Alles zum grossen Zoll-Deal Was Trump bekommt – und was die Schweiz dafür opfert

Sven Ziegler

14.11.2025

Optisch erklärt: So läuft der Hase mit den US-Zöllen

Optisch erklärt: So läuft der Hase mit den US-Zöllen

Wie funktionieren eigentlich diese US-Zölle? Wie stark tangieren sie die Schweizer Wirtschaft – und wie will diese darauf reagieren? blue News erklärt dir im Video anschaulich und appetitlich, was Sache ist.

31.07.2025

Nach monatelangen Spannungen im Handelsstreit haben sich die Schweiz und die USA auf einen neuen Zollrahmen geeinigt. Die Strafabgaben von 39 Prozent sollen fallen, stattdessen gilt künftig ein Satz von 15 Prozent – verbunden mit weitreichenden Zugeständnissen der Schweizer Wirtschaft.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Schweiz und die USA haben sich nach langen Verhandlungen auf einen neuen Zollsatz von 15 Prozent geeinigt.
  • Der Deal umfasst eine Produktionsverlagerung Schweizer Firmen in die USA sowie ein grosses Investitionspaket.
  • Unklar bleibt, welche Branchen künftig genau betroffen sind und wie rasch Schweizer Unternehmen entlastet werden.

Drei Monate lang schwelte der Konflikt, drei Monate lang zahlten Schweizer Unternehmen auf bestimmte US-Importe happige Strafzölle von 39 Prozent. Nun ist klar: Der diplomatische Druck, die Gespräche hinter den Kulissen und der direkte Draht nach Washington haben Wirkung gezeigt. Die Schweiz und die USA haben sich auf einen neuen Zollrahmen geeinigt. 

blue News erklärt dir laufend, was du jetzt wissen musst.

Was ist passiert?

Die Schweiz und die USA haben sich darauf geeinigt, den bisherigen Strafzoll von 39 Prozent auf Schweizer Produkte auf 15 Prozent zu senken. Dieser Wert entspricht dem Zollniveau, das die USA bereits gegenüber der EU anwenden. Es handelt sich um eine politische Grundsatzeinigung, die erst noch in einen formal bindenden Vertrag überführt werden muss.

Wie hoch ist der neue Zollsatz?

Der neue Zollsatz liegt bei 15 Prozent. Damit fällt der von den USA verhängte Strafzoll von 39 Prozent weg.

Weshalb kommt der Deal genau jetzt?

Laut US-Handelsdelegiertem Jamieson Greer liefen intensive Gespräche seit April. Nachdem Präsident Donald Trump die Zölle medienwirksam mit seiner «Zolltafel» verkündet hatte, wurde der Druck auf die Schweizer Exportwirtschaft gross.

Der jüngste Besuch von Wirtschaftsminister Parmelin in Washington sowie Treffen von Schweizer Wirtschaftsvertretern mit Trump haben offenbar Bewegung in die Verhandlungen gebracht.

Was steckt inhaltlich im Deal?

Laut den bisher bekannten Punkten umfasst der Deal eine Reduktion der US-Zölle auf 15 Prozent. Dafür, so Greer, würden die Schweizer Firmen bestimmte Anteile ihrer Produktionskapazitäten in die USA verlagern.

US-Präsident Trump hat einen Deal mit der Schweiz geschlossen. 
US-Präsident Trump hat einen Deal mit der Schweiz geschlossen. 
Keystone/AP Photo/Rebecca Blackwell

Gemäss dem Bundesrat muss die Schweiz im Gegenzug rund 200 Milliarden Dollar in den USA investieren.  Zudem sollen laut bislang unbestätigten Berichten zusätzliche Boeing-Flugzeuge beschafft werden – das US-Unternehmen leidet derzeit unter einer Absatzkrise.

Das Zollniveau ist für die Schweiz damit künftig gleich hoch wie für die EU.

Welche Bedingungen mussten Schweizer Firmen erfüllen?

Ein zentrales Element des Abkommens ist ein Investitionsversprechen von Schweizer Unternehmen in der Höhe von 200 Milliarden Dollar. Diese Mittel sollen in den USA eingesetzt werden, unter anderem in der Pharmaindustrie, bei Goldschmelzen und bei Eisenbahnausrüstern.

Teile der Produktion sollen verlagert werden. Aus Sicht der USA war diese Zusage ein «wichtiger Bestandteil» des Deals.

Was bedeutet das für die Schweizer Souveränität?

Parmelin betont, man habe «keine Souveränität preisgegeben». Dennoch handelt es sich um ein hoch sensibles Investitionsversprechen der Privatwirtschaft, das politisch noch breit diskutiert werden muss.

Staatssekretärin Helene Budliger Artieda verweist darauf, dass die Schweiz historisch immer eine Investorin im Ausland gewesen sei – neu sei lediglich die Grösse und die Geschwindigkeit des erwarteten Engagements.

Gab es politische Turbulenzen in der Schweiz?

Ja – und zwar wegen der SVP.

Die Partei veröffentlichte am Mittag eine Medienmitteilung, in der sie Bundesrat Guy Parmelin bereits zum «Erfolg» gratulierte und den 15-Prozent-Zollsatz als fix verkündete.

Wenig später zog die SVP die Meldung zurück. Eine Sprecherin erklärte gegenüber watson, es sei ein Fehler gewesen: Man habe verschiedene Textversionen vorbereitet, und versehentlich sei diejenige mit dem finalen Zollsatz online gegangen.

Pharmaprodukte sind weiter von den Zöllen ausgenommen. 
Pharmaprodukte sind weiter von den Zöllen ausgenommen. 
KEYSTONE

Welche Produkte sind weiterhin von den US-Zöllen ausgenommen?

Pharmaprodukte, chemische Güter und Gold sind weiterhin nicht betroffen. Laut Budliger Artieda liegt das daran, dass die USA selbst darauf angewiesen sind, bestimmte Güter aus der Schweiz zu importieren. «Nicht alles kann in den USA hergestellt werden», sagte sie.

Was ändert sich für US-Produkte, die in die Schweiz exportiert werden?

Parallel zur US-Zollsenkung baut die Schweiz eigene Einfuhrzölle ab. Neu sollen sämtliche Industrieprodukte sowie Fisch und Meeresfrüchte günstiger importiert werden können. Zudem gewährt die Schweiz den USA zusätzliche zollfreie Kontingente: 500 Tonnen Rindfleisch, 1000 Tonnen Bisonfleisch und 1500 Tonnen Geflügelfleisch. Die Umsetzung erfolgt koordiniert mit den USA, um zeitgleich starten zu können.

Warum bedankt sich der Bundesrat öffentlich bei Donald Trump?

Eine Journalistenfrage zielte darauf, dass der Bundesrat auf X ausdrücklich Trump gedankt hatte. Parmelin begründete dies damit, dass die Trump-Administration «Bewegung in die Sache gebracht» habe und man nun Realpolitik betreiben müsse. Wenn schwierige Verhandlungen erfolgreich seien, sei Dankbarkeit «logisch».

Was passiert, wenn der US-Supreme Court die Zölle als illegal einstuft?

Laut Parmelin ist das Abkommen bisher nicht rechtsverbindlich. Sollte der Supreme Court wider Erwarten entscheiden, dass die bisherigen Trump-Zölle rechtswidrig waren, rechnet die Schweiz damit, dass die Abgaben auf null Prozent fallen würden. Wäre das Abkommen hingegen bereits fixiert, könnte ein solcher Entscheid ein globales Zollchaos auslösen – mit derzeit kaum kalkulierbaren Folgen.