Waffen sind «kriegserprobt»Während der Krieg eskaliert, explodieren die Verkäufe: Israels lukrativstes Geschäft
dpa
23.5.2026 - 11:12
Gefragte Technologie: Eine israelische Drohne am 19. Mai über Beirut.
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Israels Kriegsführung, besonders in Gaza, hat verbreitet Kritik ausgelöst. Dennoch interessieren sich jetzt viele Länder für genau die Systeme, die dort eingesetzt und – wie manche sagen – getestet wurden.
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23.05.2026, 11:12
23.05.2026, 11:31
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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Israel überholt Grossbritannien und ist nun der siebtgrösste Waffenexporteur der Welt.
Israels Rüstung boomt – auch weil die Waffen kriegserprobt sind.
In diesen Bereichen ist die Industrie besonders innovativ.
Im vergangenen Jahr traten israelische Verteidigungsbeamte an das Unternehmen Massivit heran, um dessen einzigartige 3D-Drucker für die Herstellung von Militärdrohnen-Teilen zu nutzen. Geschäftsführer Jossi Asarsar ergriff die Gelegenheit beim Schopf.
Bislang hatte sich die israelische Firma auf Hollywood konzentriert und unter anderem Kulissen für Disney, DreamWorks und Netflix hergestellt. Jetzt war die Möglichkeit, stattdessen schnell grosse Drohnenteile für Israels Streitkräfte zu produzieren, zu verlockend, um sie zu ignorieren.
«Ich habe aufgehört, an Hollywood-Kulissen zu denken», sagt Asarsar. «Die Unterhaltungsindustrie ist ein netter Kunde – Verteidigung ist eine Notwendigkeit.»
Das Geschäft boomt für den israelischen Rüstungssektor, trotz weit verbreiteter Kritik am Vorgehen des Landes in den Kriegen im Gazastreifen, gegen die Hisbollah im Libanon und gegen den Iran. Länder, die geschworen haben, israelische Waffenhersteller zu meiden, geben laut Branchenvertretern dennoch stillschweigend Bestellungen auf.
Waffenverkäufe haben sich mehr als verdoppelt
Und Produzenten können zeigen, dass ihre Innovationen kontinuierlich im Kampfeinsatz getestet und verbessert werden – selbst wenn sie wie Massivit zuvor kein militärisches Know-how hatten.
Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums haben sich die israelischen Waffenverkäufe in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt und erreichten 2024 einen Rekordwert von umgerechnet fast 12 Milliarden Franken.
Die Aufklärungsdrohne Heron 1 des Herstellers Israel Aerospace Industries LTD (IAI) wird im September 2012 in Emmen den Medien präsentiert.
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Zwar hat das Ministerium noch keine Gesamtzahlen für 2025 veröffentlicht, doch führende israelische Waffenhersteller wie Elbit und Israel Aerospace Industries, meldeten im vergangenen Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum. Mehr als die Hälfte der gesamten Verkäufe entfällt auf Flugkörper, Raketen und Luftabwehrsysteme.
Nach Angaben des Internationalen Friedensforschungsinstituts Sipri in Stockholm vom März hat Israel nunmehr Grossbritannien beim Anteil an den weltweiten Waffenexporten überholt und ist damit der siebtgrösste Lieferant der Welt.
«Die Welt erkennt die Stärke Israels»
«Diese enorme Leistung ist ein direktes Ergebnis der Erfolge der (Armee) und der Verteidigungsindustrie», sagte Israels Verteidigungsminister Israel Katz. «Die Welt erkennt die Stärke Israels und strebt eine Partnerschaft an.» Die Defense Tech Expo in Tel Aviv spiegelte das wachsende internationale Interesse an Israels in jüngsten Konflikten erprobten Waffen wider.
Die Messe wurde aber auch von Protesten begleitet: Demonstranten machten auf die weitgehende Verwüstung des Gazastreifens sowie die hohe Opferzahl aufmerksam und warfen Israel vor, die Palästinenser-Enklave als Testgelände für Technologien benutzt zu haben.
