Investitionen im Zoll-DealBund verspricht USA 200 Milliarden – ohne Herkunft der Summe zu kennen
Noemi Hüsser
7.12.2025
Er hält die Liste streng geheim: Rahul Sahgal, Chef der Handelskammer Schweiz-USA.
sda
Im Rahmen des Zoll-Deals mit den USA sagten Schweizer Firmen Investitionen von 200 Milliarden Dollar zu. Doch der Bund hat keinen Überblick, wie diese Zahl zustande kam – und wer wie viel beitragen soll.
Die Herkunft der Investitionszusage von 200 Milliarden Dollar ist laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» unklar, selbst der Bund kennt weder die Verteilung noch die genauen Beträge.
Schweizer Konzerne wie Roche und Novartis sollen je 50 Milliarden Dollar zugesagt haben.
Nur die Schweiz-Amerikanische Handelskammer verfügt über eine vertrauliche Liste der rund sechzig beteiligten Unternehmen.
Viele Schweizer Unternehmen waren erleichter, als der Bundesrat Mitte November den Zoll-Deal zwischen der Schweiz und den USA verkündigte. Die Höhe der Strafabgaben fällt von 39 auf 15 Prozent, hiess es – dafür investiert die Schweiz rund 200 Milliarden Dollar in den USA.
Doch ein Bericht der «NZZ am Sonntag» zeigt nun: Schweizer Konzerne haben ihre Investitionszusagen für die USA zum Teil abenteuerlich berechnet. Auffällig hohe Zusagen etwa von Roche und Novartis, wie sie selbst veröffentlichten: je 50 Milliarden Dollar. Laut Bericht haben diese Summen mit klassischen Sachinvestitionen aber wenig zu tun, da die Konzerne auch Personalkosten, Marketingausgaben und weitere Posten einrechneten.
Zudem wisse der Bund nicht, wie die Gesamtsumme von 200 Milliarden Dollar zustande gekommen sei und welche Firmen welche Beträge beitragen wollten. Einen Überblick habe einzig die Schweiz-Amerikanische Handelskammer unter Rahul Sahgal, welche die Summe in einer Umfrage unter 1500 Mitgliedsfirmen ermittelt habe.
Die Investitionszusagen sollten sich auf rund sechzig Unternehmen verteilen, darunter fast alle Grosskonzerne. «Die detaillierte Investitionsliste ist streng vertraulich und liegt nur der Handelskammer vor», sagte Sahgal der Zeitung. Weder das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) noch der Bundesrat wüssten, welche Firma wie viel investieren werde.
Nach Informationen der «NZZ am Sonntag» geht man beim Bund davon aus, dass die USA die Investitionen nicht im Detail überprüfen werden. Wichtiger seien den USA vor allem symbolische Signale. Das Risiko, dass es dennoch zu Konsequenzen kommen könnte, falls die USA plötzlich genauere Nachweise verlangen sollten, scheint die Schweiz bewusst in Kauf zu nehmen.
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