Bergbahnen unter Druck Bündner Wintersport-Gebiet soll verkauft werden – Gemeinde hat kein Interesse

Sven Ziegler

2.2.2026

Eigentümer Walter Vetsch will das Wintersportgebiet Fideriser Heuberge offenbar verkaufen.
Eigentümer Walter Vetsch will das Wintersportgebiet Fideriser Heuberge offenbar verkaufen.
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Das Wintersport- und Wandergebiet Fideriser Heuberge dürfte bald den Besitzer wechseln. Der heutige Eigentümer Walter Vetsch will die Anlagen abgeben. 

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eigentümer Walter Vetsch will das Wintersportgebiet Fideriser Heuberge offenbar verkaufen.
  • Die Gemeinde Fideris hat Interesse am Fortbestand, nicht aber an einem eigenen Erwerb der Anlagen.
  • Schneeunsicherheit belastet vor allem die Schlittelbahn, während das hoch gelegene Skigebiet als relativ schneesicher gilt.

Die Fideriser Heuberge im Mittelprättigau stehen offenbar vor einem Besitzerwechsel. Der einheimische Unternehmer und frühere FDP-Grossrat Walter Vetsch möchte das Wintersport- und Wandergebiet abstossen, wie die «Südostschweiz» am Montagnachmittag zuerst berichtete. Auf Anfrage wollte sich Fetsch nicht detailliert äussern, bestätigte aber, dass ein Verkauf wahrscheinlich sei.

Deutlicher wurde gegenüber der «Südostschweiz» der Fideriser Gemeindepräsident Luca Giger. Laut ihm habe Vetsch den Verkaufswillen an der Generalversammlung der Heuberge AG offen kommuniziert. Konkrete Interessenten seien der Gemeinde bislang nicht bekannt. Klar ist für Giger jedoch: Fideris selbst kommt als Käuferin nicht infrage.

Gemeinde setzt auf neue Trägerschaft

Einerseits fehlten der Gemeinde die finanziellen Mittel, um ein aktuell nicht rentables Wintersportgebiet zu übernehmen. Andererseits sei es aus Sicht des Gemeinderats keine kommunale Aufgabe, Skilifte oder Berghäuser zu betreiben. Dennoch wolle man den Prozess aktiv begleiten. Die Gemeinde sei bereit, mit potenziellen Investoren über mögliche Zukunftsmodelle zu sprechen, betont Giger.

Ziel sei es, die Anlagen als wichtiges Naherholungs- und Tourismusangebot für Einheimische und Gäste zu erhalten. Auch die Gründung einer Interessengemeinschaft hält der Gemeindepräsident für denkbar.

Wertvolle Infrastruktur – aber wetterabhängig

Zum Gebiet gehören drei Berghäuser, vier Skilifte sowie die mit rund zwölf Kilometern längste Schlittelbahn der Schweiz mit 1100 Höhenmetern. Gerade diese Bahn gilt als zentrales Standbein der Infrastruktur – leidet aber besonders unter der zunehmenden Schneeunsicherheit.

Das Skigebiet selbst liegt auf über 2000 Metern und gilt daher als vergleichsweise schneesicher. Insider schätzen den Wert der gesamten Anlagen auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag. Der Boden gehört grösstenteils der Gemeinde Fideris.

Jahrzehnte bewegter Geschichte

Die Geschichte der Heuberge reicht weit zurück. Bereits in den 1930er-Jahren entstanden erste Berghäuser, später folgten Skilifte und eine Seilbahn. Nach einem Brand Ende der 1970er-Jahre und mehreren Eigentümerwechseln kaufte Walter Vetsch das Gebiet 2011. Ein Jahr später erfolgte der Anschluss ans Stromnetz. Zuletzt hatten die Betreiber angekündigt, bis 2030 energieautark werden zu wollen.

Mit den Fideriser Heubergen steht bereits die zweite Bündner Bergbahn vor einem möglichen Verkauf. Auch die Pischabahn im Davoser Flüelatal sucht einen neuen Investor. Sollte sich niemand finden, droht dort der Rückbau – ein weiteres Zeichen für den wachsenden wirtschaftlichen Druck auf kleinere Wintersportgebiete.


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