Kerosin reicht noch sechs WochenEuropa geht der Treibstoff aus – und die Folgen spürst auch du
Andreas Fischer
16.4.2026
Aufgrund von Kerosinmangel könnte es in Europa bald zu Flugausfällen kommen.
IMAGO/Sven Simon
In Europa könnte in sechs Wochen das Kerosin ausgehen. Durch die Blockade der Strasse von Hormus drohen aber nicht nur Flugausfälle, sondern schon ab Mai auch Engpässe an den Tankstellen.
Die Blockade der Strasse von Hormus hat zu einem dramatischen Rückgang der Kerosinlieferungen geführt, was in der Sommerreisezeit zu Flugausfällen in Europa führen könnte.
In einem Szenario geht der Bund davon aus, dass ab Mai das Benzin knapp wird. Dann könnten weitreichende Massnahmen angeordnet werden.
Eine Normalisierung der Versorgungslage würde auch bei einem sofortigen Ende des Krieges mehrere Wochen dauern.
Die Warnung von Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IAE) ist deutlich: Das Kerosin in Europa reicht vielleicht noch sechs Wochen. Der Treibstoffmangel könne schon bald zu Flugausfällen führen, sagte Birol in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.
Die Vorräte an Flugbenzin gehen durch die Doppelblockade der Strasse von Hormus durch den Iran und die USA immer weiter zur Neige. «Wenn die Strasse von Hormus nicht wieder geöffnet wird, werden wir in Europa bald die Nachricht hören, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B wegen Treibstoffmangels gestrichen werden könnten», sagte Birol.
Grösste Energiekrise
Nahost-Konflikt
Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen. blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.
Erst am Wochenende hatte der Dachverband der Flughafenbetreiber in Europa (ACI Europe) vor einer «systemischen Treibstoffknappheit» in Europa in drei Wochen gewarnt, falls sich die Lage nicht bessere. Der Engpass könne die Sommerreisesaison beeinträchtigen, schrieb ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec an die EU.
Birol sagte, die Sperrung der Strasse von Hormus habe die «grösste Energiekrise ausgelöst, mit der wir je konfrontiert waren» und sprach von einer verzweifelten Lage. In Klartext übersetzt heisst das: Europa geht der Treibstoff aus. Besonders akut ist die Lage beim Kerosin, aber auch an den Tankstellen werden Engpässe erwartet – und zwar nicht nur bei den Nachbarn in Österreich und Deutschland.
«Die letzten Tanker, die die Meerenge noch vor der Blockade passierten, erreichen ihre Zielhäfen in Europa dieser Tage», sagte ein Sprecher des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) der «Aargauer Zeitung». Beim BWL rechne man damit, dass es ab Mai nur noch reduzierte Lieferungen gibt.
Pflichtlager in der Schweiz
Ganz auf dem Trockenen sitzt die Schweiz dann zwar nicht: In Pflichtlagern werden Notvorräte gebunkert, die beim Diesel 4,5 Monate und beim Kerosin drei Monate reichen sollen. Dennoch könnte der Bund drastische Massnahmen ergreifen, etwa die Reduzierung der Tempolimite.
Zurzeit spürt die ganze Welt akute Auswirkungen des Krieges: höhere Benzinpreise, höhere Gaspreise und hohe Strompreise. «An vorderster Front stehen die asiatischen Länder, die auf Energie aus dem Nahen Osten angewiesen sind», sagt Birol. Dort wird Treibstoff in einigen Ländern bereits rationiert.
Dieses Szenario wird von Fachleuten derzeit nicht für Europa erwartet. Für eine schnelle Besserung der Lage besteht aber kein Grund zur Hoffnung. Denn auch wenn sich der Iran und die USA alsbald einigen, den Krieg beenden und die Strasse von Hormus wieder freigeben würden: Es würde noch einige Monate dauern, bis sich der Schiffsverkehr und damit auch die Versorgungslage normalisieren.
Mit Agenturmaterial.
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