«Nein, Fredy, Nein» Gantners Zoll-These bringt Bern ins Schleudern

Sven Ziegler

30.11.2025

Welche Rolle spielten die Schweizer Wirtschaftsvertreter in Trumps Oval Office?
Welche Rolle spielten die Schweizer Wirtschaftsvertreter in Trumps Oval Office?
KEYSTONE

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) will klären, welche Rolle Alfred Gantner im US-Zollstreit wirklich spielte. Der Unternehmer spricht von einem verpassten 10-Prozent-Deal – Bundesräte und Seco-Chefin widersprechen klar.

,

Keystone-SDA, Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Geschäftsprüfungskommission des Parlaments hat ihr Mandat ausgeweitet – Mitglieder wollen Alfred Gantner zur Rolle der Wirtschaftsdelegation im Trump-Zolldeal befragen.
  • Gantner behauptet, die Schweiz hätte bereits im Mai einen 10-Prozent-Deal haben können, sei aber durch Einwände aus der Verwaltung und Rücksicht auf die EU gebremst worden.
  • Aussenminister Ignazio Cassis und Justizminister Beat Jans weisen die Vorwürfe als «abwegig» und «Unwahrheiten» zurück, Seco-Chefin Helene Budliger korrigiert zentrale Punkte von Gantners Darstellung.

Im Streit um die US-Zölle rückt Unternehmer Alfred Gantner immer stärker ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Wie der «SonntagsBlick» (Printausgabe) berichtet, wollen Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission (GPK) den Partners-Group-Mitgründer vorladen. Die Aufsichtskommission hat ihre Untersuchung bis Mitte November ausgeweitet – also bis nach dem Besuch jener sechsköpfigen Wirtschaftsdelegation im Weissen Haus, der Gantner selbst angehörte.

Der Grund: Gantner hat in den vergangenen Wochen mehrfach öffentlich erklärt, die Schweiz habe im Frühling eine deutlich bessere Ausgangslage gehabt. In Gesprächen mit dem «Tages-Anzeiger» sagte er, Staatssekretärin Helene Budliger habe bereits zwischen April und Mai einen Entwurf für einen Zollsatz von zehn Prozent ausgehandelt. Doch weil innerhalb des Bundesrates zusätzliche Mitberichte gefordert worden seien, habe sich die Entscheidung verzögert – bis die USA mit anderen Ländern Einigungen erzielt hatten und härtere Bedingungen stellten.

Auf einem Podium der FDP Schwyz ging Gantner sogar weiter. Dort sagte er laut CH Media, die Schweiz sei wegen der geplanten «Bilateralen III» in ihrer Aussenhandelspolitik blockiert gewesen. Die EU-Verträge hätten dazu geführt, dass der Bundesrat den amerikanischen Vorschlag habe «abgleichen» wollen – was zusätzliche Zeit gekostet habe. Gantner sprach dabei von acht bis zehn verlorenen Wochen.

Auch Budliger widerspricht Gantner

Diese Darstellung sorgt nun für heftigen Widerspruch – sowohl politisch als auch administrativ. Aussenminister Ignazio Cassis lässt ausrichten, die Unterstellungen seien «abwegig» und entbehrten jeder Grundlage. Justizminister Beat Jans geht noch weiter: «Wer behauptet, ich hätte den US-Deal verzögert mit Blick auf das EU-Paket, erzählt Unwahrheiten.» Der Bundesrat habe durchgehend versucht, die Strafzölle so rasch wie möglich zu reduzieren.

Auch Helene Budliger, die Gantner selbst ins sogenannte «Team Switzerland» geholt hatte, widerspricht Teilen seiner Aussage. An derselben Podiumsdiskussion stellte sie klar, der Entwurf mit den USA sei nicht bereits im Mai, sondern erst Anfang Juli bereit gewesen. Und die Behauptung, die EU-Verträge hätten die Schweiz ausgebremst, kommentierte sie mit einem deutlichen «Nein, Fredy, nein». Die Schweiz habe zuvor mehrfach Freihandelsabkommen schneller abgeschlossen als die EU – Rücksichtnahmen seien nicht der Grund für die Verzögerungen.

Für zusätzliche Brisanz sorgt die Frage, wie eng die Wirtschaftsdelegation mit dem Bund abgestimmt war. Die Gruppe überreichte US-Präsident Donald Trump im Oval Office unter anderem einen Goldbarren und eine Rolex-Tischuhr – ein Vorgang, der inzwischen Strafanzeigen ausgelöst hat.