US-Ölfirmen winken abDarum geht Trumps grosser Plan mit Venezuelas Öl nicht auf
Philipp Dahm
14.1.2026
USA lockern Sanktionen gegen Venezuela
Washington, 07.01.2026: Nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs sichern sich die USA den Zugriff auf die Ölproduktion des südamerikanischen Landes.
Die USA heben einige ihrer Sanktionen gegen Venezuela auf. Dies soll den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt ermöglichen, wie das US-Energieministerium mitteilt.
Welche Sanktionen genau gelockert werden sollen und wann, ging daraus nicht hervor. Zum Beispiel sind aktuell bestimmte Tanker, die Öl transportieren, von den USA mit Sanktionen belegt.
Die USA nehmen nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro verstärkt die Ölvorkommen in den Blick. So sagt Energieminister Chris Wright, die USA nähmen deren Verkauf «auf unbestimmte Zeit» in ihre Hand.
Das Ölgeschäft ist für Venezuelas Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle.
08.01.2026
Venezuela ist das Land mit den weltweit grössten Öl-Reserven. Donald Trump will, dass US-Firmen das schwarze Gold aus dem Boden holen – doch die haben triftige Gründe, sich mit milliardenschweren Investitionen zurückzuhalten.
«Wegen Trump! Riesige Öl-Sorgen in Russland», titelt «Bild», nachdem US-Truppen in Caracas den Präsidenten Nicolás Maduro geschnappt haben. Im Kreml herrsche Panik, heisst es weiter: «US-Konzerne könnten nach Venezuela kommen und die Ölproduktion im Land steigern – dies würde zu fallenden Ölpreisen führen.»
Wenn die USA mehr Öl auf den Markt bringen und die Preise sinken, gehen auch Moskaus Einnahmen in den Keller – und Wladimir Putins Haushalt ist auf diese Gelder angewiesen, schreibt das deutsche Blatt.
Es stimmt zwar, dass Russland auf die Öleinnahmen angewiesen ist: 30 bis 50 Prozent des nationalen Budgets werden damit bestritten, weiss das Oxford Institute for Energy Studies. Doch so schnell wird das schwarze Gold in Venezuela nicht fliessen – und ob sich die Förderung lohnt, muss sich auch erst noch zeigen.
Ölfirma-Boss: «Nicht zum Investieren geeignet»
Das klarste Indiz dafür, dass die Bodenschätze Venezuelas nicht so profitabel sind, wie es sich Washington erhofft, ist die Reaktion der grossen US-Ölfirmen, die den Rohstoff fördern sollen. Am 9. Januar besuchen die Bosse das Weisse Haus, wo der Präsident Investitionen von 100 Milliarden Dollar einfordert.
Donald Trump trifft sich am 9. Januar im Weissen Haus mit Vertretern der Öl- und Gasindustrie. Zwischendurch nimmt er sich die Zeit, um aus dem Fenster auf den entstehenden Ballsaal zu gucken.
Bild:Keystone
Die «stärksten Vorbehalte» äussert laut «Bloomberg» der CEO von ExxonMobil: «Wenn wir auf die juristischen und wirtschaftlichen Konstruktionen und Rahmenbedingungen schauen, ist das nicht zum Investieren geeignet», wird Darren Woods zitiert, der betont, dass sein Unternehmen schon zweimal in dem Land enteignet worden ist.
Trump’s reality check on Venezuela oil:
He rolled out the red carpet for Big Oil at the White House, bragged about reviving Venezuela’s oil and pushing for $100 billion in U.S. investment.
Exxon’s chief flat-out called Venezuela “uninvestable” without massive legal and commercial changes.
«Wie dauerhaft ist der Schutz aus finanzieller Sicht? Wie werden die Renditen aussehen?», fragt der 60-Jährige. «Was sind die wirtschaftlichen Massnahmen und der legale Rahmen?» Um abzusehen, wie in den kommenden Dekaden das Geschäft verlaufen werde, müssten all diese Dinge geklärt werden.
Donald Trump: «Mir hat die Antwort nicht gefallen»
Obwohl nicht nur ExxonMobil, sondern auch Riesen wie Chevron oder ConocoPhillips sich damit zurückhalten, dem Weissen Haus konkrete Zusagen zu machen, nimmt Donald Trump insbesondere Darren Woods sein Verhalten übel.
