Neues «Bilanz»-RankingDas sind die 10 reichsten Personen in der Schweiz
Sven Ziegler
28.11.2025
Die «Bilanz» hat die Liste der 300 reichsten Schweizer veröffentlicht.
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Die «Bilanz» zeigt in ihrer neuen Reichstenliste: Die Superreichen der Schweiz haben ihr Vermögen erneut gesteigert – auf insgesamt 851,5 Milliarden Franken, so viel wie noch nie. In die Top Ten schafft es nur, wer mindestens rund 15 Milliarden Franken besitzt.
Die Schweiz ist auch 2025 ein Magnet für grosse Vermögen. Die neue Reichstenliste der «Bilanz» zeigt: Noch nie lag das Gesamtvermögen der 300 Reichsten auf einem derart hohen Niveau wie heute. Wer es an die Spitze schaffen will, benötigt Summen, die selbst unter Milliardären Respekt auslösen.
Rund 15 Milliarden Franken ist die Eintrittsschwelle für die Top Ten. Und in der Spitze tummeln sich Unternehmerdynastien, die ganz unterschiedliche Wirtschaftszweige dominieren – von Luxuskosmetik bis Containerschifffahrt.
Gérard & Alain Wertheimer – Die diskrete Macht hinter Chanel
Alain (l.) und Gérard Wetheimer.
IMAGO/ABACAPRESS
Die Brüder Gérard und Alain Wertheimer stehen seit Jahrzehnten an der Spitze des Modeimperiums Chanel – und gehören auch 2025 zur absoluten Vermögenselite der Schweiz. Zwar läuft das Luxusgeschäft wegen globaler Unsicherheiten momentan harzig: Der Chanel-Umsatz sank 2024 um 5,3 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar, der Gewinn sogar um 28,2 Prozent. Eine Dividende, wie die 5,7 Milliarden des Vorjahres, zahlten sie sich diesmal nicht aus.
Stattdessen investieren die Wertheimers massiv in die Zukunft der Marke: 1,8 Milliarden Dollar fliessen in neue Boutiquen, darunter Toplagen in Paris, New York, Nanjing, Chengdu und Tokio. Chanel betreibt heute rund 700 Geschäfte weltweit.
Ihr Family Office Mousse Partners – geführt vom Halbbruder Charles Heilbronn – setzt stark auf Diversifikation. So besitzen die Brüder 14 Prozent am Luxuslabel The Row und investieren in Immobilien, Uhren, Brillen, Gastronomie sowie Skibekleidung. Auch Gérards Sohn David baut mit 1686 Partners ein eigenes Luxusportfolio auf.
Familie Hoffmann/Oeri – Die stillen Giganten von Roche
Maja Hoffmann präsidiert unter anderem das Locarno Film Festival
KEYSTONE
Die Roche-Erben kontrollieren 72,5 Prozent der stimmberechtigten Roche-Aktien – und gelten damit als eine der einflussreichsten Familiendynastien Europas. Nach Jahrzehnten relativer Zurückhaltung tritt die Familie heute sichtbar häufiger im Rampenlicht auf: Maja Hoffmann präsidiert das Locarno Film Festival, André Hoffmann wirbt als Co-Autor eines Buchs für «verantwortungsvollen Kapitalismus».
Roche selbst steht vor einer historischen Strukturreform: Die traditionellen Genussscheine sollen modernisiert und in Partizipationsscheine umgewandelt werden. Geschäftlich ist der Pharmakonzern gefordert – US-Zölle, Preisdiskussionen und geopolitische Unsicherheiten drücken aufs Umfeld.
Als Reaktion investiert Roche 50 Milliarden Dollar in die USA: Produktionsanlagen, Forschungseinrichtungen und Kapazitäten für neue Medikamente. Die Tochter Genentech baut etwa für 700 Millionen Dollar ein Werk für Adipositas-Medikamente auf. Zudem übernimmt Roche für 2,4 Milliarden Dollar das Biotech-Unternehmen 89bio.
Andrea Pignataro – Der unsichtbare Datenmilliardär
Andrea Pignataro auf einer seltenen Fotoaufnahme.
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Der Fintech-Pionier Andrea Pignataro, wohnhaft im Engadin und in London, ist der wohl rätselhafteste Milliardär der Schweiz. Der gebürtige Italiener – promoviert am Imperial College London – gründete 1999 die ION Group, die heute ein globaler Schwergewichts-Konzern für Finanzinformationen, Software und Tradingtechnologien ist.
Pignataro kaufte über Jahre Konkurrenten auf und baute ein Firmennetzwerk, das laut Bloomberg über 13’000 Mitarbeitende in mehr als 50 Ländern umfasst. Dabei ist das Firmengeflecht bewusst undurchsichtig strukturiert: kaum Zahlen, kaum Auftritte, fast keine Interviews.
In die Schlagzeilen kam die Gruppe dennoch – zum einen wegen eines Steuerstreits in Italien, den Pignataro für 280 Millionen Euro beilegte, und zum anderen wegen eines erfolgreichen Hackerangriffs auf die ION-Systeme.
Familie Aponte – MSC erobert die Weltmeere
Gian Luigi Aponte gehört zu den Köpfen der Familie.
IMAGO/ABACAPRESS
Der Genfer Logistikkonzern MSC der Familie Aponte ist ein globaler Riese: rund 900 Schiffe, 25 Prozent des weltweiten Containerverkehrs und eine aggressive Expansionsstrategie. 2024 gehörte trotz geopolitischer Risiken (Huthi-Angriffe, Routenverlängerungen via Afrika) zu den drittbesten Jahren der Branche, mit geschätzten 78 Milliarden Dollar Gewinn im Sektor.
