Firmenpleiten auf RekordhochEuropas Wirtschaft steckt tiefer in der Krise als gedacht
SDA
5.5.2026 - 10:36
Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Firmenpleiten in den meisten westeuropäischen Ländern zugenommen. Besonders stark fiel der Zuwachs in der Schweiz aus (+35,3 Prozent). (Archivbild)
Keystone
Die Zahl der Firmenpleiten in Westeuropa ist auf den höchsten Stand seit über 20 Jahren gestiegen. Besonders stark betroffen ist die Schweiz – doch hinter den Zahlen steckt mehr als nur eine schwache Konjunktur.
Keystone-SDA
05.05.2026, 10:36
05.05.2026, 10:40
SDA
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2025 wurden in Westeuropa rund 197'600 Firmeninsolvenzen registriert – so viele wie noch nie seit 2002.
Die Schweiz verzeichnete mit über 35 Prozent einen besonders starken Anstieg, auch wegen neuer Regeln.
Experten sprechen von einer strukturellen Krise, die weit über kurzfristige Wirtschaftsschwächen hinausgeht.
Die Wirtschaftskrise hat für Unternehmen in Westeuropa schwerwiegende Folgen – und für viele auch existenzielle. Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung 2002.
2025 wurden demnach gut 197'610 Insolvenzen gezählt – ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war der vierte Anstieg in Folge.
«Die Krise ist nicht nur konjunkturell, sie ist strukturell. Ein schwacher Welthandel und geopolitische Risiken setzen Europas Unternehmen zu», sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Zugleich lähmten hohe Energiepreise und Bürokratie die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen vor allem im Vergleich mit den USA und China. «Diese doppelte Belastung frisst sich tief in die Substanz vieler Betriebe.» Für dieses Jahr wird eine weitere Zunahme der Fälle erwartet.
Das Insolvenzniveau in Westeuropa liegt Hantzsch zufolge höher als nach der Finanzkrise 2008/2009. In den vergangenen Jahren stiegen die Zahlen deutlich. Zuletzt schwächte sich die Dynamik etwas ab, die Situation bleibt den Experten zufolge aber auf hohem Niveau.
Schweiz mit grossem Anstieg
Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Firmenpleiten in den meisten westeuropäischen Ländern zugenommen. Besonders stark fiel der Zuwachs in der Schweiz aus (+35,3 Prozent). Laut Creditreform geht dies vor allem auf eine Gesetzesänderung zu Jahresbeginn 2025 zurück. Die Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen sei verschärft worden, heisst es. Dadurch sinke die faktische Hürde für Konkurse.
Ein überdurchschnittlich hoher Anstieg der Insolvenzen wurde 2025 auch in Griechenland (+24,4 Prozent), Finnland (+12,1 Prozent) und Deutschland (+8,8 Prozent) verzeichnet.
In sechs Ländern wurde zuletzt hingegen ein Rückgang registriert – darunter die Niederlande, Irland und Norwegen. «Europa entwickelt sich zunehmend auseinander, und die wirtschaftliche Schwäche der zentralen Industrieländer wirkt als Belastungsfaktor für den gesamten Kontinent», sagte Hantzsch.
Ein anderes Bild zeigt sich bei den Insolvenzquoten. Luxemburg führt die Rangliste an mit 243 Insolvenzen je 10'000 Unternehmen, gefolgt von der Schweiz (197) und Dänemark (168). Am niedrigsten sind die Quoten in Griechenland (3) und den Niederlanden (13). Deutschland liegt mit 77 im Mittelfeld. Die Aussagekraft ist jedoch begrenzt.
Dienstleistungssektor am stärksten betroffen
Die Zahlen sind nach Angaben von Creditreform nur bedingt vergleichbar. Das Insolvenzrecht der Länder unterscheidet sich teils erheblich, Unternehmensaufgaben können nicht überall über formale Insolvenzverfahren abgewickelt werden. Zudem gebe es vielfach mehrere und voneinander abweichende Statistiken zum Unternehmensbestand.
Die Insolvenzen entwickelten sich in den Hauptwirtschaftsbereichen zuletzt unterschiedlich dynamisch. Bei Dienstleistern (+8,7 Prozent) und im verarbeitenden Gewerbe (+3,6 Prozent) fiel der Anstieg der Fälle stärker aus als im Handel und Gastgewerbe (+3 Prozent) und im Bau (+0,1 Prozent).
Die Krise beschränke sich längst nicht mehr auf die Industrie, sagte Experte Hantzsch. Eine schwache Konsumneigung und anhaltender Preisdruck träfen vor allem konsumnahe Branchen. Die meisten Firmenpleiten entfielen 2025 mit einem Anteil von gut 43 Prozent erneut auf den Dienstleistungssektor.
In Mittel- und Osteuropa ist die Zahl der Insolvenzen zuletzt gesunken. Die Experten sehen darin Nachholeffekte infolge der Corona-Pandemie. In vielen Branchen sei das Insolvenzniveau weiterhin hoch.
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