über die Hälfte unserer Exporte gehen in die EU. Sie ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner.» Die USA folgen mit rund 18 Prozent.

Doch gerade von dort kommt neue Unsicherheit. «Die USA haben die Weltwirtschaft nachhaltig verunsichert. Ob die Regeln von heute Morgen noch gelten, ist völlig unklar», sagt Minsch. Tatsächlich zeigen aktuelle Studien: Handelskonflikte oder neue Zölle könnten die Schweizer Wirtschaft deutlich bremsen. «Schweizer Unternehmen mussten sich wegen der starken Unsicherheit durch die Zollpolitik stark anpassen», erklärt Minsch. Er glaube, die täglich neuen Anpassungen durch Amerika würden der neue Standard in Zukunft sein.

Das Ass im Ärmel

Einen Trumpf hat die Schweiz. Der starke Franken federt gewisse wirtschaftliche Hürden ab. 
Einen Trumpf hat die Schweiz. Der starke Franken federt gewisse wirtschaftliche Hürden ab. 
Bild: Keystone

Doch ein Ass hat die Schweiz im Ärmel. In diesem unsicheren Umfeld wirkt der Franken wie ein Sicherheitsnetz. «Im Moment ist der Franken stark. Die Schweiz kann mit einem starken Franken umgehen.» Eine starke Währung ist nämlich laut Minsch nicht immer schlecht. Für Schweizerinnen und Schweizer lohnt es sich, in vielen Ländern nun Ferien zu machen, da die Kaufkraft höher ist.

«Wir müssen beispielsweise weniger für Erdöl bezahlen im Vergleich zu Deutschland oder anderen Ländern in Europa», sagt Minsch. Durch die starke Währung werden teilweise auch die höheren Kosten, entstanden durch die Teilblockade an der Strasse von Hormus, durch den Franken abgefedert. Gerade in Zeiten globaler Krisen fängt der Franken so einen Teil der Belastung für Konsumenten ab.

Die Gewinner und Verlierer

Cybersecurity-Unternehmen gehören zu den Gewinnern. 
Cybersecurity-Unternehmen gehören zu den Gewinnern. 
Bild: Nicolas Armer/dpa

Doch die Stabilität hat ihre Grenzen. Exportorientierte Branchen leiden aktuell stark. Das zeigt sich auch in den Zahlen: Die Industrie und Exporte entwickeln sich derzeit schwächer als die Binnenwirtschaft.

Minsch sieht aber auch Gewinner: «Cybersecurity-Spezialisten und Unternehmen, die andere in Krisensituationen beraten, sind die Gewinner», sagt Minsch.