Stark in der KriseWie der hohe Goldpreis die SNB rettet – und warum er wohl weiter steigt
Samuel Walder
22.4.2026
Gold bleibt für Anlger*innen ein sicherer Hafen.
Sven Hoppe/dpa
Inmitten geopolitischer Spannungen zeigt sich Gold einmal mehr als sicherer Hafen. Auch die SNB profitiert davon deutlich. Wie sieht die Zukunft aus? Ein Experte schätzt die Lage ein.
So turbulent es in der geopolitischen Wirtschaftslage zugeht, eine Konstante lässt sich an den Märkten finden: Edelmetalle. Der Goldpreis steigt – und das ganz zum Vergnügen der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
Morgen Donnerstag veröffentlicht die SNB das Finanzergebnis für das erste Quartal 2026. Die UBS erwartet ein ausgeglichenes Ergebnis, wie sie in einer Mitteilung von Dienstag festhält. Der Grund: Gold.
Die UBS glaubt, dass das Ergebnis der SNB durch den Goldpreis gestützt wurde. Der höhere Goldpreis dürfte im ersten Quartal rund 8 Milliarden Franken zum Ergebnis beigetragen haben, schätzt die UBS.
Doch ist Gold tatsächlich ein verlässlicher Fels in der Brandung, während der Wirtschaftsozean tobt? blue News fragt bei Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei der Raiffeisen, nach.
Gold auf Allzeithoch
Er sagt: «Der Goldpreis hat in diesem Jahr eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich. Per Ende Januar stieg der Kurs zwischenzeitlich auf über 5500 US-Dollar pro Unze – ein Allzeithoch.»
Mit dem Beginn des Iran-Krieges habe Gold wieder an Wert eingebüsst und sei zeitweise auf unter 4500 USD/Unze gefallen. «Grund dafür war der starke Anstieg der Energiepreise, welche zu höheren Zinsen und einem temporär stärkeren US-Dollar führten.» Höhere Zinsen und ein festerer Dollar seien Gift für Gold.
Nichtsdestotrotz: «Seit Jahresbeginn notiert das gelbe Edelmetall gut 10 Prozent höher und gehört damit auch in diesem Jahr zu den besten Anlageklassen.»
Matthias Geissbühler ist Chief Investment Officer bei der Raiffeisen.
Raiffeisen
Kriesenzeiten rütteln an Goldpreis
In Zeiten der Krise können viele Faktoren für einen schwankenden Preis bei Wertanlagen verantwortlich sein. «In der Regel gilt Gold als sicherer Hafen in Krisenzeiten sowie als langfristig sehr guter Inflationsschutz.» Daran habe sich nichts geändert.
«Im Zuge des Iran-Krieges ist es aber zu einem klassischen Angebotsschock gekommen. Der Anstieg der Ölpreise, hat auch die Inflationserwartungen und die Zinsen nach oben getrieben.» Höhere Zinsen bedeuten höhere Opportunitätskosten, also Verzichtskosten, beim Halten von Gold. «Entsprechend ist es zu temporären Gewinnmitnahmen gekommen.»
Geissbühler hält aber fest: «Gold bleibt ein sicherer Hafen. Neben den geopolitischen Unsicherheiten ist die ausufernde Staatsverschuldung ein zunehmendes Problem für die Wirtschaft.» In diesem unsicheren Umfeld gehöre Gold weiterhin in ein Portfolio.
Und der Experte zeichnet eine glänzende Zukunft: «Wir sehen in den kommenden Monaten weiteres Kurspotenzial. Unser Kursziel liegt bei 5500 USD/Unze, was von den aktuellen Kursen ausgehend einem Plus von rund 15 Prozent entspricht.»
Gold ja, Silber nur mit Vorsicht
Investieren kann man aber nicht nur in Gold. Andere Edelmetalle wie Silber, Platin oder Palladiumium können ebenfalls erworben werden. Der Trend sieht da jedoch etwas anders aus: «Gold bleibt aus Anlegersicht im Fokus. Die anderen Edelmetalle sind deutlich volatiler und werden stärker von der Konjunktur beeinflusst.»
Beim Handel mit weiteren Rohstoffen appelliert Geissbühler zur Vorsicht. Je länger der Konflikt an der Strasse von Hormus anhält, desto grösser werden die Versorgungsengpässe. Betroffen seien auch Düngemittel, Chemikalien und Aluminium. «Der Konflikt hat bereits jetzt diverse Rohstoffe verteuert.»
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