Photos of rifles, drones and missile footage at the Defense Tech Expo Israel 2026
Rifles are lifted from display racks, drones hover above exhibition stands and large screens loop footage of missile launches inside the halls of Expo Tel Aviv convention center as it hosts the Defense Tech Expo...
Israel bestreitet das und sagt, dass die Ausrüstung einzig und allein zur Verteidigung des Landes und seiner Bevölkerung eingesetzt werde. Der Gazakrieg war durch ein von der militant-islamistischen Hamas geführtes Massaker an etwa 1200 Menschen auf israelischem Boden ausgelöst worden.
Dem von der Hamas geführten Gesundheitsministerium in Gaza zufolge kamen im Zuge des israelischen Feldzugs in den Gazastreifen mehr als 72'700 Palästinenser ums Leben. Einige Länder und Menschenrechtsgruppen haben Israel Kriegsverbrechen vorgeworfen.
In Echtzeit sehen, welche Waffen funktionieren
Im vergangenen Jahr kündigte Spanien einen Kaufvertrag für Panzerabwehrraketen, die der Tochtergesellschaft eines israelischen Unternehmens geliefert werden sollten. Slowenien verbot jeglichen Waffenhandel mit Israel.
Dennoch blickten viele Länder nach Israel, weil sie wegen der Ausbreitung globaler Konflikte ihre Verteidigungskapazitäten dramatisch ausweiten müssten, aber ihre eigene Ausrüstung vor Ort nicht schnell genug aufmöbeln könnten, sagt Seth J. Frantzman von der Washingtoner Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies.
Eine Drohne vom Typ «Hermes 900» der Firma Elbit in Rishon Lezion.
Archivbild:KEYSTONE
Sie brauchten Waffen, die funktionierten, und könnten in Echtzeit sehen, dass Israel über entsprechende Munition und Systeme verfüge. Bei Massivit sind die Umsätze seit der Umstellung auf die Produktion von Drohnenteilen in die Höhe geschnellt.
Allein seit dem Beginn der israelischen und US-Angriffe auf den Iran Ende Februar hätten die Anfragen interessierter Käufer um 200 Prozent zugenommen, sagt Asarsar. Die einzigartige 3D-Drucktechnologie des Unternehmens ermöglicht es, grosse Drohnenteile innerhalb von Tagen herzustellen.
Starker Umsatzanstieg für viele Rüstungsunternehmen
Neben dem Verkauf an das israelische Militär habe Massivits Technologie auch das Interesse des Verteidigungs- und Luftfahrtsektors in Europa, den USA, Südostasien und Indien geweckt. Für andere Rüstungsunternehmen läuft das Geschäft ebenfalls gut.
Tomer Malchi, Geschäftsführer von Asio, berichtet zum Beispiel von einer grossen Nachfrage nach «Orion», einem Smartphone des Unternehmens, das Karten, Augmented Reality und künstliche Intelligenz nutzt, um Soldaten etwa bei der Planung von Einsätzen und der Reaktion auf Echtzeit-Bedrohungen auf dem Schlachtfeld zu unterstützen.
Die Bestellungen seitens des israelischen Militärs hätten seit dem Beginn des Gazakrieges um 400 Prozent zugenommen, und kürzlich habe Asio einen Vertrag mit einem grossen US-Rüstungsunternehmen unterzeichnet, sagt Malchi. Ausserdem liefen Gespräche mit etwa 20 weiteren Ländern.
Der Waffenhersteller Israel Weapon Industries (IWI) hat ein System namens «Arbel» entwickelt, das Soldaten dabei hilft, taktische Drohnen präziser zu bekämpfen. Es kam 2024 auf den Markt und wird mittlerweile in mehr als zwei Dutzend Ländern eingesetzt, sagt IWI-Europa-Chef Semion Dukhan.
Zu den Abnehmern zählten Länder, die öffentlich erklärt hätten, keine Geschäfte mit Israel zu machen. Namen wollte Dukhan jedoch nicht nennen.
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