Migros-Chef zieht Bilanz«Finden wir eigentlich falsch» – Irminger kritisiert Brotpreis-Schlacht
Samuel Walder
2.12.2025
Der Migros Hauptsitz am Zürcher Limmatplatz: Bei Kampf gegen die Konkurrenz zahlt der Dezailhändler einen hohen Preis.
Bild: KEYSTONE
Ein Jahr nach Beginn der Preissenkungs-Offensive zeigt sich: Die Kundschaft greift zu, doch die Migros hat noch keinen Boden gegenüber der Konkurrenz gutgemacht. Trotzdem setzt der Konzern weiter auf Expansion – und hofft auf Zuwanderung.
Migros verzeichnet durch die Preissenkungen bei 1000 Produkten zwar einen Mengenzuwachs, konnte jedoch bisher keine Marktanteile zurückgewinnen.
Die Tiefpreisstrategie kostet 500 Millionen Franken und wird teils durch Quersubventionierung finanziert, während Migros gleichzeitig Druck auf Markenhersteller ausübt.
Mit neuen Filialen und Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Franken will Migros zusätzlich vom Bevölkerungswachstum profitieren und die Profitabilität langfristig steigern.
Rund ein Jahr nach Beginn der gross angelegten Preissenkungs-Offensive zieht Migros-Chef Mario Irminger im SRF-«Eco Talk» eine erste Zwischenbilanz: Ja, die Kundinnen und Kunden greifen zu – und zwar deutlich häufiger.
In den betroffenen Sortimenten sei ein «überproportionaler Mengenzuwachs» festzustellen. Doch Marktanteile habe der Detailhandelsriese damit noch nicht zurückgewonnen, sagt Irminger.
Mario Irminger zieht im «Eco-Talk» Bilanz.
Bild: SRF
Der Startschuss fiel am 28. Oktober 2024: Migros senkte die Preise von rund 1000 Produkten – von Gemüse und Früchten über Fleisch bis hin zu Bio-Artikeln. Ziel der milliardenschweren Aktion: Kundinnen und Kunden sollten keinen Grund mehr haben, bei der Konkurrenz von Aldi oder Lidl einzukaufen.
Die Produkte sind seither mit gelben Tiefpreis-Stickern markiert. Eine Kampfansage an die deutschen Discounter – mit einem hohen Preis.
Hohe Kosten, tiefe Margen
500 Millionen Franken lässt sich die Migros die Tiefpreisstrategie kosten. Dass dabei nicht jedes Produkt rentabel ist, räumt Irminger offen ein. Bestimmte Artikel – wie etwa Brot – seien quersubventioniert.
Auf Druck des Marktes habe Migros bei den Brotpreisen mitziehen müssen, obwohl Irminger selbst solche Preisschlachten kritisiert: «Wir finden sie eigentlich falsch.»
Offiziell betont die Migros, dass man sich an Branchen-Richtpreise halte und lokale Hersteller wie Ricola, Rivella oder Zweifel nicht unter Druck setze. Doch hinter den Kulissen klingen andere Töne durch.
Wachstum durch Zuwanderung – und neue Filialen
Besonders gegenüber grossen Marken wie Nestlé, Lindt & Sprüngli oder Coca-Cola versucht die Migros, bessere Konditionen zu erwirken. Ein prominenter Gewinner: Lindt-Produkte sollen bald wieder in die Regale zurückkehren.
Lindt-Produkte feiern bald ihr Comeback in der Migros.
Bild: sda
Auch die demografische Entwicklung spielt eine Rolle. Die jährlich hohe Zuwanderung bedeutet für den Detailhandel potenziell zehntausende neue Konsumentinnen und Konsumenten.
Irminger sieht hier ungenutztes Potenzial und will mit dem Ausbau von 140 neuen Filialen sowie der Renovation bestehender Läden punkten. Zwei Milliarden Franken werden dafür in den nächsten fünf Jahren investiert.
Zweifel an der Strategie
Doch nicht alle Experten sind überzeugt. Jörg Staudacher vom Schweizerischen Institut für Vertrieb und Handel sieht in der Strategie eine gefährliche Entwicklung: «Migros zieht vor allem Schnäppchenjäger an, die illoyal sind, und erzieht die Kundschaft quasi auf den Preis.»
Die Gefahr: Kundenbindung bleibt auf der Strecke. Irminger widerspricht: Nur ein Bruchteil der Produkte sei vergünstigt worden – rund 1000 von insgesamt 12'000.
Die Preissenkungen seien nur ein Teil einer umfassenden Strategie, die auch Investitionen und Effizienzsteigerung umfasst. Sein Ziel: in vier bis fünf Jahren wieder eine Profitabilität von 2.5 Prozent – wie bei Konkurrentin Coop.
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