«Niemand hatte etwas geahnt» Migros entlässt aus dem Nichts weitere Mitarbeitende

Sven Ziegler

14.4.2026

Bei der Migros gehen weitere Stellen verloren. 
Bei der Migros gehen weitere Stellen verloren. 
KEYSTONE

Bei der Migros Supermarkt AG wurden am Dienstag 25 Personen in der Direktion Marketing und Kommunikation entlassen. Für die Betroffenen ein Schock: Noch Monate zuvor war ihnen versichert worden, dass kein Stellenabbau geplant sei.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Bei der Migros Supermarkt AG wurden am Dienstag 20 Vollzeitstellen in der Direktion Marketing und Kommunikation gestrichen – betroffen vom Stellenabbau sind 25 Personen. Die Betroffenen wurden am selben Tag informiert.
  • Monate zuvor war im Rahmen eines internen Projekts namens «Health Check» ausdrücklich kommuniziert worden, dass kein Stellenabbau geplant sei.
  • Die Migros betont, die Reorganisation sei unabhängig vom 2024 angekündigten Verschlankungsprozess – ob weiterer Stellenabbau folgt, lässt das Unternehmen offen.

Es war ein Dienstag wie jeder andere – bis um 8.30 Uhr die E-Mails mit den Einladungen zu Gesprächen verschickt wurden. Den ganzen Morgen über fanden bei der Migros Supermarkt AG Kündigungsgespräche statt, am Nachmittag wurde die restliche Belegschaft informiert: 20 Stellen in der Direktion Marketing und Kommunikation werden gestrichen – das bedeutet: 25 Personen erhalten die Kündigung. Das erfuhr blue News aus internen Quellen, die Migros bestätigt den Abbau auf Anfrage.

Was den Schock besonders gross macht: Die betroffenen Mitarbeitenden hatten keinen Hinweis auf das erhalten, was kam. Seit dem Spätsommer lief in der Marketingabteilung ein internes Projekt namens «Health Check» – eine Bestandsaufnahme zu Zusammenarbeit, Zuständigkeiten und Schnittstellen. Von Anfang an wurde laut einer mit der Sache vertrauten Person ausdrücklich kommuniziert, dass es sich dabei um keinen Vorboten einer Entlassungswelle handle.

«In den Monaten darauf folgten Mitarbeiterbefragungen und Workshops», erzählt die Person. Für den heutigen Dienstag war lediglich eine Information zum Stand des «Health Check»-Projekts angekündigt worden. Dass stattdessen 25 Kündigungen folgen würden, damit habe niemand gerechnet, heisst es aus dem Unternehmen. Zumal damit über 10 Prozent der gesamten Marketingabteilung entlassen werden.

Migros: Reorganisation unabhängig vom Verschlankungsprozess

Auf Anfrage von blue News bestätigt die Migros den Stellenabbau. Betroffen seien Bereiche der Direktion Marketing und Kommunikation, wo sich «die Anforderungen besonders stark verändern».

Die Reorganisation stehe nicht im Zusammenhang mit dem 2024 angekündigten Verschlankungsprozess: «Im Verlauf der operativen Tätigkeit hat sich gezeigt, dass in diesem Bereich weitergehende Anpassungen nötig sind», schreibt das Unternehmen. Die Betroffenen seien bereits informiert worden und erhielten Unterstützung durch die Personalabteilung sowie spezialisierte externe Partner.

Ob zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Stellenabbau folgt, lässt die Migros offen: Die Gruppe überprüfe ihre Strategie und Organisation «regelmässig» und passe sie «bei Bedarf» an. 

Migros im Dauerwandel

Die heutigen Entlassungen sind kein Einzelfall – sie reihen sich in eine längere Geschichte des Umbaus ein. Den Anfang machte im Februar 2024 ein Paukenschlag: Die Migros kündigte an, gleich mehrere Tochterunternehmen zu verkaufen – darunter die Reisetochter Hotelplan, die Kosmetiktochter Mibelle sowie Melectronics und SportX. Der Konzern wollte sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Die Folge: ein Abbau von bis zu 1500 Vollzeitstellen.

Wenige Monate später, im Mai 2024, erhielten die ersten 150 Mitarbeitenden am Hauptsitz am Zürcher Limmatplatz ihre Kündigung – darunter viele aus dem Marketing und dem Einkauf. Die neue Struktur der Migros Supermarkt AG trat per 1. Juli 2024 in Kraft.

Im Januar 2026 folgte der nächste Einschnitt: Der traditionsreiche Migros-Buchhändler Ex Libris schloss alle 15 verbleibenden Filialen. Rund 230 Mitarbeitende waren betroffen, das Online-Buchgeschäft wanderte zu Galaxus.

Erst Ende 2025 hatte Migros-Präsidentin Ursula Nold versprochen, die Kehrtwende einzuleiten: Bis 2029 sollen 140 neue Filialen eröffnet und jährlich 1000 neue Stellen geschaffen werden. Die heutigen 25 Kündigungen in Marketing und Kommunikation zeigen, dass der Umbau des Konzerns noch nicht abgeschlossen ist.