Dokumentation «Game Over»Ein absurdes Milliarden-Spiel – der Fall der Credit Suisse im Kino
Philipp Dahm
20.3.2025
Dokumentation «Game Over» – Ein absurdes Milliarden-Spiel – der Fall der Credit Suisse im Kino
Einst hat die Credit Suisse den Bau des Gotthardtunnels finanziert, doch schon ab den 70ern ging es mit dem Schweizer Geldhaus bergab. Der Absturz der Schweizer Institution wird nun auch im Kino dokumentiert.
20.03.2025
Einst hat die Credit Suisse den Bau des Gotthardtunnels finanziert, doch schon ab den 70ern ging es mit dem Schweizer Geldhaus bergab. Der Absturz der Schweizer Institution wird nun auch im Kino dokumentiert.
Es ist die erste Dokumentation, die unter dem «Lex Netflix» produziert worden ist, sagen die Macher von «Game Over – Der Fall der Credit Suisse» am 19. März bei der Premiere des Films im Zürcher Kino Corso.
Was das Gesetz besagt? Online- und Fernsehdienste, die mehr als 2,5 Millionen Franken Umsatz pro Jahr machen, müssen vier Prozent ihres Schweizer Umsatzes in nationale Produktionen investieren: «Die TX-Gruppe mit ihrer Tamedia, wo SonntagsZeitung und Tages-Anzeiger erscheinen, haben den Braten schnell gerochen», kommentiert «Inside Paradeplatz».
Der Kopf des Filmes, der am meisten über die bewegte CS-Geschichte spricht, ist Arthur Rutishauser. Der Chef der SonntagsZeitung hat nicht nur das Drehbuch des Kinofilms, sondern auch ein Buch über die skandalöse Bank-Abwicklung geschrieben. «Es dauert lange, bis etwas herauskommt», sagt der Journalist über die Recherche.
Journalist Arthur Rutishauser ist für den Film verantwortlich.
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Die Regie führt Simon Helbling. «Es war schwierig, die Leute zum Reden zu bringen», gesteht der St. Galler vor der Premiere und dankt explizit nicht nur seiner Crew, sondern auch deren Angehörigen: «Es ist für alle ein Höllenritt gewesen.» Immerhin wollte das Team den Streifen punktgenau zwei Jahre nach dem offiziellen CS-Aus herausbringen.
Revisoren mit Prostituierten bestochen
Das ist auch gelungen – und gilt das auch für den Film? Klar ist: Wer den Skandal nicht permanent verfolgt hat, ist mit einem Kinobesuch gut beraten. Der Film breitet anschaulich aus, dass der Niedergang der Bank eigentlich schon 1977 mit dem Chiasso-Eklat begonnen hat. Verluste von 250 Millionen Franken hat die CS damals ausgewiesen.
Heute wird das Minus eher auf fünf Milliarden Franken geschätzt: Die Bank war damals «im Prinzip bankrott», klärt Rutishauser auf. Ein Plus des Films sind die zahlreichen Zeitzeugen, die zu Wort kommen: Ex-Bänker Meinrad Perler, der heute als Winzer arbeitet, berichtet etwa davon, wie die Revisoren aus Zürich behandelt worden sind, die nach Chiasso kamen.
Der deutsche Bänker Oswald Grübel hat viel zum Film beizutragen.
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Die wurden zunächst ausgiebig in einem noblen Restaurant abgefüttert und in Alkohol getränkt – bevor sie auf ihr Zimmer in einem schicken Hotel gingen, in dem sich bereits eine käufliche Dame auf dem Bett geräkelt hat. So dauerte es, bis der Skandal um verzockte Kunden-Gelder ans Licht kam.
«Mir war die Schweiz schon immer zu klein»
Dank Interviewpartnern wie der Wirtschaftsprofessorin Anat Admati, den Bänkern Joe Ackermann und Bob Diamond oder Journalisten wie Roger Schawinski oder Owen Walker von der «Financial Times» wird die CS-Geschichte kurzweilig aufgearbeitet. Schawinski hat einst sogar seinen Job verloren, weil er nicht auf eine kritische Berichterstattung verzichtet hat.
