Krieg der Sterne zwischen den Tech-Giganten

SDA

5.5.2021 - 07:35

SpaceX owner and Tesla CEO Elon Musk arrives on the red carpet for the Axel Springer media award, in Berlin, Germany, Tuesday, Dec. 1, 2020. (Hannibal Hanschke/Pool via AP)
SpaceX-Besitzer und Tesla-CEO Elon Musk betritt den roten Teppich für den Axel-Springer-Medienpreis in Berlin, Deutschland, Dienstag, 1. Dezember 2020. (Hannibal Hanschke/Pool via AP)
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Elon Musk und Jeff Bezos zieht es ins All. Die Multimilliardäre streiten derzeit um den Auftrag der Nasa für eine Mondfähre – doch bei diesem Konflikt geht es um viel mehr.

SDA

5.5.2021 - 07:35

Für zwei riesige Egos wie die von Tesla- und Paypal-Gründer Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos scheint selbst der Weltraum nicht gross genug zu sein. Derzeit streiten ihre Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin um den enorm wichtigen Auftrag für die neue Nasa-Mondfähre. Doch in der Auseinandersetzung geht es um noch mehr.

Im Rennen um die neue Mondfähre, die ab 2024 US-Astronauten wieder auf den Erdtrabanten bringen soll, hat SpaceX gepunktet. Das von Musk 2002 gegründete Raumfahrtunternehmen bekam den Nasa-Auftrag. Damit will sich Blue Origin nicht abfinden, wie die von Bezos gegründete Firma vergangene Woche mitteilte. Sie legte Widerspruch beim US-Rechnungshof wegen einer fehlerhaften Ausschreibung ein und warnte, die Entscheidung der US-Raumfahrtbehörde für SpaceX gefährde Amerikas Rückkehr zum Mond.

Musk reagierte mit einem Kommentar unterhalb der Gürtellinie: «Kriegt ihn nicht hoch (in den Orbit)», spottete er in Online-Netzwerken über Blue Origin.

Zwei Egos streiten sich

«Das ist mehr als eine Schlacht im Weltraum», sagt Analyst Daniel Ives von der US-Investmentfirma Wedbush Securities mit Blick auf Musk und Bezos, die beide grosse Summen aus ihren riesigen Privatvermögen in ihre Raumfahrtunternehmen gesteckt haben. «Da kommen auch ein paar Egos ins Spiel.»

Was die finanziellen Mittel angeht, hat der 57-jährige Bezos die Nase vorn. Der Gründer des Versandimperiums Amazon ist laut «Forbes» mit einem Vermögen von 202 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt. Der 49-jährige Musk belegt mit 173 Milliarden Dollar den dritten Platz.

In der Raumfahrtbranche liegt aber Musk klar in Führung. Die SpaceX-Tochter Starlink hat bereits Hunderte Satelliten ins Weltall gebracht, um sich einen Anteil am weltweiten Markt für Internetverbindungen zu sichern. Der Amazon-Tochter Kuiper ist das bislang nicht gelungen, obwohl Bezos zehn Milliarden Dollar an Unterstützung zugesagt hat.

Liaison von SpaceX mit Microsoft

Zu allem Überfluss hat sich SpaceX auch noch mit Microsoft, dem grössten Amazon-Konkurrenten auf dem Computer-Cloud-Markt, zusammengetan. Für seinen satellitengestützten Internetdienst darf SpaceX die Microsoft-Plattform Azure nutzen, wie die beiden Konzerne Ende vergangenen Jahres mitteilten.

Microsoft will ausserdem mit SpaceX beim Bau von Satelliten für ein Verteidigungssystem zum Aufspüren von ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Hyperschallraketen zusammenarbeiten.

Bezos wirft SpaceX und Microsoft einen gemeinsamen Feldzug gegen sein Firmenimperium vor. Dieser sei auch dafür verantwortlich, dass das Pentagon vergangenes Jahr einen Zehn-Milliarden-Dollar-Auftrag für sein Cloud-System «Jedi» an Microsoft und nicht an Amazon vergeben habe.

Frachtlieferant für die ISS

Und auch SpaceX hat beim Staat den Fuss in der Tür. Die Nasa schätzt SpaceX als zuverlässigen Frachtlieferanten für die Internationale Raumstation ISS. Mittlerweile haben SpaceX-Raketen auch schon mehrfach Astronauten zur ISS gebracht und die Nasa somit von der Abhängigkeit von russischen Sojus-Kapseln befreit.

Blue Origin sei in diesen Bereichen hingegen kein wichtiger Schritt gelungen, sagt Raumfahrtexperte Xavier Pasco von der Denkfabrik Foundation for Strategic Research.

Bezos belächelt Musks Mars-Pläne

Musk hat grosse Pläne in der Raumfahrt. Schon 2016 kündigte er eine bemannte Mars-Mission an. Bezos hat deutlich gemacht, dass er Träume von einer Besiedlung des Roten Planeten für Spinnereien hält. «Wer will auf den Mars ziehen?», fragte Bezos 2019 bei einer Konferenz. «Tun Sie mir einen Gefallen, gehen Sie und leben Sie erst einmal ein Jahr auf dem Mount Everest und schauen Sie, ob Sie das mögen – denn das ist ein Paradiesgarten verglichen mit dem Mars.»

Ob Mars-Besiedlung oder nicht – auch Bezos ist das geschäftliche Potenzial der kommerziellen Raumfahrt bewusst, meint Wedbush-Analyst Ives. Schliesslich seien dort in naher Zukunft Billionensummen zu verdienen. Dafür müssten sich SpaceX und Blue Origin nun in Stellung bringen, sagt Ives. «Bezos und Musk wissen, dass der Gewinner in der Weltraumschlacht in den nächsten ein bis zwei Jahren gekrönt wird.»