«Bijou» soll weichen Haus leergekündigt – Zürcher Mieter kämpfen gegen Abriss

Samuel Walder

20.5.2026

Dieses Gebäude in Hottingen soll abgerissen werden.
Dieses Gebäude in Hottingen soll abgerissen werden.
Bild: Maps

Immer mehr Zürcherinnen und Zürcher verlieren ihre Wohnung wegen Abriss oder Totalsanierung. Ein aktueller Fall zeigt, wie sich Mieter in Hottingen gegen eine geplante Leerkündigung wehren.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In Zürich-Hottingen soll ein Wohnhaus aus den 1930er-Jahren abgerissen werden. Die zwölf Mietparteien müssen bis 2027 ausziehen.
  • Die Eigentümerin plant einen Neubau mit deutlich mehr Wohnfläche.
  • Leerkündigungen sind in Zürich verbreitet: Seit 2015 mussten rund 11’600 Wohnungen geräumt werden, viele wegen Abriss oder Totalsanierung.
  • Betroffene wehren sich gegen den Abbruch und hoffen auf Denkmalschutz.

Ein Haus in Zürich-Hottingen steht vor dem Abbruch. Die Liegenschaft an der Steinwiesstrasse 15 wurde 1935 gebaut und gilt für einige als «ein Bijou». Trotzdem will die neue Eigentümerin das Gebäude ersetzen, berichtet der «Tages Anzeiger». Die zwölf Mietparteien haben die Kündigung erhalten und müssen bis Ende März 2027 ausziehen.

Solche Fälle sind in Zürich keine Seltenheit. 2024 waren laut Statistik 1149 Wohnungen in 130 Gebäuden von Leerkündigungen betroffen. Zwei Drittel dieser Häuser wurden abgebrochen, ein Drittel totalsaniert. Zwischen 2015 und 2024 traf es insgesamt 11’614 Wohnungen – rund fünf Prozent des Bestands. Hochgerechnet entspricht das 22’0000 Betroffenen. Damit musste ungefähr jede zwanzigste Person in der Stadt Zürich ihre Wohnung verlassen.

Angebotsmieten um 25 Prozent gestiegen

Für viele sei die Situation schwieriger geworden, weil die Mieten gestiegen sind, heisst es beim «Tages Anzeiger». Laut Wüest Partner sind die Angebotsmieten seit 2015 um gut 25 Prozent gestiegen. Wer heute eine neue Wohnung sucht, muss deutlich mehr bezahlen. Entsprechend gross ist die Sorge: In einer Umfrage sagten 84 Prozent der Mietenden, Leerkündigungen bereiteten ihnen «grosse Sorgen».

Auch die Betroffenen in Hottingen wehren sich gegen die Kündigung. Sie halten den Abbruch für unnötig und wären bereit gewesen, für eine Renovation vorübergehend auszuziehen. Die Mieten im Haus liegen vergleichsweise tief – eine Dreizimmerwohnung kostet etwas über 2000 Franken. Im Quartier sei das kaum zu finden.

Neubau ermögliche mehr Wohnfläche

Die Eigentümerin argumentiert anders. Ein Neubau ermögliche mehr Wohnfläche – statt 800 könnten 1300 Quadratmeter realisiert werden. «Nur mit einem Ersatz können wir durch Verdichtung zur nachhaltigen Bodennutzung beitragen», sagt Philippe Rohr, CEO der Ledermann Immobilien AG gegenüber dem «Tages Anzeiger». Gleichzeitig räumt er ein: «Entmietungen» seien der unschönste Teil seines Jobs.

Politisch ist das Thema umstritten. Eine Initiative will solche Leerkündigungen stärker einschränken. Gegner warnen jedoch, dies würde Investitionen bremsen und die Verdichtung verhindern. «Die dringend benötigte Verdichtung kann so nicht stattfinden», sagt der CEO.

Für die Mietenden bleibt die Lage unsicher. Viele finden kaum bezahlbaren Ersatz, einige denken sogar über einen Wegzug nach. Tatsächlich verlassen rund 30 Prozent der Betroffenen die Stadt. Doch für die Betroffenen in Hottingen ist das keine echte Option – sie hoffen nun, dass der Denkmalschutz den Abbruch noch verhindern könnte.


Wohntraum im Öko-Mini-Haus

Wohntraum im Öko-Mini-Haus

In einem bretonischen Dorf bietet ein Verein Interessierten die Möglichkeit, kleine ökologische Häuser zu mieten. Der Strom kommt von Solarpaneelen, das Regenwasser wird aufgefangen.

27.05.2023