Zu hohe WohnkostenImmer mehr Westschweizer ziehen nach Frankreich
Samuel Walder
20.3.2025
Die Westschweiz zieht aus. Nach einer Studie verlassen immer mehr Westschweizer*innen das Land.
Bild:Agentur
Steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten setzen die Westschweizer unter Druck. Eine neue Umfrage zeigt: Fast jeder dritte Romand denkt über einen Umzug nach Frankreich nach – und Zehntausende sind bereits aktiv auf Immobiliensuche.
Fast ein Drittel der Westschweizer spielt mit dem Gedanken auszuwandern, wobei rund 51.000 Haushalte bereits aktiv eine Immobilie in Frankreich suchen.
Hauptgründe für den möglichen Umzug sind niedrigere Lebenshaltungskosten (40,3 %) und günstigere Mieten oder Kaufpreise (33,9 %).
Es gibt aber auch Nachteile, wie Bürokratie und Pendelzeiten.
Der Trend zum Grenzgängertum könnte sich verstärken, da viele bereits Freunde oder Bekannte haben, die diesen Schritt vollzogen haben.
Die Romands leiden unter den hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten. Gemäss einer repräsentativen Comparis-Umfrage in der Westschweiz kann sich fast jede dritte befragte Person mit dem Gedanken ans Auswandern anfreunden. Die Zahlen zeigen, dass es nicht nur bei der Überlegung bleibt, sondern dass ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung bereits konkrete Schritte in Richtung eines Umzugs unternimmt.
16,9 Prozent von allen, die sich mit dem Grenzgänger-Gedanken anfreunden können, sind schon aktiv auf der Suche nach einer Immobilie in Frankreich, um dort als Grenzgänger zu wohnen. Das sind 5,1 Prozent der gesamten Umfrage-Stichprobe und entspricht rund 51’000 Westschweizer Haushalten. «Das hat unserer Ansicht nach unter anderem mit den hohen Lebenshaltungs- und Wohnkosten in der Schweiz zu tun», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
Aussicht auf niedrigere Lebenshaltungskosten lockt Welsche über die Grenze
Alle Studienteilnehmenden wurden gefragt, was sie dazu bewegen könnte, als Grenzgänger nach Frankreich zu ziehen – selbst wenn sie in der Umfrage antworteten, dass sie sich nicht mit dem Gedanken ans Auswandern anfreunden können.
An oberster Stelle stehen dabei finanzielle Erwägungen, besonders die Aussicht auf niedrigere Lebenshaltungskosten. Mit einem Anteil von 40,3 Prozent geben die meisten Befragten an, dass günstigere Lebenshaltungskosten der wichtigste Faktor wären, der sie zu einem Umzug ins Ausland motivieren könnte.
Nahezu gleichbedeutend, jedoch nicht ganz so wichtig, sind günstige Mieten oder Kaufpreise, die für 33,9 Prozent der Befragten einen wichtigen Anreiz darstellen. Neben den klar dominanten finanziellen Gründen wurde die Lebensqualität von 29,3 Prozent der Befragten als Anreiz für einen Umzug genannt.
Unsicherheit über bürokratisches System in Frankreich als Hindernis
Obwohl viele Romands mit dem Gedanken spielen, nach Frankreich zu ziehen, gibt es auch viele Faktoren, die sie davon abhalten: Ein zentraler Punkt ist die Entfernung zu Familie und Freunden. Insgesamt betrachten 47,7 Prozent der Befragten dieses Kriterium als bedeutendes Hindernis.
Eine weitere entscheidende Hürde sind die Pendelzeit und die Verkehrsanbindung. 47,4 Prozent der Teilnehmenden betrachten das als problematisch.
Unsicherheiten in Bezug auf Verwaltung, Steuern und Krankenkassen wurden von 45,1 Prozent der Befragten genannt. «Das dürfte einerseits damit zu tun haben, dass die Befragten die Verhältnisse in der Schweiz kennen und damit umzugehen wissen. In Frankreich jedoch müssten sie einen neuen Zugang finden. Zudem scheinen viele den Eindruck zu haben, dass die Verwaltung und Bürokratie in der Schweiz einfacher zu bewältigen sind als in Frankreich», so der Comparis-Experte.
Bekannte und Freunde als Grenzgänger beschleunigen den Trend
Wie verbreitet es in der Westschweiz ist, als Grenzgänger nach Frankreich zu ziehen, zeigt sich daran, dass 67,6 Prozent der Befragten bereits Freunde oder Bekannte in dieser Situation haben. Wer wiederum solche Bekannte oder Freunde hat, ist viel eher bereit, es ihnen gleichzutun.
«Das ist auch ein Grund, warum der Trend sich unserer Ansicht nach beschleunigen könnte, als Grenzgänger nach Frankreich zu ziehen: Je mehr Haushalte nach Frankreich umziehen, desto mehr Westschweizer werden Freunde haben, die den Schritt schon getan haben. Das wiederum erhöht deren Bereitschaft für dieses Wagnis», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
Von den Befragten, die ernsthaft erwägen, als Grenzgänger nach Frankreich zu ziehen, haben 88,2 Prozent Bekannte oder Freunde, die den Schritt schon vollzogen haben. Bei jenen Befragten, die absolut ausschliessen, als Grenzgänger nach Frankreich zu ziehen, haben nur 60,7 Prozent Bekannte oder Freunde in dieser Lage.
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