MSC setzt stark auf Terminal-Infrastruktur: Nach dem Einstieg in Hamburg kauften sie über die Tochter TiL für 22,8 Milliarden Dollar ein grosses asiatisches Terminalnetz – ein Schritt zum Weltmarktführer im Hafenbetrieb.
Die 55 Jahre alte Familienfirma beschäftigt weltweit über 200’000 Mitarbeitende.
Familie Safra – Globalbanker im Expansionsmodus
Die in der Schweiz lebende Safra-Dynastie steuert eines der global bedeutendsten Private-Banking-Imperien. Die Basler Bank J. Safra Sarasin steigerte 2024 den Nettogewinn um 7,3 Prozent auf 505 Millionen Franken und das verwaltete Vermögen auf 224 Milliarden.
Unter dem informellen Familienchef Jacob Safra setzt die Gruppe auf aggressive Expansion: So kaufte die Gruppe beispielsweise 70 Prozent der Saxo-Bank für geschätzt 1,1 Milliarden Euro.
Die Familie verfügt über ein breit diversifiziertes Portfolio – und gehört zu den vermögendsten Akteuren im globalen Finanzsystem.
Klaus-Michael Kühne – Vom Branchenrückenwind zur Ernüchterung
Klaus-Michael Kühne hat ein schwieriges Jahr hinter sich.
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Für Logistik-Mogul Klaus-Michael Kühne war es ein schwieriges Jahr: Seine Beteiligungen an Kühne+Nagel (54 Prozent) und Hapag-Lloyd (30 Prozent) verloren zusammen rund 6 Milliarden Franken an Wert. Die Sonderkonjunktur der Pandemie ist vorbei, Frachtraten sinken, der Dollar schwächelt.
Gleichzeitig baut Kühne ausserhalb der Logistik weiter aus: Anteil am Fernbusanbieter Flix, Kauf des Pharmakonzerns Aenova und Ausbau seiner Beteiligung an der Lufthansa auf knapp 20 Prozent.
Familie Bertarelli – Biotech-Gewinn und Segelrückschläge
Ernesto Bertarelli ist CEO der Alinghi Red Bull Racing.
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Die Bertarellis haben 2024 ein finanziell starkes Jahr erlebt: Ihre Pharmafirma Boston Pharmaceuticals, Teil des Family Office B-Flexion, erhielt von GSK eine Vorauszahlung von 1,2 Milliarden Dollar für ein Medikament gegen Lebererkrankungen. Bei Erfolg könnten die Zahlungen auf 2 Milliarden steigen.
Im Segelsport lief es weniger rund: Alinghi Red Bull Racing verpasste am America’s Cup in Barcelona die Finalrennen. Ob das Team 2027 antritt, ist offen.
Jorge Lemann – Der Mann hinter 3G Capital
Jorge Lemann im Jahr 2015 zusammen mit seiner Ehefrau Susanna.
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Der schweizerisch-brasilianische Milliardär Jorge Lemann, Gründer von 3G Capital, setzte 2024 ein grosses Ausrufezeichen: Für 9,4 Milliarden Dollar kaufte er mit seinen Partnern Carlos Sicupira und Marcel Telles den US-Schuhhersteller Skechers.
Sofort kursierten Spekulationen über eine Fusion mit On Running – nicht unrealistisch, denn Lemanns Sohn Marc hält 6,2 Prozent der On-Aktien, Partner Sicupira weitere 6,9 Prozent.
Andrey Melnichenko – Sanktionen und Rückschläge
Andrey Melnichenko auf einer Aufnahme von 2017.
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Der russischstämmige Milliardär mit Wohnsitz St. Moritz (formell) erlebte ein verlorenes Jahr: Der Europäische Gerichtshof bestätigte die EU-Sanktionen gegen ihn. Seine Behauptung, er habe seine Firmen abgetreten, überzeugte weder in Brüssel noch in London.
Melnichenko kontrolliert – direkt oder indirekt – zwei Schwergewichte: Die EuroChem in Zug und die Suek, die auf Kohle und Energie setzt. EuroChem steckt zudem in Konflikten: Banken verweigerten Zahlungen über 212 Millionen Euro, und im Frühling gab es Ermittlungen wegen möglicher indirekter Lieferungen an die russische Rüstungsindustrie.
Da er nicht mehr in die Schweiz einreisen darf, pendelt er zwischen Dubai und Moskau.
Familie Schindler/Bonnard – Der Lift-Konzern bleibt fest in Familienhand
Alfred Schindler bleibt ein starker Industriegigant.
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Die Luzerner Schindler-Gruppe bleibt ein stabiler Industriegigant – und fest in der Hand der Gründerfamilien. Patriarch Alfred Schindler, seit 48 Jahren im Unternehmen, sitzt weiterhin im Verwaltungsrat. Sein Cousin Luc Bonnard trat 2025 zurück, dafür rückt Tochter Marion Bonnard nach.
Operativ gab es einen grossen Umbau: Langzeit-CEO Silvio Napoli trat überraschend zurück, neuer Konzernchef ist seit Februar 2025 Paolo Compagna.
Die Schindler-Aktien haben sich klar erholt: seit dem Tiefpunkt 2022 um fast 90 Prozent. Der Konzern bleibt profitabel – auch wenn Konkurrent Otis bei den Margen voraus ist.