InformationstechnologieBerner Fachhochschule und Behörden wollen digitale Unabhängigkeit
SDA
7.12.2025 - 09:30
Ein Zentrum für digitale Souveränität soll dazu beitragen, dass Schweizer Behörden ihre Daten künftig selbst kontrollieren können. (Archivbild)
Keystone
Diverse Schweizer Verwaltungen wollen gemeinsam mit der Berner Fachhochschule die digitale Unabhängigkeit vorantreiben. Der Kanton Bern, die Stadt Zürich und einzelne Bundesbehörden wirken mit an einem Projekt, das auf Open Source statt Tech-Giganten setzt.
Keystone-SDA
07.12.2025, 09:30
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Auf Bundesebene sind dies das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement sowie die Bundeskanzlei, wie Matthias Stürmer auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilt. Stürmer leitet das Institut Public Sector Transformation der Berner Fachhochschule (BFH). Ihm zufolge sind mindestens 22 Partner mit am Start, darunter zahlreiche IT-Unternehmen.
Ziel der BFH ist es, ein staatliches Zentrum für digitale Souveränität zu gründen. In diesem Rahmen unterstützen die genannten Partner einen Antrag, den die Fachhochschule bei der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) einreichen will. Sie steuern dem 4-Millionen-Franken-Vorhaben Personalressourcen und je 10'000 Franken bei.
Im Zentrum des Projekts steht unter anderem die Förderung des Produkts Open Desk, eine sogenannte Open-Source-Lösung als Alternative zum Büroprogramm Microsoft 365 (M365). Open Source bedeutet, dass der Quellcode nicht im Besitz einer privaten Firma, sondern frei verfügbar ist. Diese Anwendung betreibt das «Zentrum Digitale Souveränität» der deutschen Regierung. Einige deutsche Behörden verwenden es bereits, seit Anfang November testen es auch Schweizer Unternehmen.
Stadt Zürich prüft Open Desk
Die Stadt Zürich wirkt zwar ebenfalls am Antrag mit, ist aber punkto Anwendung bereits einen Schritt weiter. In ihrem Auftrag testet die BFH derzeit, ob Open Desk für die heute üblichen Büroarbeiten tauglich ist und den spezifischen Ansprüchen der Stadt entspricht. Die Resultate werden den Verantwortlichen gemäss Stürmer noch im Dezember präsentiert.
Auch für die Bundeskanzlei ist diese Open-Desk-Lösung nicht neu. Seit 2024 evaluiert sie, wie sich damit «eine Notfall-Büroautomation und die sichere Bearbeitung von sensitiven Informationen» umsetzen lassen. Eine komplette Ablösung von Microsoft 365 sieht das bisherige Projekt aber nicht vor. Die Bundesverwaltung entschied erst vor gut drei Jahren, ihre IT-Infrastruktur in die Microsoft-Cloud zu verlegen.
Kritik bei Bund und Kantonen
Derweil werden in den Verwaltungen immer wieder Bedenken zu M365 laut – mit Verweis auf die Abhängigkeit von der US-Firma, aber auch auf den fragwürdigen Datenschutz. Zuletzt stellte der abtretende Armeechef Thomas Süssli die laufende Cloud-Einführung beim Bund in Frage. In einem Brief an den bundesrätlichen IT-Delegierten, den das Onlinemedium «Republik» publik machte, forderte er die Prüfung einer privaten Cloud-Lösung für klassifizierte Dokumente.
Im Kanton Luzern wiederum forderten die Grünen einen «Marschhalt» bei der Umstellung auf M365. Der Luzerner Datenschutzbeauftragte, das Kantonsgericht und interne Sachverständige hätten vor dem Schritt gewarnt, machten sie geltend. Das entsprechende Postulat fand allerdings keine Mehrheit im Kantonsparlament.
Kritische Stimmen zur Neueinführung einer Microsoft-Lösung gab es auch im St. Galler Kantonsrat. Dort hielt die Regierung fest, dass sie «technische, organisatorische und rechtliche Abhilfemassnahmen» getroffen habe. Ausserdem sei ihr bisher keine zukunftsfähige technische Alternativlösung zu Microsoft 365 bekannt.
In Bern und Zürich ist das Vertrauen in Open Source grösser. Im Januar will das «Netzwerk Souveräne Digitale Schweiz» unter Leitung der BFH ihren Förderantrag einreichen. Fällt er auf Anhieb positiv aus, soll die zweijährige Aufbauphase im April beginnen.
Machtkampf um die Fed: Notenbankchef Powell stellt sich gegen Trump
Washington, 12.01.2026: Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Notenbank eskaliert. Jerome Powell weist strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Federal Reserve zurück.
Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf.
Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand:
O-Ton Jerome Powell, Chef der US-Notenbank
«Es geht darum, ob die Fed die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann – oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung bestimmt wird.»
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren wirft Trump eine «korrupte Übernahme» der Zentralbank vor. Warum Trumps Justizministerium ausgerechnet jetzt gegen Powell vorgeht, ist unklar. Dessen Amtszeit endet ohnehin im Mai. Trump will noch im Januar seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge auf dem Chefposten der Federal Reserve bekanntgeben.
12.01.2026
Ifo-Präsident fordert «Frühling der Reformen»
STORY: Das Münchener Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft herabgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 0,8 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent wachsen, sagten die Münchner Forscher am Donnerstag voraus. Im September waren sie noch von 1,3 und 1,6 Prozent ausgegangen. Die deutsche Wirtschaft passe sich dem Strukturwandel nur langsam und kostspielig an, hiess es zur Begründung. Zusätzlich würden Unternehmen und Neugründungen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert. Auch die US-Handelspolitik belastet die deutsche Exportwirtschaft demnach weiter spürbar. Die geplanten staatlichen Investitionen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher wirken dem Ifo-Institut zufolge nur verzögert. Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert von der Bundesregierung nun einen «Frühling der Reformen». O-Ton Clemens Fuest, Ifo-Präsident: «Ja, der Herbst der Reform hat leider in die falsche Richtung gesteuert. Was gemeint war, das waren ja Reformen, die das Wachstum stärken. Was wir bekommen haben, das sind überwiegend Reformen, die das Wachstum schwächen, zum Beispiel die Rentenreform, die einfach nur bedeutet, dass wir künftig höhere Steuern werden zahlen müssen. Das ist nicht der richtige Weg. Also, wir brauchen jetzt einen Frühling der Reformen, die in die richtige Richtung steuern.» Ansetzen sollte die Regierung bei Arbeitsmarkt, Investitionen und Bildung, so Fuest. Überflüssige Regulierung und Berichtspflichten müssten abgebaut werden. Helfen könne auch ein flexibleres Arbeitsmarktrecht. Für hochqualifizierte Arbeitskräfte sei ein weniger rigider Kündigungsschutz notwendig, damit neue Unternehmen auch mal Dinge ausprobieren und Leute einstellen könnten.
11.12.2025
Wadephul: China signalisiert Entgegenkommen bei Seltenen Erden
STORY: Bundesaussenminister Johann Wadephul hat bei seinem nachgeholten Besuch in Peking nach eigenen Angaben in Wirtschaftsfragen Fortschritte verbuchen können. Unter anderem äusserte er sich dort am Montag zum Thema Versorgung Deutschlands und Europas mit den Seltenen Erden. O-Ton Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister: «Es ist gut, dass so ein substanzieller Kontakt stattfinden kann. Es waren heute offene und intensive Gespräche; Gespräche, die dazu da sind, immer wieder auszuloten, wie man gerade bei schwierigen Fragen vorankommen kann. Wir haben gute, konstruktive Gespräche geführt.»://: «Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein. Wir hören, dass die chinesische Seite durchaus Verständnis hierfür hat. Wir wissen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen. Aber unsere chinesischen Gesprächspartner wissen auch, dass die Europäische Kommission die Wettbewerbsbedingungen genau beobachtet und sich auch immer vorbehalten muss, selbst aktiv zu werden.»://: «Es ist gut zu hören, dass dies auch im chinesischen Interesse ist. Man will einander ein verlässlicher Handelspartner und ein verlässlicher Wirtschaftspartner sein und auch als ein solcher gelten. Und es ist auch gut, von chinesischer Seite zu hören, dass man sich besonderen Engpässen auf deutscher und europäischer Seite mit besonderer Priorität widmen will.»://: «China hat versichert, dass man sehr konstruktiv an die Prüfung dieser Anträge herangehen wird und dass es keinerlei Bestrebungen gibt, gerade deutsche Unternehmen hier mit grösseren Problemen zu belasten. Das halte ich für eine gute Zusage und ermutige jetzt die deutsche Wirtschaft, hier jetzt konkret in die Beantragung hineinzugehen.»://: «Wir wollen Handelsbarrieren abbauen, aber das setzt voraus, dass auch China hier Massnahmen ergreift, die die Effekte der Überproduktion in Europa nicht zu stark werden lassen.» Bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe er hingegen keine nennenswerten Zugeständnisse der chinesischen Führung erhalten.
08.12.2025
Machtkampf um die Fed: Notenbankchef Powell stellt sich gegen Trump
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