Steigende RisikenDroht ein globaler Börsencrash? Schweizer Experte ordnet ein
Von Samuel Walder
10.11.2025
US-Experten warnen vor einem möglichen Crash. Der Anlagechef der Raiffeisen kritisiert die Prognose eines Crashes.
Bild:Keystone
Crash-Warnungen seien wenig hilfreich, sagt Raiffeisen-Anlagechef Geissbühler – dennoch sieht er klare Überhitzungstendenzen bei Tech-Aktien und sieht durchaus Gefahren bei den Folgen der US-Zölle für die Schweizer Wirtschaft.
Börsencrashs sind laut Matthias Geissbühler, Anlagechef der Raiffeisen, kaum vorhersehbar, doch er warnt vor Überbewertungen im Technologiesektor und einer abnehmenden Euphorie bei Kryptowährungen.
Die hohen US-Zölle von 39 % treffen vor allem exportorientierte Schweizer KMUs und die Uhrenindustrie – viele Firmen reagierten mit vorgezogenen Lieferungen.
Grosskonzerne wie Rolex oder Richemont sind weniger anfällig dank globaler Produktion, doch Geissbühler fordert dringend Zollsenkung-Verhandlungen zur Stärkung der Schweizer Wirtschaft.
Keine Panik auf der Titanik – obwohl dies an der Börse in den USA vor kurzem noch anders klang. Denn das einzige, was die US-Wirtschaft noch zusammenhält, sei die Künstliche Intelligenz, hiess es in mehreren Medienberichten. Wie hoch ist die Gefahr wirklich und welche Auswirkungen hat dies auf die Schweiz?
blue News fragt bei Matthias Geissbühler, Anlagechef der Raiffeisen, nach. Trotz geopolitischer Spannungen, Zollstreit und Unsicherheiten in den USA zeigt sich die Börse erstaunlich robust. «Die Lage ist grundsätzlich sehr positiv», sagt der Anlagechef.
«Selbst Themen wie das Zoll-Chaos, der Krieg in der Ukraine oder der US-Shutdown haben die Märkte kaum beeindruckt.» Besonders die europäischen und die Schweizer Börsen hätten sich stark entwickelt – mit Renditen von rund zehn Prozent.
Crash-Prognosen sind mit Vorsicht zu geniessen
Von Crash-Warnungen hält Geissbühler wenig: «Einen Börsencrash vorherzusagen, ist praktisch unmöglich. Solche Ereignisse werden meist durch unvorhersehbare Faktoren ausgelöst – wie etwa eine Pandemie oder 9/11.» Dennoch beobachtet er gewisse Überhitzungstendenzen: «Im Technologiesektor sehen wir viel Euphorie, besonders rund um das Thema Künstliche Intelligenz. In einzelnen Segmenten sind die Bewertungen sehr hoch.»
Auch die Kryptowährungen zeigen Parallelen zur Tech-Welt: «Der Kryptomarkt hängt stark mit dem Technologiesektor zusammen. Wenn die Euphorie dort nachlässt, spiegelt sich das auch bei den digitalen Währungen wider – das aktuelle spekulative Momentum nimmt ab, und man sieht gewisse Korrekturen», sagt Geissbühler.
Die US-Zölle machen sich auch an der Börse bemerkbar. Am Dienstag sollen Daniel Jaeggi, Co-Gründer des Energiehändlers Mercuria, Alfred Gantner, Mitgründer von Partners Group, Johann Rupert, Präsident des Luxuskonzerns Richemont und Jean-Frédéric Dufour, CEO von Rolex sich mit Donald Trump getroffen haben. Was auffällt: In der Schweiz haben sich zwar der SMI und diverse Schweizer Firmen nach dem Mini-Crash im April erholt, doch die oben genannten kämpfen mit dem Kurs an der Börse.
Schweizer Wirtschaft: Zölle als Bremsklotz
Auch Geissbühler bereiten die hohen US-Zölle von 39 Prozent auf Schweizer Produkte Sorgen. «Das ist für die Schweizer Wirtschaft sicher nicht hilfreich, vor allem für KMUs, die hierzulande produzieren und nicht einfach ausweichen können.» Besonders betroffen sei die Uhrenindustrie, welche aber eine Lösung gefunden hat: «Während der kurzen Übergangsphase nach dem Liberation Day konnten viele Uhrenunternehmen ihre Lieferungen in die USA kurzfristig deutlich erhöhen – die Lager sind bis nächstes Jahr gefüllt.»
Trotzdem sieht er keine Panik an der Schweizer Börse: «Die börsenkotierten Konzerne sind oft global aufgestellt und produzieren teils bereits in den USA – sie sind daher weniger stark betroffen, als man denkt.» Dennoch sieht er Handlungsbedarf: «Es wäre dringend nötig, die Zölle runterzuhandeln – das wäre ein klarer Gewinn für die Schweizer Volkswirtschaft.»
Geissbühler hofft auch im Hinblick auf das Jahr 2026, dass sich in dieser Thematik etwas ändert. Er sagt: «Die Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaftwerdenwird erst mit der Zeit sichtbar. Im Moment sieht man erst vereinzelte Auswirkungen der US-Zölle. Je nach Verhandlungsergebnis kann sich die Situation ins Positive, aber auch ins Negative verändern.»
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