ChemieClariant zieht sich aus Venezuela zurück – droht nun Verlust?
SDA
19.12.2025 - 07:57
Der Spezialchemiehersteller Clariant hat sein Geschäft in Venezuela an das lokale Chemieunternehmen CMV Química für rund 1,8 Millionen US-Dollar veräussert. Das Geschäft erzielte 2024 einen Umsatz von etwa 3 Millionen Franken. (Archivbild)
Keystone
Der Spezialchemiehersteller Clariant steigt aus dem schwierigen Geschäft in Venezuela aus. Dies verhagelt dem Unternehmen den Jahresgewinn – und könnte sogar für rote Zahlen sorgen.
Keystone-SDA
19.12.2025, 07:57
19.12.2025, 10:35
SDA
Die Clariant-Tochter in Venezuela erzielte 2024 einen Umsatz von rund 3 Millionen Franken, wie Clariant am Freitag mitteilte. Das Geschäft wird nun für rund 1,8 Millionen Dollar an das lokale Chemieunternehmen CMV Química verkauft. Die 60 Mitarbeitenden produzierten dort vorwiegend für den Geschäftsbereich Care Chemicals.
Die Transaktion wirke sich negativ auf die Jahresrechnung aus, warnt das Unternehmen. So schlagen sich «kumulierte Währungsdifferenzen» von rund 236 Millionen Franken als «einmaliger negativer Effekt» im Finanzergebnis nieder. Dies schmälere den Reingewinn für 2025.
Währungsdifferenzen «über Jahre angesammelt»
Die Währungsdifferenzen hätten sich «über Jahre in der Eigenkapitalposition angesammelt», erklärte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Das Vermögen der venezolanischen Tochtergesellschaft wurde von der lokalen Währung in Schweizer Franken umgerechnet.
Bei ZKB-Analyst Walter Bamert klingeln nun die Alarmglocken. «Damit dürfte das Reinergebnis in der Verlustzone zu liegen kommen», schreibt er in einer ersten Reaktion. Denn die Kantonalbank rechnete bisher mit einem Jahresgewinn von 210 Millionen Franken.
Clariant betont allerdings, dass es sich um einen «reinen Buchungseffekt» handle, der keinen Einfluss auf den Cashflow, die operative Profitabilität (EBITDA vor Sondereffekten) oder die Dividendenfähigkeit des Unternehmens habe. Die Prognose für die EBITDA-Marge vor Sondereffekten von 17 bis 18 Prozent wird denn auch bestätigt.
Geschäft seit Jahren rückläufig
Der Verkauf sei Teil der Strategie von Clariant, sich auf «Kernmärkte mit nachhaltigem Wachstumspotenzial zu konzentrieren», sagte die Sprecherin weiter. «Das Geschäft in Venezuela hatte sich über mehrere Jahre rückläufig entwickelt und wurde zuletzt unter einer Notfall-Governance geführt, wobei Investitionen auf sicherheitsrelevante Themen beschränkt waren.» Der Käufer, CMV Química, verfüge über starke lokale Marktkenntnisse und eine bestehende Kundenbasis.
Zuletzt spitzte sich der Konflikt zwischen den USA und Venezuela zu. Mit einer Blockade von Öltankern hat US-Präsident Donald Trump den Konflikt in den vergangenen Tagen weiter eskaliert. Zudem kam es zu zahlreichen tödlichen Angriffen des Militärs auf Boote mit Menschen, die Drogen geschmuggelt haben sollen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Clariant kurz vor dem Jahresende eine Gewinnwarnung aussprechen muss. Im Dezember 2023 zog Clariant beim sogenannten «Sunliquid»-Projekt die Reissleine. Clariant war es nicht gelungen, die Herstellung von Bioethanol aus Weizenstroh profitabel zu betreiben. Die Schliessung einer Anlage in Rumänien führte zu grossen Restrukturierungskosten und Rückstellungen.
Die Anleger reagieren relativ gelassen auf den Ausstieg aus Venezuela. Die Aktie gibt im frühen Handel lediglich um 0,3 Prozent nach und bewegt sich damit im Einklang mit dem Gesamtmarkt.
Machtkampf um die Fed: Notenbankchef Powell stellt sich gegen Trump
Washington, 12.01.2026: Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Chef der US-Notenbank eskaliert. Jerome Powell weist strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Federal Reserve zurück.
Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf.
Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand:
O-Ton Jerome Powell, Chef der US-Notenbank
«Es geht darum, ob die Fed die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann – oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung bestimmt wird.»
