SRF räumt mit Mythen auf Diese Erkenntnisse über Billig-Lebensmittel überraschen selbst Experten

Sven Ziegler

24.11.2025

Ist M-Budget wirklich minderwertiger? Eine neue Untersuchung zeigt: Nein. 
Ist M-Budget wirklich minderwertiger? Eine neue Untersuchung zeigt: Nein. 
KEYSTONE

Tiefpreislinien wie «M-Budget» oder «Prix Garantie» wirken auf den ersten Blick verdächtig günstig. Eine SRF-«Kassensturz»-Analyse zeigt jedoch: Die niedrigen Preise entstehen nicht durch schlechtere Sicherheit oder minderwertige Lebensmittel. 

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Tiefpreisprodukte sind teils über 40 Prozent günstiger, weil sie bei Verpackung, Rohstoffherkunft und Rezeptur abgespeckt werden, nicht zwingend bei der Lebensmittelsicherheit.
  • Gurken, Mozzarella oder Ananas aus Budget-Linien stammen oft aus derselben Produktion – nur aus zweiter Qualität oder mit einfacherer Verarbeitung.
  • Gesundheitlich entscheidend ist nicht der Preis, sondern die Zutatenliste: Besonders bei stark verarbeiteten Produkten können billige Zusatzstoffe auftauchen.

Billiglinien weisen schlechte Qualität auf und fallen im Vergleich zu den Originalen deutlich ab. Dieses Klischee hält sich hartnäckig. Offen bleibt die Frage, ob das auch stimmt.

Nun hat der SRF-«Kassensturz» zwei volle Einkaufswagen verglichen: Standardprodukte und ihre deutlich günstigeren Pendants aus den Billiglinien. Die Unterschiede beginnen bereits bei der Kasse: Im Coop waren mehr als die Hälfte der Kosten eingespart, bei der Migros lag der Vorteil bei knapp 40 Prozent. Die Frage, die sich fast zwangsläufig stellt: Wie kann derselbe Joghurt, dieselbe Pasta oder dieselbe Ananas so viel günstiger sein?

Die Antwort ist erstaunlich unspektakulär. Viele Produkte stammen aus denselben Lieferketten, nur nicht aus derselben Qualitätskategorie. Ein klassisches Beispiel sind Gurken: Was im Regal als günstige «krumme» Billig-Gurke liegt, stammt oft aus derselben Ernte wie die gerade daneben – nur wurde sie wegen Form, Länge oder Farbe in die zweite Qualitätsstufe eingereiht. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: weniger perfekt, aber genauso essbar.

Produkte liegen oft näher beieinander, als man denkt

Ähnlich verhält es sich mit Mozzarella oder Dosen-Ananas. Die Basiszutaten sind identisch, die Herstellungsprozesse aber unterschiedlich aufwändig. Das Resultat: Der günstige Mozzarella ist etwas gummiger, die Billig-Ananas etwas blasser – doch geschmacklich liegen die Produkte oft näher beieinander, als man vermuten würde.

Die grössten Einsparungen entstehen dort, wo die Herkunft der Rohstoffe ins Spiel kommt. Schweizer Zucker ist teuer – ausländischer Glukosesirup nicht. Schweizer Fleisch kostet mehr – importiertes ist deutlich günstiger. Auch Kartoffeln für Rösti sind aus dem Ausland billiger als solche aus Graubünden. Tiefpreislinen verzichten im grossen Stil auf Swissness, ohne dass das Produkt deswegen unsicher oder ungeniessbar wäre. Das Schweizer Kreuz auf der Verpackung bleibt ein Premium-Merkmal – und ein Preistreiber.

Einen weiteren Unterschied sieht man oft erst beim Öffnen: Die Billig-Ananas muss man klassisch mit dem Dosenöffner bearbeiten, während bei der Mittelpreisklasse ein Ring zum Aufziehen montiert ist. Bei Verpackung, Zusatzfunktionen und Portionen sparen die Anbieter konsequent.

Besonders bei Teigwaren fällt die Sparlogik sofort ins Auge. Tortelloni der Mittelpreisklasse enthalten mehr Ricotta und Spinat, günstige Varianten dagegen mehr Teig – und teilweise Kartoffelanteile als Füllmaterial. Das macht die Produkte billiger, aber nicht per se ungesund.

Billig-Joghurt ist nicht automatisch schlechter

Ernährungsberaterinnen und Fachleute machen klar: Es lässt sich nicht generell sagen, dass Budget-Lebensmittel schlechter für die Gesundheit sind. Entscheidend ist vielmehr, wie stark ein Produkt verarbeitet wurde – und welche Zusatzstoffe verwendet werden. Gerade bei täglichen Grundnahrungsmitteln lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Bei Produkten, die nur gelegentlich konsumiert werden, sei die Wirkung auf die Gesundheit weniger relevant.

Die SRF-Analyse zeigt zudem, dass die oft zitierte «NOVA-4»-Kategorie hochverarbeiteter Lebensmittel nur zwei echte Problemgruppen kennt: Softdrinks und verarbeitetes Fleisch. Viele andere Produkte gelten nur deswegen als «hochverarbeitet», weil sie gewisse technisch bedingte Zusatzstoffe enthalten – nicht, weil sie besonders ungesund wären.

Der Billig-Joghurt ist nicht automatisch schlechter, der Marken-Mozzarella nicht automatisch die gesündere Wahl. Der Preis sagt wenig darüber aus, wie ausgewogen ein Lebensmittel tatsächlich ist. Wer sparen möchte, kann das ohne gesundheitliche Abstriche – solange Zutatenliste und Portionsgrösse mitbedacht werden.