Trump on American oil companies' work in Venezuela: "They're gonna taking the oil and they're gonna bring oil prices down"
«Mir hat die Antwort von Exxon nicht gefallen», ärgert sich der 79-Jährige am 11. Januar an Bord der Air Force One. «Ich würde wahrscheinlich dazu neigen, Exxon aussen vorzulassen. Ihre Antwort hat mir nicht gefallen. Sie stellen sich zu niedlich an.»
Trump: I'd probably be inclined to keep Exxon out. I didn't like their response. They're playing too cute. pic.twitter.com/Lx5tBl9Qbv
Die Zurückhaltung der Öl-Barone ist nachvollziehbar. Es gibt einige Gründe, die gegen ein geschäftliches Abenteuer in Venezuela sprechen: Da wären zunächst die enormen Investitionen, die nötig sind, um die geschundene Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen.
Das norwegische Unternehmen Rystad Energy schätzt, dass 8 bis 9 Milliarden Dollar jährlich in die Hand genommen werden müssten, um Venezuelas Ölproduktion bis 2040 zu verzehnfachen, weiss die BBC. Francisco Monaldi von der Rice University geht von 10 Milliarden Dollar jährlich aus, ergänzt «Bloomberg».
Neben diesen hohen Einstiegskosten stellt sich die Frage nach der Sicherheit dieser Investition. Zum einen droht die Gefahr, dass das Geschäft in Venezuela erneut verstaatlicht werden könnte, wie ExxonMobil, aber auch ConocoPhillips aus eigener Erfahrung wissen. Zum anderen müssen die Mitarbeitenden der Ölfirmen vor Kriminellen geschützt werden.
The crackdowns are intensifying. The Maduro regime remains in power, with Delcy Rodríguez in command. This was never about democracy or protecting the people of Venezuela. They continue to live in danger and fear while Trump cuts deals with the regime to seize their oil.
Doch selbst wenn die Infrastruktur wieder flottgemacht ist und Eigentumsrechte und körperliche Unversehrtheit garantiert sind, ist noch lange nicht sicher, dass die Förderung in dem südamerikanischen Land profitabel ist.
Venezuelas Öl ist «sehr dicht, sehr schmutzig, sehr hart»
Denn ein weiteres Problem ist: Das venezolanische Rohöl ist sehr klebrig. Es hat einen hohen Schwefelgehalt, wodurch es schwieriger zu fördern und zu raffinieren ist, erklärt Diego Rivera Rivota von der Columbia University der Nachrichtenagentur AP: «Es ist sehr dicht, sehr schmutzig, sehr hart. Und es ist auch sehr sauer.»
Das erhöht die Kosten – für die Förderung, den Transport und das Raffinieren. Wenn der Ölpreis niedrig bleibt, lohnt es sich womöglich kaum, das Öl aus dem Boden zu holen. Hinzu kommen die höheren Emissionen, die der Prozess verursacht, heisst es bei AP weiter. Zumindest verfügen die USA über entsprechende Raffinerien, um solches Öl zu verarbeiten, schreibt der «Guardian».
It's about the oil, stupid!
Venezuela has ~1/5 of the world’s proven crude reserves, or an estimated 303 billion barrels. Most other major deposits are concentrated in the Middle East. OPEC’s figures exclude Canada’s oil sands, which if included, would place Canada fourth globally in 2024.
«Es wird schwierig sein, grosse Verpflichtungserklärungen zu sehen, bevor sich die politische Lage nicht vollständig stabilisiert hat, und wann das der Fall sein wird, ist ungewiss», sagt Claudio Galimberti von Rystad Energy der BBC. Ähnlich tönt es beim Öl-Riesen ConocoPhillips aus Houston, Texas.
«ConocoPhillips beobachtet die Entwicklungen in Venezuela und ihre möglichen Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung und Stabilität», sagt ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters». «Es wäre verfrüht, über zukünftige Geschäftsaktivitäten oder Investitionen zu spekulieren.»
Es ist davon auszugehen, dass auch diese Antworten dem US-Präsidenten «nicht gefallen».
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