Hausgemachte Krise Die Talfahrt der Börsen in fünf Punkten erklärt

Philipp Dahm

11.3.2025

Nervosität an den Börsen – Dax fällt deutlich unter 23.000 Punkte

Nervosität an den Börsen – Dax fällt deutlich unter 23.000 Punkte

Die Unsicherheit an den Börsen setzte sich auch zum Beginn des Handels am Montag fort. Verantwortlich dafür ist US-Präsident Donald Trump mit seinen abrupten Richtungswechseln in der US-Zollpolitik.

11.03.2025

Die Kurse an den US-Börsen fallen so stark wie seit 2022 nicht mehr. Die Krise ist hausgemacht: Eine Übersicht zeigt dir in 5 Punkten, was Ökonomen und der Wirtschaft Angst macht.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die US-Börse ist auf Talfahrt: Sogar Angst vor einer Rezession greift um sich.
  • Donald Trumps Aussen- und Zollpolitik befeuert die Unsicherheit an den Märkten.
  • Steigende Preise vor allem bei Lebensmitteln schmälern das Vertrauen der Konsumierenden.
  • Die deutsche Autoindustrie hat strukturelle Probleme, die Trumps Zoll-Drohungen weiter anheizen.
  • Die Zoll-Drohungen und Elon Musks Gebaren werden von Konsumierenden mit Boykott bestraft.
  • Kürzungen und Entlassungen von Staatsbediensteten durch DOGE könnten in den USA einen «Dominoeffekt» auslösen.

Die US-Börsen sind teils deutlich unter Druck geraten. In den Vereinigten Staaten macht sich zunehmend Angst vor einem negativen Trend für die Wirtschaft breit. Darunter litten vor allem die konjunktursensiblen Technologiewerte.

Trump wollte in einem am Wochenende ausgestrahlten Interview eine Rezession auf Nachfrage nicht ausschliessen. Er sagte lediglich: «Ich hasse es, solche Dinge vorherzusagen.» Es werde eine Übergangsphase geben, so Trump mit Blick auf die Auswirkungen seiner wirtschaftspolitischen Pläne.

Trump won’t rule out a recession… “It takes a little time.” What’s going to take a little time? We weren’t in a recession under Biden!

[image or embed]

— Christopher Webb (@cwebbonline.com) 10. März 2025 um 16:39

«Die Aktienkurse sind seit geraumer Zeit hoch bewertet, und es könnte sich lediglich um eine Marktkorrektur handeln», überlegt das «Wall Street Journal» (WSJ). «Aber es gibt auch Anzeichen für eine Verlangsamung der Wirtschaft, die die Trump-Regierung in Alarmbereitschaft versetzen sollte.»

Viel «deutet auf ein langsameres Wachstum hin, selbst wenn die Wirtschaft der Rezession entgeht. Was steckt dahinter? Die folgenden 5 Punkte klären auf.

Was ist los?

«Unsicherheit ist immer Gift für Investitionen und wirtschaftliches Wachstum», bringt es die deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer auf den Punkt. «Und seit dem Amtsantritt Donald Trumps hat sie noch weiter zugenommen.» Der neue US-Präsident stelle «nicht nur die Prinzipien des regelbasierten Freihandels infrage, sondern auch die transatlantischen Beziehungen generell», so Schnitzer. 

#01: Trump – das ist nicht neutral: Wie man mit Trump umgehen muss, ohne eine reinzukriegen

#01: Trump – das ist nicht neutral: Wie man mit Trump umgehen muss, ohne eine reinzukriegen

Im ersten Teil der Reihe «Trump – das ist nicht neutral» gilt es, von den Fehlern von Wolodymyr Selenskyj und Justin Trudeau im Umgang mit dem US-Präsidenten zu lernen. Emmanuel Macron und Keir Starmer machen vor, wie es geht.

06.03.2025

Die bisher nur ausgesetzten Zölle gegen Kanada und Mexiko machen Investoren Angst: Weil die amerikanische Industrie mit der ihrer Nachbarländer eng verwoben ist, hätten jene Zölle fatale Auswirkungen auf die Herstellung vieler Produkte – etwa aus der Autoindustrie. US-Fahrzeuge würden dadurch bis zu 12'000 Dollar teurer werden. 

Was macht den Anlegern noch Sorgen?

Die Konsumentenpreise in den USA sind im Januar so stark gestiegen wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr: Sie sind im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent gestiegen, schreibt «Reuters». Das liege daran, dass viele Firmen ihre Preise erhöht hätten.

Enticklung der Konsumentenpreise in den USA.
Enticklung der Konsumentenpreise in den USA.
US Bureau of Labor Statistics

Hinzu kommen die steigenden Preise für Lebensmittel: Eier könnten noch in diesem Jahr bis zu 20 Prozent teurer werden. Schon jetzt kostet das Dutzend mit 4,95 Dollar mehr als noch zur Zeit der Pandemie, als der letzte Negativ-Rekord erreicht wurde. Auch die Preise für Produkte wie Brot, Kaffee, Zucker oder ein Steak sind merklich angezogen, weiss CNN.

