Credit Suisse droht wieder Steuerstreit mit den USA

yr

28.4.2021 - 12:46

Sen. Ron Wyden, D-Ore., holds up the current version of the Graham-Cassidy healthcare proposal as he speaks at a Senate Finance Committee hearing to consider the proposal, on Capitol Hill, Monday, Sept. 25, 2017, in Washington. (AP Photo/Andrew Harnik)
Ron Wyden, Vorsitzender des Finanzausschusses im US-Senat, will sich die Akte Credit Suisse nochmals genauer ansehen. 
Bild: AP Photo/Andrew Harnik

Als wären die Skandale um die Greensill-Fonds und den Hedgefonds Archegos nicht genug: Der Credit Suisse droht nun auch neuer Steuerstreit mit den USA – und sie hat eine Busse der EU am Hals.

yr

28.4.2021 - 12:46

Die Liste der Probleme wird für die Credit Suisse nochmals länger: Ein längst als abgeschlossen geglaubtes Kapitel der Grossbank neuen Ärger bescheren. Einflussreiche Mitglieder des Finanzausschusses im US-Senat werfen der Grossbank vor, auch nach der Einigung und dem Schuldeingeständnis von 2014 weiterhin US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Das berichtet die «Financial Times».

Der Ausschussvorsitzende, Senator Ron Wyden, habe Justizminister Merrick Garland aufgefordert, zusätzliche Informationen zu dem Deal von 2014 zu liefern. Der Vorwurf laute, dass die CS gegen die Regeln der Vereinbarung verstossen habe.

Zur Erinnerung: Die Grossbank hatte sich im Mai 2014 im Steuerstreit mit den USA geeinigt. Sie legte dabei ein Schuldeingeständnis ab und leistete Strafzahlungen von insgesamt 2,6 Milliarden Dollar. Die Geschichte schien erledigt – bis jetzt. 

Konto eines reichen Professors verheimlicht?

Laut mehreren früheren CS-Angestellten soll die Bank bei dem Deal Informationen unterschlagen, heisst es im Artikel der «Financial Times» weiter. Die CS soll das Konto eines vermögenden Klienten verheimlicht haben. Der Kunde, der US-israelische Wirtschaftsprofessor Dan Horsky, habe bei der Bank rund 200 Millionen Dollar vor den US-Behörden versteckt und sei später wegen Steuerdelikten verurteilt worden.



Senator Wyden habe sich in einem Brief auch direkt an CS-CEO Thomas Gottstein gewandt. «Öffentliche Informationen und Dokumente des Bundesgerichts werfen die Frage auf, ob sich die Credit Suisse vollständig an die Vereinbarung gehalten hat. Dazu gehört auch das Versäumnis der Bank, nicht deklarierte Vermögenswerte in Höhe von über 200 Millionen Dollar offenzulegen, die sie auf Offshore-Konten für den US-Kunden Dan Horsky hielt», zitiert die Zeitung aus dem Wyden-Brief.

EU verhängt Millionenstrafe gegen CS

Neue Probleme gibt es für die Credit Suisse auch in Europa: Die EU-Kartellbehörde hat gegen die CS und zwei weitere Grossbanken eine Geldstrafe von insgesamt 28,5 Millionen Euro verhängt. Die Aufseher werfen den Instituten Angaben vom Mittwoch zufolge eine Beteiligung an einem Kartell im Handel mit Dollar-Anleihen vor.

Der Kommission zufolge hätten Händler von vier Banken Handelsstrategien abgesprochen, sensible Preisinformationen ausgetauscht und Preise über fünf Jahre hinweg abgestimmt.

Die Busse gegen Credit Suisse belaufe sich auf rund 11,86 Millionen Euro. Bank of America Merrill Lynch müsse 12,64 Millionen Euro und Credit Agricole 3,99 Millionen Euro zahlen. Die Deutsche Bank entging einer Strafe, weil sie das Kartell bei der Europäischen Kommission angezeigt hatte.

Die Credit Suisse akzeptiert die Strafe nicht. Man sei «nach wie vor der Ansicht, dass der einzige ehemalige Mitarbeiter, den die Europäische Kommission kritisiert hat, kein wettbewerbswidriges Verhalten an den Tag gelegt hat», hiess es in einer Stellungnahme. «Die Credit Suisse beabsichtigt, die Entscheidung der Kommission vor europäischen Gerichten anzufechten, wo wir uns in dieser Angelegenheit mit Nachdruck verteidigen werden.»