Die wichtigsten Fragen und Antworten zur CS-Affäre

phi

1.10.2019 - 15:41

Der Zürcher Paradeplatz ist Schauplatz eines regelrechten Finanzthrillers.
Bild: Keystone

Ein Top-Banker wechselt von der Credit Suisse zur UBS – und unaufhaltsam gerät etwas ins Rollen: Detektive werden aktiv, es gibt Rücktritte und sogar einen Todesfall. Fünf Fragen und Antworten zur Bespitzelungs-Affäre.

Wer ist Iqbal Khan?

Am 29. August wird bekannt, dass Iqbal Khan die Credit Suisse (CS) Richtung UBS verlassen wird.

Der Chef der internationalen CS-Vermögensverwaltung ist im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie aus Pakistan in die Schweiz gekommen und hat hier Karriere gemacht. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner holte ihn vom britischen Versicherer Prudential zur CS – und der UBS war sein Engagement angeblich einen Antrittsbonus von vier Millionen Franken wert.

Der 43-Jährige hat seinen neuen Job bei der UBS nach einer ungewöhnlich kurzen Karenzzeit am 1. Oktober angetreten: Normal seien bei Kaderleuten sechs Monate Pause, schreibt «Inside Paradeplatz».

Wieso Skandal?

«Paradeplatz Inside»-Macher Lukas Hässig hat als Erster enthüllt, dass Iqbal Khan vom 4. September an 13 Tage von Detektiven beschattet worden ist. Den Auftrag für die Überwachung will der operative Chef der CS gegeben haben: Pierre-Olivier Bouée hatte Sorge, der Top-Banker könnte potente Kunden oder patente Kollegen mit zur UBS nehmen und «ein Risiko für die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen der Credit Suisse darstellen», so Bouée. Zusammen mit dem CS-Sicherheitschef gab die Bank dem Sicherheitsexperten T. die Anweisung, Khan zu observieren.

T. beauftragte wiederum die Firma Investigo aus Otelfingen, den Job zu erledigen. Am 17. September bemerkte Khan im Auto seinen Verfolger, stellte ihn in einer Seitenstrasse der Bahnhofsstrasse und schaltete die Polizei ein, die nun ermittelt. «Khan tat, was er tun musste», erklärt ein Anonymus «Inside Paradeplatz». «Die CS hetzte ihm einen Hooligan-Typ auf den Hals.»

Was sind die personellen Konsequenzen?

Ein Mitglied aus Khans Team hat dessen Stelle als neuer CEO fürs Internationale Wealth Management übernommen. COO Bouée und der CS-Sicherheitschef müssen ihren Hut nehmen. Ihr Chef Tidjane Thiam kommt wohl mit einem blauen Auge davon, obwohl das Verhältnis Thiam-Khan schon ein Thema in den Medien war. Die beiden Banker wohnen nebeneinander: Laut «Blick» war Thiam zwei Jahre lang genervt vom Baulärm auf Khans Grundstück in Herrliberg ZH. Von der Überwachung seines Widersachers habe der CS-Chef aber erst am 18. September erfahren, als jene bereits abgebrochen worden war.

Khan leitet seit heute Dienstag bei der UBS die weltweite Vermögensverwaltung, die viel grössere Konten betreut als die CS. Er teilt sich den Posten mit dem Amerikaner Tom Naratil und wurde vor dem Amtsantritt als möglicher Nachfolger von UBS-Boss Sergio Ermotti gehandelt.



Welche Folgen hat der Skandal für die CS?

Die Beschattung von Khan sei «falsch und unverhältnismässig» gewesen, räumte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner ein: Die Massnahme habe einen «schwerwiegenden Reputationsschaden» bei der Bank angerichtet. Das lässt sich auch ganz konkret in Zahlen ausdrücken: In der letzten Woche gab die Aktie um 5,8 Prozent nach.

Was hat es mit dem Suizid des Mittelsmannes auf sich?

Eine Woche, nachdem die Obervierung aufgeflogen war, beging Mittelsmann T. Selbstmord

Nachdem Bankwechsler Khan seine Verfolger bemerkt hatte, meldeten diese sich wiederum bei T., der die schlechte Nachricht der CS überbringen musste. Zu allem Überfluss wandte sich Khan nach dem Vorfall auch an die CS, deren Sicherheitschef ihm Schutz zugesagt haben soll.

Die Investigo-Detektive wurden vorübergehend festgenommen. Ihre Aufzeichnungen gab die CS am 24. September an die Medien weiter. Journalisten bekamen auch Hinweise auf die Identität von T. und versuchten, ihn anzurufen. Doch T. nahm sich dann das Leben.

Der Mann soll um seine berufliche Existenz gefürchtet und zudem befürchtet haben, dass die Grossbank dafür sorgen würde, dass er als «Mitschuldiger und Versager» in der Affäre dargestellt würde, schreibt «Inside Paradeplatz» unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle.

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