«Schlimmster Konzern der Welt» – und in der Schweiz ein Umsatzriese

Von Gil Bieler

11.7.2019

Cargill ist eine der umsatzstärksten Firmen der Schweiz – im Bild der Genfer Sitz.
Bild: Keystone

Die Umweltschutzgruppe Mighty Earth erhebt schwere Vorwürfe gegen Cargill. Der Lebensmittelmulti sei für Umweltsünden weltweit verantwortlich. Seit 1956 ist der Konzern auch in der Schweiz tätig.

Cargill mit Hauptsitz im US-Bundesstaat Minnesota ist ein Gigant im internationalen Geschäft mit Lebensmitteln und Agrarprodukten. Auch wenn der Name nicht auf der Verpackung steht, so steckt ein wenig Cargill doch in unzähligen Produkten: Zu den grössten Kunden des Multis gehören McDonald’s, Burger King, Aldi, Danone, Nestlé und Unilever.

Auch für Mighty Earth ist Cargill eine ganz grosse Nummer – nämlich was Umweltsünden angeht. In einem Bericht listet die Umweltschutzgruppe auf 50 Seiten mutmassliche Verfehlungen des Grosskonzerns auf. Das deutsche Magazin «Spiegel» zitiert ausführlich aus dem Dossier – die Aufzählung liest sich wie eine Anklageschrift.

– So soll Cargill dafür verantwortlich sein, dass in Brasilien und Bolivien grosse Regenwald-Flächen für den Anbau von Sojabohnen gerodet werden. Gemäss Mighty Earth soll Cargill diesen Raubbau finanzieren, Strassen und Silos bauen sowie das Soja ins Ausland verschiffen.

– In Kolumbien soll sich Cargill widerrechtlich Land angeeignet haben. Dafür habe der Konzern 36 Tochterunternehmen gegründet.

– In Ghana und der Elfenbeinküste soll Cargill Kakaobohnen kaufen, für deren Anbau Flächen in Nationalparks gerodet werden.

– Auch Kinderarbeit ist ein Thema. Der «Spiegel» zitiert wie folgt: «Derzeit wird eine Klage gegen Cargill (und Nestlé) vorbereitet, weil das Unternehmen Kakao von Plantagen gekauft hat, auf der Kinder dazu gezwungen wurden, bis zu 14 Stunden täglich zu arbeiten, ohne Geld, mit wenig Essen und Schlaf und regelmässigen Schlägen.»

112 Milliarden Franken Umsatz in der Schweiz

Für Mighty Earth ist Cargill nicht weniger als «das schlimmste Unternehmen der Welt». Und dessen Spur führt – wie bei so vielen globalen Playern – auch in die Schweiz.  Die Tochterfirma Cargill International SA hat ihren Sitz in Genf, wo der Konzern nach eigenen Angaben über 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Auf der Firmen-Website heisst es: «Die Schweiz ist ein wichtiger Standort für Cargill weltweit durch den Handel mit Getreide und Ölsaaten in Genf; hier ist auch unser globaler Hauptsitz für den Frachthandel und den Schiffsbetrieb.»

Laut einem heute Donnerstag erschienenen Ranking der «Handeszeitung» soll Cargill 2018 in der Schweiz 112 Milliarden Franken Umsatz gemacht haben. Das bedeutet Platz 5 der umsatzstärksten Konzerne im Land. 

Ein Fall für die Konzernverantwortungs-Initiative?

Die Befunde des Berichts decken sich im Wesentlichen mit Recherchen von Public Eye, wie deren Sprecher Oliver Classen auf Anfrage von «Bluewin» sagt. Die Schweizer NGO hatte vor einigen Wochen einen eigenen Report zu in der Schweiz ansässigen Agrar-Rohstoffhändlern präsentiert. 

Einen Punkt findet Classen jedoch problematisch: dass Mighty Earth die grossen Cargill-Kunden dazu dränge, die Verbindungen zu dem Multi zu kappen. «Zu solchem Cut-and-Run-Verhalten würden wir wohl kaum aufrufen», sagt Classen. «Eher dazu, die kollektive Kundenmacht zu nutzen, um Cargill in die richtige Richtung zu bewegen.»

Die Unterschriften für die Konzernverantwortungsinitiative werden 2016 in Bern eingereicht.
Bild: Keystone

Public Eye ist auch eine Mitgliedorganisation der Konzernverantwortungs-Initiative. Wäre Cargill von deren Folgen betroffen, sofern sie denn angenommen würde? Ja, sagt Classen, «da unbestritten ein wesentlicher Teil der Handelsgeschäfte von Cargill über die Schweiz läuft. Mit der Initiative wäre die hiesige Tochtergesellschaft verpflichtet, bei den über die Schweiz gehandelten Rohstoffen geeignete Massnahmen gegen solche Menschenrechts- und Umweltprobleme zu ergreifen.» Die Initiative wird derzeit in den Eidgenössischen Räten diskutiert

Cargill hielt Umweltschützer hin

Mighty Earth habe Cargill vor Veröffentlichung des Berichts mit den Vorwürfen konfrontiert, schreibt der «Spiegel». Bereits im Januar. Dadurch wollte man dem Konzern die Möglichkeit geben, Änderungen einzuleiten und die Missstände zu beheben. Es sei jedoch bei leeren Beteuerungen und einer Hinhaltetaktik seitens Cargill geblieben. 

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