«Black Friday»

Wird die Rabattschlacht zum Superspreader-Event?

tsha

26.11.2020

Wie hier in Lausanne locken die Geschäfte am Freitag mit vielen Rabatten.
Wie hier in Lausanne locken die Geschäfte am Freitag mit vielen Rabatten.
Bild: Keystone

Satte Rabatte – und eine Corona-Infektion gratis dazu? Der «Black Friday» macht Gesundheitspolitikern Sorge. Der Handel sieht sich hingegen gut gerüstet für den Kundenansturm.

Kaum etwas macht den Menschen derart glücklich wie das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Am morgigen «Black Friday» dürfte es in der Schweiz also viele lachende Gesichter geben. Anderen hingegen treibt allein die Aussicht auf die Shopping-Orgie Sorgenfalten auf die Stirn. Ihre Befürchtung: Die Rabattschlacht könnte zum Superspreader-Event werden.

So sagt etwa die Gesundheitspolitikerin und SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi im Gespräch mit der NZZ: «Dieses Massen-Shopping ist aktuell sehr problematisch, weil so zu viele Menschen aufs Mal ins Geschäft gelockt werden.» Ihre Forderung: Der Detailhandel sollte entweder ganz auf den «Black Friday» verzichten oder aber die Aktion über mehrere Tage verteilen.



Im Kanton St. Gallen hat der «Black Friday» unterdessen gar die Regierung auf den Plan gerufen. Man solle darauf achten, «beim Einkaufen das Risiko klein zu halten», heisst es. Und im Kanton Basel-Stadt hat das Gesundheitsdepartement die Ladenbetreiber aufgefordert, Massnahmen zur Einhaltung der maximalen Kundenzahl in ihren Geschäften zu ergreifen. In dem Kanton gilt seit Anfang Woche ein strenger Teil-Lockdown, der helfen soll, die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu verringern.

Ausgefeilte Hygienekonzepte

«Uns ist wichtig, zu sehen, wie die Schutzmassnahmen bei einer allfälligen Warteschlangen-Bildung vor den Geschäften sichergestellt werden», erklärte dazu eine Sprecherin des St. Galler Gesundheitsdepartements der NZZ. Sie befürchtet ausserdem, dass Kunden aus Frankreich die Schweizer Geschäfte stürmen könnten – in dem Land haben derzeit noch viele Läden geschlossen.

Wichtiger Tag im Detailhandel

Obwohl sich der Black Friday erst vor fünf Jahren in der Schweiz etabliert hat, ist er bereits einer der wichtigsten Verkaufstage des Jahres. Ursprünglich stammt er aus den USA. Er heisse so, weil die Detailhändler dank diesem Tag schwarze Zahlen schreiben. (sda)

Von der Idee der Gesundheitspolitikerin Gysi, den «Black Friday» abzusagen, hält man beim Detailhandel freilich nicht viel. Stattdessen setzt man auf Hygienekonzepte, um den Schnäppchenjägern ein sicheres Einkaufserlebnis garantieren zu können. Entweder versuche man, die Rabattaktion ins Internet zu verlagern oder aber den Ansturm der Kunden auf die Geschäfte zu begrenzen, wie eine NZZ-Umfrage unter mehreren Detailhändlern ergeben hat.



So kündete etwa die Elektronikkette Media Markt an, unter anderem «entsprechend Sicherheitspersonal» aufbieten zu wollen sowie mit einem Leitsystem für genügend Abstand zwischen den Kunden zu sorgen. Damit die Läden am Freitag nicht zu voll werden, führe man eine digitale Einlasskontrolle ein. Die Migros sieht sich dank bewährter Schutzkonzepte ebenfalls gut aufgestellt, und auch Manor gab an, gut vorbereitet zu sein. So habe man mehr Plexiglaswände montiert; ausserdem hätten, so die Warenhauskette, viele Filialen länger geöffnet und den «Black Friday» auf drei Tage verteilt.

Mehrbelastung für Mitarbeiter

Der Detailhandel-Gewerkschaft Unia machen hingegen nicht nur die Hygieneherausforderungen durch die Corona-Pandemie Sorgen. Man stehe vor einer «unglaublichen stressigen Zeit», so eine Mediensprecherin gegenüber der NZZ. Weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Detailhandels mit Maske arbeiten müssten und ausserdem ständig damit beschäftigt seien, die Kunden an die geltenden Regeln zu erinnern, fordert sie zusätzliche Pausen für die Beschäftigten.

Auf einen anderen Negativaspekt des seit 2015 in der Schweiz begangenen «Black Friday» weist das Vergleichsportal Comparis hin –  vor allem beim Onlineshopping: Da sehr viele Kunden mit Kreditkarte zahlen würden, steige auch das Risiko, sich beim vermeintlichen Schnäppchenmachen zu verschulden.

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