Umsatzplus bei der Post dank des Paketbooms in der Pandemie

jc, sda

8.6.2021 - 11:36

Pakete werden auf Foerderbaendern transportiert, im Paketzentrum Haerkingen, am Mittwoch, 9. Dezember 2020, in Haerkingen. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Da geht was: Das Paketzentrum Härkingen im Dezember 2020.
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Mehr Pakete, mehr Umsatz, aber gleichzeitig auch weniger Sendungen: Der neue Postbericht zeigt die Höhen und Tiefen des Unternehmens in Pandemie-Zeiten.

jc, sda

8.6.2021 - 11:36

Die Corona-Pandemie hat auch für die Post weitreichende Auswirkungen gehabt: Wegen des Paketbooms stieg der Gesamtumsatz im Postmarkt um drei Prozent auf 4,2 Milliarden Franken – so stark wie seit mehreren Jahren nicht mehr.

Allerdings wurden wegen des Homeoffice viel weniger Briefe, Zeitungen und Zeitschriften verschickt. Das Gesamtvolumen sank entsprechend. Bei den verschickten Sendungen wurde ein Rückgang um 4,5 Prozent auf 3,1 Milliarden verzeichnet, wie es im heute veröffentlichten Jahresbericht 2020 der Eidgenössischen Postkommission (PostCom) heisst.

So gab es bei den Paketen einen Rekord, während es bei den Briefen respektive im Briefmarkt einen neuen Tiefststand gab. Dessen Anteil am Gesamtumsatz lag bei 37 Prozent. Fünf Jahre zuvor lag er gemäss Jahresbericht noch bei über 50 Prozent.

Pierre Yves Maillard, Praesident SGB sowie eine Delegation von Angestellten der Post Tochterfirma Epsilon protestieren vor dem Hauptsitz der Schweizerischen Post, am Mittwoch, 2. Juni 2021, in Bern. Die Personen demonstrieren gegen den drohenden tiefen Stundenlohn von 17.44 Franken. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Protest gegen niedrigen Stundenlohn am 2. Juni 2021 in Bern: SGB-Präsident Pierre Yves Maillard und Co demonstrieren.
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Viele Leistungen der Post seien zudem starken Einschränkungen und Anpassungen unterworfen gewesen. So habe die Post die Rekordmenge an Paketen wegen der Abstandsvorschriften nicht einfach mit mehr Personal bewältigen können.

Die PostCom wacht über die Qualität der postalischen Grundversorgung. Während der vom Bundesrat ausgerufenen ausserordentlichen Lage hat das zuständige Bundesamt für Kommunikation (Uvek) der Post erlaubt, von den gesetzlichen Vorgaben abzuweichen.

Bundesamt erkennt «höhere Macht» an

Es anerkannte eine «höhere Macht» an, weswegen die Messungen während mehrerer Monate ausgesetzt wurden. Insgesamt erreichte die Post die Vorgaben im Jahr 2020. Neben der Corona-Pandemie befasst sich die PostCom in ihrem Jahresbericht mit anderen Aspekten aus der Postwelt. So kontrollierte sie etwa, ob die Firmen der postalischen Dienstleistung die Mindestvorgaben bei ihren Angestellten einhielten.

Demnach ist das nicht immer der Fall. Verstösse festgestellt worden seien insbesondere beim Einhalten der Wochenarbeitszeit von höchstens 44 Stunden und beim Stundenlohn von mindestens 18,27 Franken. Auch über den Abbau der Poststellen im Schweizer Netz wurde im Jahresbericht berichtet.

Ende 2020 bestand noch ein Netz von 2087 bedienten Zugangspunkten (902 eigenbetriebene Poststellen und 1185 Postagenturen). Bis ins Jahr 2024 strebt die Post einen Rückgang auf 800 Poststellen an. In Gemeinden, wo nach der Auflösung der Poststelle kein Agenturpartner gefunden wird, führt die Post einen Hausservice ein. Die Anzahl der Hausservices stieg um 22 auf 1797.

Konsequenzen der Privatisierung von Postfinance

Die PostCom befürchtet, dass wegen dem immer stärkeren Wettbewerb bei kostenlosen Lieferungen und Rücksendungen die Löhne nach unten gedrückt werden. Deswegen hat sie Anfang Jahr eine Studie über die Arbeitsbedingungen im Postmarkt in Auftrag gegeben und dazu einen beratenden Expertenausschuss eingesetzt. Darin sind auch die Sozialpartner vertreten.

Die Kommission nahm auch die vom Bundesrat angedachte Privatisierung von PostFinance unter die Lupe. Diese würde deren Herauslösung aus dem Postkonzern bedeuten, schreibt PostCom.

Die heute bestehende «enge Verflechtung und Zusammenarbeit» zwischen PostFinance und den übrigen Konzerngesellschaften in der Grundversorgung mit Post- und Zahlungsverkehrsdienstleistungen wären entsprechend anzupassen. Es bräuchte eine Revision der Bestimmungen zur Grundversorgung im Postgesetz.

Gewerkschaft fordert mehr Regulierung

Die PostCom hält fest, dass die Nettokosten der Grundversorgung von der Post zurzeit noch getragen werden könnten. Künftig sei jedoch mit weiteren Rückgängen der Erlöse insbesondere aus dem Briefmonopol zu rechnen – zusätzlich beschleunigt durch den Digitalisierungseffekt infolge der Corona-Pandemie.

Gemäss der Gewerkschaft Syndicom leiden die Angestellten in der Branche unter den gesteigerten Paketvolumen. Sie würden den Preis mit vielen Überstunden und tiefen Löhnen bezahlen. Deshalb sei mehr Regulierung und Kontrolle im Postmarkt notwendig.

Konkret erwartet Syndicom, dass die PostCom bei der nächsten Überprüfung die für die Branche verordneten Arbeitsbedingungen verbessert. Kritisiert wird auch, dass trotz der geltenden Erreichbarkeitskriterien die Dienstleistung für die Bevölkerung seit Jahren konstant abnimmt.