Index des amerikanischen Ko0nsumentenvertrauens.
Index des amerikanischen Ko0nsumentenvertrauens.
The Conference Board

Die höheren Preise gepaart mit der politischen Verunsicherung wirken sich auf das Vertrauen der Konsumenten aus: Der entsprechende Index ist im Februar so stark gesunken wie seit August 2021 nicht mehr. Es ist der dritte Monat in Folge, dass der Wert fällt: Er ist nun auf dem Niveau von 2022.

Warum leidet die deutsche Autoindustrie so?

«Jahrzehntelang galt Deutschland als Innovationsführer», erklärt Ökonomin Schnitzer. «Den Newcomer Tesla, der von Anfang an nur auf batterieelektrische Autos gesetzt hat, haben viele lange nicht ernst genommen. Heute ist Tesla an der Börse viermal so viel wert wie alle deutschen Automobilhersteller zusammen.»

Chinesische Autobauer hätten besonders stark auf Elektroautos gesetzt und dabei «massive staatliche Förderung» eingestrichen, was sie zum «Weltmarktführer in der Batterietechnologie» gemacht habe. Zudem habe die Konkurrenz auf «auf Software, Infotainment und künstliche Intelligenz gesetzt, während sich die deutsche Industrie weiterhin auf klassische Ingenieurskunst konzentrierte».

Zu diesen Grundproblemen der Deutschen kommt die Unsicherheit durch mögliche Zölle hinzu. Unternehmen wie Audi, BMW und Volkswagen haben massiv in Werke in Mexiko investiert – in der Erwartung, dass das Freihandelsabkommen in Nordamerika werde Bestand haben. Trumps Strafmassnahmen, die bis zum 2. April ausgesetzt sind, bedrohen deren Rentabilität.

Wie reagieren die Konsumenten?

Mitunter sorgen auch Konsumenten dafür, dass die Stimmung an der Börse in den Keller geht. Das beste Beispiel ist Tesla: In Europa, wo Firmenchef Musk offen rechte Parteien unterstützt, ist der Absatz um 45 Prozent eingebrochen. Auch in China und anderen wichtigen Absatzmärkten werden weniger Tesla verkauft.

Boston #Teslatakedown

[image or embed]

— Laura Clawson (@lauraclawson.bsky.social) 9. März 2025 um 17:38

Elon Musks Vermögen hat durch den entsprechenden sinkenden Kurs abgenommen: Während der reichste Mann der Welt vor dem Jahreswechsel noch 486 Milliarden Dollar schwer war, hat er nach dem 1. Januar 132 Milliarden Dollar wieder verloren. Alleine am 10. März sank sein Guthaben um 29 Milliarden Dollar. Seine Plattform X verlor am selben Tag 15 Prozent an der Börse.

In Kanada haben Trumps Gelüste, das Land zu annektieren, für einen Boykott von US-Produkten gesorgt. Vor allem Wein und Spirituosen aus dem Nachbarland haben in Kanada derzeit einen schweren Stand. Die Zahl der Menschen, die Ferien in den USA machen, ist im Februar um empfindliche 23 Prozent gesunken.

Was ist mit DOGE?

Elon Musks Effizienzministerium streicht mit dem Rotstift Stellen und Programme. Im Fall von USAID trifft das auch die amerikanische Landwirtschaft: Mindestens 400 Produzenten haben ihre Ware an das Entwicklungsministerium verkauft. Von 5 Milliarden Dollar, die im Fiskaljahr 2023/2024 für Nahrungsmitteln ausgegeben wurden, landeten rund 2 Milliarden in der Tasche amerikanischer Landwirte.

Auch in anderen Bereichen können die Kürzungen wirtschaftliche Folgen haben: Wenn entsprechende Staatsbedienstete fehlen, werden womöglich Genehmigungen verzögert erteilt, Kredite später abgesegnet oder Informationen zu spät weitergegeben. «Wir könnten bald auf die harte Tour herausfinden, dass die Menschen die US-Wirtschaft antreiben», zitiert CNBC den Finanzberater Callie Cox.

DOGE laid off workers who welcome visitors and care for our local public lands at Lake Mead which contribute $358 million to the local economy. Musk is so bad at his job he’s LOSING us money!

[image or embed]

— Congresswoman Dina Titus (@titus.house.gov) 27. Februar 2025 um 15:26

Auch Ernie Tedeschi von der Yale University sieht den Vorgang kritisch: «Die wirtschaftlichen Folgen von Entlassungen sind wie ein Dominoeffekt, der sich über die lokale Wirtschaft bis hin zu Unternehmen ausbreitet, die scheinbar überhaupt keine Verbindung zur Bundesregierung haben.»