Wertvolle Geschenke für Trump: Das Treffen von Schweizer Unternehmern mit dem US-Präsidenten spielte womöglich eine entscheidende Rolle beim Zoll-Deal. Doch nun zeigen Politiker*innen das «Team Switzerland» an.
Redaktion blue News
27.11.2025, 16:44
Oliver Kohlmaier
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Politiker*innen der Grünen und der Juso haben Schweizer Unternehmer angezeigt. Es geht um die mögliche Bestechung ausländischer Amtsträger.
Das «Team Switzerland» hat sich im Zuge der Zollverhandlungen mit US-Präsident Donald Trump getroffen.
Dabei wurde Trump eine Rolex sowie ein Goldbarren überreicht.
Die Bilder gingen um die Welt: Ein aus Schweizer Unternehmern bestehendes «Team Switzerland» wird inmitten der Zollverhandlungen bei Donald Trump im Oval Office vorstellig. Im August hatte der US-Präsident saftige Zölle von 39 Prozent für Waren aus der Schweiz verhängt – so viel wie kein anderes Land auf der Welt.
Inzwischen haben sich die Schweiz und die USA in einem Zoll-Abkommen auf weitaus weniger schmerzhafte 15 Prozent geeinigt. Das Treffen mit Donald Trump soll bei dem Deal eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Politiker zeigen «Team Switzerland» an
Doch ein Detail des Treffens sorgte für teils heftige Kritik – und nun möglicherweise für Ermittlungen. Denn die Unternehmer aus «Team Switzerland» überreichten dem Präsidenten eine Rolex sowie einen Goldbarren.
Für Politiker*innen der Grünen sowie der Juso ist dies als Bestechung zu werten. Ob dies zutrifft, muss nun die Bundesanwaltschaft untersuchen. Denn zwei Grünen-Mitglieder haben Strafanzeige gegen das «Team Switzerland» eingericht, wie «Die Wochenzeitung» berichtet.
Hinter der Anzeige stehen demnach die Tessiner Nationalrätin Greta Gysin sowie der Waadtländer Nationalrat Raphaël Mahaim. Die beiden sehen durch die Geschenke einen Paragraphen des Strafgesetzbuches verletzt, der die Bestechung fremder Amtsträger verbietet. Auch die Juso habe Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft eingereicht, berichtet Watson.
«Es ist absurd, dass Milliardäre im Oval Office gesessen sind»
Die Rolex-Uhr sowie der Goldbarren hätten laut Juso-Chefin Mirjam Hostetmann den Eindruck von Bestechung vermittelt. Die Unternehmer würden von einer Zollsenkung «unverhältnismässig stark» profitieren, heisst es in der Anzeige. Hostetmann sagt: «Es ist absurd, dass Milliardäre im Oval Office gesessen sind, an der Stelle, wo eigentlich gewählte demokratische Vertreter sitzen sollten.»
Angezeigt wurden Daniel Jaeggi, Co-Gründer von Mercuria, Alfred Gantner, Co-Gründer von Partners Group, Johann Rupert, Präsident von Richemont, Jean-Frédéric Dufour, CEO von Rolex, Marwan Shakarchi, Chef der Goldraffinerie MKS Pamp und Diego Aponte, Group President der Reederei MSC. Aponte war zwar für das Treffen kurzfristig verhindert, berichtet «Blick». Er unterzeichnete aber die gemeinsame Erklärung.
Experte erwartet kein Strafverfahren
Während die Nichtregierungsorganisation Transparency International die Anzeigen für gerechtfertigt hält, weisen Strafrechtsexperten auf die hohen Hürden für ein Strafverfahren hin.
So spricht der Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz von der Uni Bern zwar von einem «Gschmäckli», betont beim «Blick» aber: «Die Strafanzeigen erscheinen mir eher politisch als rechtlich motiviert, und Erfolgschancen gebe ich ihnen nicht». Er gehe vielmehr davon aus, dass die Bundesanwaltschaft kein Verfahren eröffnen wird.