Alternative zur höheren Mehrwertsteuer Bundesrat kippt Milliardenidee – bezahlen sollen am Ende alle

Sven Ziegler

2.2.2026

Karin Keller-Sutter will keine Grundstücksgewinnsteuer.
Karin Keller-Sutter will keine Grundstücksgewinnsteuer.
Keystone / Bildmontage blue News

Eine neue Grundstückgewinnsteuer auf Bundesebene könnte laut Experten Milliarden einbringen und wäre volkswirtschaftlich sinnvoller als höhere Mehrwertsteuern. Doch Finanzministerin Karin Keller-Sutter blockte.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Bundesexperten empfehlen eine Grundstückgewinnsteuer statt höherer Mehrwert- oder Konsumsteuern.
  • Finanzministerin Karin Keller-Sutter verzichtete trotz hoher Einnahmen auf den Vorschlag.
  • Kantone und Immobilienbranche warnen vor höheren Kosten für Bauherren und Käufer.

Eine Steueridee mit grossem Einnahmepotenzial sorgt erneut für politische Diskussionen. Wie der «Tages-Anzeiger» heute berichtet, empfahl eine vom Bundesrat eingesetzte Expertengruppe bereits vor über einem Jahr die Einführung einer bundesweiten Grundstückgewinnsteuer. 

Finanzministerin Karin Keller-Sutter entschied sich dennoch dagegen. Der Bundesrat will stattdessen die Aufrüstung der Armee und die 13. AHV-Rente über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer finanzieren. Zusätzlich soll auch die Kapitalbezugssteuer bei Auszahlungen aus der zweiten und dritten Säule steigen.

Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer verteuert Konsumgüter und Dienstleistungen flächendeckend – von Lebensmitteln bis zu Alltagsausgaben. Besonders spürbar ist das für Haushalte mit tieferen Einkommen, die einen grösseren Teil ihres Budgets für Konsum aufwenden müssen.

Dabei sehen Ökonomen Alternativen. Laut der Expertengruppe könnte eine Grundstückgewinnsteuer dem Bund jährlich rund eine Milliarde Franken einbringen – deutlich mehr als die geplante Erhöhung der Kapitalbezugssteuer.

Kantone stemmen sich gegen neue Abschöpfungen

Fachleute argumentieren, dass Grundstückgewinne häufig auf Standortentwicklung und öffentliche Investitionen zurückzuführen seien und weniger auf individuelle Leistung.

Wie heikel Eingriffe bei Immobiliengewinnen politisch sind, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Kanton Zürich. Dort zog der Regierungsrat im Winter einen Vorschlag zurück, wonach der Kanton künftig 25 Prozent der kommunalen Grundstückgewinnsteuern erhalten sollte.

Die Vernehmlassung fiel eindeutig aus: Praktisch alle Parteien, 86 Gemeinden sowie ihre Verbände lehnten das Vorhaben ab. Sie argumentierten, dass sie wegen des Bevölkerungswachstums selbst hohe Infrastrukturinvestitionen stemmen müssten. Der Regierungsrat verzichtete daraufhin darauf, dem Kantonsrat überhaupt eine Vorlage zu unterbreiten.

Politischer Konflikt zeichnet sich ab

Trotz der ökonomischen Argumente gelten die Chancen für eine Bundeslösung als gering. Viele Parlamentarier besitzen selbst Immobilien, zudem ist der Hauseigentümerverband politisch stark verankert.

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth fordert dennoch, dass der Bundesrat eine Grundstückgewinnsteuer prüft und dem Parlament eine Vorlage unterbreitet. Wertsteigerungen von Immobilien seien «fast immer Folge der allgemeinen Entwicklung eines Standorts und von Aufwertungen der Infrastruktur», finanziert durch die Allgemeinheit.

Ob der Vorschlag im Parlament eine Mehrheit findet, ist offen.