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren wirft Trump eine «korrupte Übernahme» der Zentralbank vor. Warum Trumps Justizministerium ausgerechnet jetzt gegen Powell vorgeht, ist unklar. Dessen Amtszeit endet ohnehin im Mai. Trump will noch im Januar seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge auf dem Chefposten der Federal Reserve bekanntgeben.
12.01.2026
Ifo-Präsident fordert «Frühling der Reformen»
STORY: Das Münchener Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft herabgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im kommenden Jahr um 0,8 Prozent und 2027 um 1,1 Prozent wachsen, sagten die Münchner Forscher am Donnerstag voraus. Im September waren sie noch von 1,3 und 1,6 Prozent ausgegangen. Die deutsche Wirtschaft passe sich dem Strukturwandel nur langsam und kostspielig an, hiess es zur Begründung. Zusätzlich würden Unternehmen und Neugründungen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert. Auch die US-Handelspolitik belastet die deutsche Exportwirtschaft demnach weiter spürbar. Die geplanten staatlichen Investitionen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher wirken dem Ifo-Institut zufolge nur verzögert. Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert von der Bundesregierung nun einen «Frühling der Reformen». O-Ton Clemens Fuest, Ifo-Präsident: «Ja, der Herbst der Reform hat leider in die falsche Richtung gesteuert. Was gemeint war, das waren ja Reformen, die das Wachstum stärken. Was wir bekommen haben, das sind überwiegend Reformen, die das Wachstum schwächen, zum Beispiel die Rentenreform, die einfach nur bedeutet, dass wir künftig höhere Steuern werden zahlen müssen. Das ist nicht der richtige Weg. Also, wir brauchen jetzt einen Frühling der Reformen, die in die richtige Richtung steuern.» Ansetzen sollte die Regierung bei Arbeitsmarkt, Investitionen und Bildung, so Fuest. Überflüssige Regulierung und Berichtspflichten müssten abgebaut werden. Helfen könne auch ein flexibleres Arbeitsmarktrecht. Für hochqualifizierte Arbeitskräfte sei ein weniger rigider Kündigungsschutz notwendig, damit neue Unternehmen auch mal Dinge ausprobieren und Leute einstellen könnten.
11.12.2025
Wadephul: China signalisiert Entgegenkommen bei Seltenen Erden
STORY: Bundesaussenminister Johann Wadephul hat bei seinem nachgeholten Besuch in Peking nach eigenen Angaben in Wirtschaftsfragen Fortschritte verbuchen können. Unter anderem äusserte er sich dort am Montag zum Thema Versorgung Deutschlands und Europas mit den Seltenen Erden. O-Ton Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister: «Es ist gut, dass so ein substanzieller Kontakt stattfinden kann. Es waren heute offene und intensive Gespräche; Gespräche, die dazu da sind, immer wieder auszuloten, wie man gerade bei schwierigen Fragen vorankommen kann. Wir haben gute, konstruktive Gespräche geführt.»://: «Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein. Wir hören, dass die chinesische Seite durchaus Verständnis hierfür hat. Wir wissen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen. Aber unsere chinesischen Gesprächspartner wissen auch, dass die Europäische Kommission die Wettbewerbsbedingungen genau beobachtet und sich auch immer vorbehalten muss, selbst aktiv zu werden.»://: «Es ist gut zu hören, dass dies auch im chinesischen Interesse ist. Man will einander ein verlässlicher Handelspartner und ein verlässlicher Wirtschaftspartner sein und auch als ein solcher gelten. Und es ist auch gut, von chinesischer Seite zu hören, dass man sich besonderen Engpässen auf deutscher und europäischer Seite mit besonderer Priorität widmen will.»://: «China hat versichert, dass man sehr konstruktiv an die Prüfung dieser Anträge herangehen wird und dass es keinerlei Bestrebungen gibt, gerade deutsche Unternehmen hier mit grösseren Problemen zu belasten. Das halte ich für eine gute Zusage und ermutige jetzt die deutsche Wirtschaft, hier jetzt konkret in die Beantragung hineinzugehen.»://: «Wir wollen Handelsbarrieren abbauen, aber das setzt voraus, dass auch China hier Massnahmen ergreift, die die Effekte der Überproduktion in Europa nicht zu stark werden lassen.» Bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe er hingegen keine nennenswerten Zugeständnisse der chinesischen Führung erhalten.
08.12.2025
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