Ein ganz besonderer Typ ist der frühere CS-Mann Richard Chandler, der vom Stift bis in die Chefetage aufgestiegen sind. Er wird in einer Bowlingbahn interviewt und sorgt mit seinem klugen Witz für Lacher im Kinosaal: Mit seinem Outfit und seinem Oberlippenbart hätte er auch ein Statist aus «The Big Lebowski» sein können.
Sympathieträger: Richard Chandler.
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Bezeichnend ist das Verhalten der CS-Bosse bei der Übernahme der amerikanischen First-Boston-Bank. «Only the sky is the limit», sagt 1988 Bänker Rainer Gut. Und: «Mir war die Schweiz schon immer zu klein.» Die Leichen, die die US-Bank im Keller hat, werden die Schweizer noch viel Geld kosten.
Boni ausser Rand und Band
Um viel, viel Geld geht es auch, wenn der Film die unglaublichen Boni thematisiert, die sich die Chefetage eingestrichen hat. Die Summen sind umso unglaublicher, wenn dazu der Aktienkurs verglichen wird: Auch wenn der in einer Amtszeit in den Keller gerauscht ist, haben die Männer an der CS-Spitzen Millionen kassiert.
Karin Keller-Sutter erklärt, wie der Staat auf den CS-Absturz reagiert hat.
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So wie der Amerikaner Brady Dougan, der von 2007 bis 2015 CEO war: Für seine acht Jahre hat der 65-Jährige 160 Millionen Franken kassiert, heisst es im Film. Sergio Ermotti ist für nur neun Monate Arbeit im Jahr 2023 mit 14,9 Millionen Franken entlohnt worden.
Die Hand aufhalten, das können diese Männer. Verantwortung übernehmen sie hingegen nicht. So gab es 2020 und 2022 Bestrebungen, die CS zu fusionieren oder Teile zu verkaufen. Dabei ging es sogar um das Investment-Banking, das die Bank letztlich in den Abgrund riss.
Bank opfert ihren Angestellten
Zwei Schicksale stechen heraus: Da sind die Menschen in Mosambik, die von dem Geschäftsgebaren der Schweizer Bank unmittelbar betroffen waren, als die sogenannten «Tuna bonds» geplatzt sind – und durch die das südostafrikanische Land keine Hilfsgelder mehr bekommen hat. Dabei kommen auch Aktivisten aus Mosambik zu Wort.
Das andere ist das Schicksal eines Schweizers, der seine Heimat seit 14 Jahren nicht mehr verlassen hat: Es geht um Emanuel Agustino, den die Bank geopfert hat, als der First-Boston-Skandel öffentlich wurde. Der Arbeitgeber beharrt darauf, dass ihr Angestellter zusammen mit drei Kollegen auf eigene Faust in die USA gereist ist, um Kunden anzuwerben.
Bauernopfer beim First-Boston-Skandal: Emanuel Agustino.
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Seither gibt es einen Haftbefehl, der auch nicht aufgehoben worden ist, als sich Uncle Sam und die CS auf einen Vergleich geeinigt haben. Die Politik habe versprochen, ihm zu helfen, habe aber nicht gehandelt, erzählt der Ex-Bänker bei der Kino-Premiere. Die CS stellte sogar die Zahlung seiner Anwälte ein, berichtet Augustino.
Der Schweizer bleibt dennoch optimistisch: «Wahrheit und Gerechtigkeit werden sich durchsetzen», sagt er im Kino Corso. Und auch Richard Chandler ist mit «Game over» zufrieden: «Man könnte noch mehr bringen, aber dann wird der Film zu lang», weiss er.
Kinostart von «Game Over – Der Fall der Credit Suisse» ist der 27. März. Der Film erscheint auf Deutsch, Französisch und Italienisch und läuft im blue Cinema.
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