Löhne und Schulden offengelegtKanton vertauscht USB-Stick – und gibt hochsensible Daten an Journalisten
Samuel Walder
1.4.2026
An einer Pressekonferenz hat der Kanton Appenzell Innerrhoden den falschen Stick weitergegeben.
Getty Images
Statt nur Finanzzahlen enthält ein USB-Stick plötzlich hochsensible Daten: In Appenzell Innerrhoden sorgt eine Panne für Kritik – Experten sprechen von einem gravierenden Vorfall.
Eigentlich lief alles nach Plan: Der Kanton Appenzell Innerrhoden präsentierte seine Rechnung 2025 mit einem Überschuss von neun Millionen Franken. Säckelmeister Ruedi Eberle zeigte sich zufrieden. Doch kurz nach der Medienkonferenz wurde klar: Ein USB-Stick mit Unterlagen enthielt weit mehr Daten als vorgesehen. Das berichtet das «Tagblatt».
Auf dem Datenträger befanden sich über 150 Dokumente – unverschlüsselt. Darunter Listen mit Kantonsangestellten, inklusive Lohnstufen, Arbeitspensen, Überstunden und Ferienguthaben. Auch Namen und Adressen von Studierenden mit Darlehen sowie deren Rückzahlungen waren einsehbar.
Umfangreiche sensible Daten
Eine weitere Datei umfasst auf 159 Seiten Namen und Adressen von Personen, Firmen und Behörden, die dem Kanton per 5. Januar insgesamt 2,7 Millionen Franken schulden. Ergänzt werden diese Angaben durch interne Notizen wie «Betreibung», «Verfahrenskosten Verjährung abwarten» oder «Betreibung, dann abgemeldet nach Deutschland». Auch Informationen zu Personen auf einer Polizeifahndungsliste waren enthalten, heisst es im Artikel.
Zudem gelangten Finanzdaten von Stiftungen und Institutionen an die Öffentlichkeit, etwa Kontoauszüge, Hypotheken und Zinsvereinbarungen. Auch Spesenabrechnungen von Lehrpersonen des Gymnasiums waren einsehbar. Der Umfang der Daten zeigt, wie weitreichend der Fehler ist.
Kritik von Fachleuten
Die St. Galler Strafrechtsprofessorin Monika Simmler spricht von einem gravierenden Vorfall. Sie nennt ihn «krass unsorgfältig» und «grob fahrlässig». Es gehe um Daten, die dem Amtsgeheimnis unterstehen. Zwar sieht sie keinen Hinweis auf eine vorsätzliche Weitergabe, doch die Staatsanwaltschaft müsse prüfen, ob ein Anfangsverdacht besteht.
Auch IT-Rechtsexpertin Martina Arioli reagiert deutlich gegenüber dem «Tagblatt»: «Das darf nicht auf einem Stick sein.» Sie bezeichnet den Umgang mit den Daten als «unglaublich». Ein unverschlüsselter Datenträger ohne Kontrolle entspreche nicht den gesetzlichen Anforderungen.
Kanton spricht von «menschlichem Fehlverhalten»
Der Kanton erklärt den Vorfall mit «menschlichem Fehlverhalten». Die Daten seien ursprünglich für eine externe Revisionsstelle bestimmt gewesen. Ein Mitarbeiter habe vor der Medienorientierung versehentlich den falschen USB-Stick abgegeben.
Die Standeskommission will den betroffenen Mitarbeiter verwarnen und kündigt weitere Abklärungen an. Gleichzeitig zeigt der Fall bekannte Schwächen: Bereits 2025 wurde das E-Mail-Konto von Ruedi Eberle angegriffen. Damals empfahlen Prüfer ein externes IT-Audit.
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