Finma-Chef Branson wechselt zu deutscher Aufsichtsbehörde

SDA

22.3.2021 - 13:16

Mark Branson wechselt zur BaFin nach Deutschland. (Archiv)
Mark Branson wechselt zur Bafin nach Deutschland. (Archiv)
Bild: Keystone

An der Spitze der Finanzmarktaufsicht Finma kommt es zum Wechsel. Mark Branson, der die Behörde seit April 2014 leitet, wechselt zum deutschen Pendant Bafin in Frankfurt am Main. 

SDA

22.3.2021 - 13:16

Mark Branson tritt als Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma zurück. Er wird per Mitte des Jahres 2021 die Funktion als Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin in Deutschland übernehmen, teilte die Finma am Montag mit.

Branson wird die neue Aufgabe als Bafin-Präsident laut den Angaben per Mitte 2021 übernehmen. Schon ab Mai werde die Finma operativ von Jan Blöchliger geführt, so die Mitteilung weiter. Die Suche nach einer neuen Direktorin oder einem neuen Direktor sei eingeleitet worden.

Der Abgang Bransons wird in der Mitteilung bedauert. Er habe den Aufbau und die nationale und internationale Etablierung der Behörde wesentlich geprägt. Und seine Berufung zeuge von ihrer internationalen Anerkennung.

Grosses Lob

Branson startete seine Tätigkeit bei der Finma Januar 2010 als Leiter des Geschäftsbereichs Banken. Nach seiner Wahl zum Direktor 2014 habe er den Kampf gegen die Finanzkriminalität im Rahmen der Geldwäschereiaufsicht priorisiert.

Zuvor musste sich der frühere Manager der Grossbank UBS gegen Kritiker wehren, die an seiner Unabhängigkeit gezweifelt hatten. Doch Branson ging in seiner Amtszeit gegen die UBS und weitere Banken vor, sodass diese Bedenken schnell in den Hintergrund traten.

Gleichzeitig genoss der 1968 geborene britische und Schweizer Doppelbürger bei Banken und Versicherern eine breitere Unterstützung als sein Vorgänger. Branson hatte an der Eliteuniversität Cambridge Mathematik und Management studiert und später auch bei der Credit Suisse gearbeitet.

«Finma-Direktor ist ein extrem anspruchsvoller Job. Mark Branson hat ihn hervorragend gemacht», lässt sich Finma-Verwaltungsratspräsidentin Marlene Amstad zum Abgang zitieren. Er habe für den Aufbau und die Etablierung der Behörde in einer für den Finanzplatz sehr bewegten Zeit «einen herausragenden Beitrag» geleistet. «Dass die Finma so dasteht, als national und international anerkannte Behörde, ist ein grosser Verdienst von Mark Branson.»

Bransons Nachfolger ad interim, Jan Blöchlinger, ist seit Juli 2018 Leiter des Geschäftsbereichs Banken und Mitglied der Geschäftsleitung der Finma. Von 2015 bis 2018 leitete er die Abteilung Aufsicht Credit Suisse Group. Von 2013 bis 2015 war er ausserdem Generalsekretär der Finma.

Von Beruf ist Blöchlinger Rechtsanwalt. Sein Jurastudium an der Universität St. Gallen (HSG) schloss er 2002 ab. 2005 erhielt er die Zulassung als Anwalt im Kanton Zürich, wie die Finma auf ihrer Website schreibt.

Bafin nach Wirecard-Skandal in der Krise

Die deutsche Finanzmarktaufsicht Bafin, zu der Branson nun wechseln wird, befindet sich im Gegensatz zur Finma in einer Krise. Der bisherige Präsident Felix Hufeld war über den Wirecard-Skandal gestürzt. Er wurde im Januar vom deutschen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) entlassen, weil ihm Versagen in dem Bilanzskandal vorgeworfen wurde.

Weder der Bafin noch den Wirtschaftsprüfern von EY war der mutmassliche jahrelange Milliardenbetrug von Wirecard aufgefallen. Inzwischen hat der insolvente frühere Dax-Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt – insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen.

Die Bafin ist auch ins Visier der Frankfurter Staatsanwaltschaft geraten. Es handelt sich nach früheren Angaben vom Februar um eine Vorprüfung. Wirecard-Aktionäre hatten Strafanzeigen erstattet. Sie werfen der Behörde vor, sie habe ihre Aufsichtspflichten verletzt.

Zum anderen geht es um die möglicherweise strafbare Verletzung von Insiderwissen. Nebst Hufeld trat auch seine Vizechefin Elisabeth Roegele ab, nachdem der Verdacht aufkam, ein Bafin-Mitarbeiter könnte dank Insiderwissen mit Wirecard-Papieren Geschäfte gemacht haben.