Experte über Bankenregulierung«Ein typisch schweizerischer Kompromiss»
SDA
22.4.2026 - 19:57
Für den Rechtsprofessor Peter V. Kunz kann die UBS mit dem Regulierungspaket des Bundesrates gut leben.
sda (Symbolbild)
Der Bundesrat hat Konsequenzen aus dem CS-Desaster gezogen und beschliesst strengere Regeln für Banken. Warum die UBS mit dem Paket gut leben könnte, erklärt der Rechtsprofessor Peter V. Kunz.
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Keystone-SDA, Redaktion blue News
22.04.2026, 19:57
22.04.2026, 20:01
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Der Bundesrat hat als Reaktion auf das CS-Desaster ein Regulierungspaket beschlossen, das Banken strengere Regeln auferlegt.
Systemrelevante Banken sollen Beteiligungen an ausländischen Töchtern vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegen müssen
Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Bern, bezeichnet das Paket als «typisch schweizerischen Kompromiss» und erklärt, warum die UBS mit den neuen Regeln gut leben könnte.
Die am Mittwoch vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen zur Bankenregulierung stuft Rechtsprofessor Peter V. Kunz als «typisch schweizerischen Kompromiss» ein, mit dem die UBS gut leben kann. Während die geplante vollständige Eigenkapitalunterlegung der Auslandstöchter vom Parlament noch abgeschwächt werden dürfte, sei der Bund der Grossbank bei der Eigenmittelverordnung bereits entgegengekommen, wie der Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Bern erklärt.
Herr Kunz, der Bundesrat hat Massnahmen zur Bankenregulierung vorgestellt und will vor allem, dass die UBS ihre Auslandstöchter vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegen muss. Zudem hat er die Pläne zur künftigen Eigenmittelverordnung präsentiert. Was bedeutet das für die Grossbank?
Peter. V. Kunz: Es handelt sich um einen typisch schweizerischen Kompromiss, der durchaus lebbar für die UBS sein sollte. Auch wenn die Bank selber das nicht so kommentiert. Der Bundesrat ist der UBS im Rahmen der Eigenmittelverordnung, was die Behandlung latenter Steuern und Software-Abschreibungen, entgegen gekommen.
Die UBS stört sich aber an der vollständigen Kapitalunterlegung ihrer Töchter im Ausland. Wird das für die Bank im internationalen Wettbewerb zum grossen Nachteil?
Peter. V. Kunz: Nein. Das US-Geschäft etwa wird zwar für die UBS teurer. Doch das Vermögensverwaltungsgeschäft wird von der stärkeren Kapitalunterlegung positiv beeinflusst, weil ein hohes Eigenkapital für die Bankkunden positiv wirken wird.
Nun geht die Vorlage ins Parlament. Womit rechnen Sie da?
Peter. V. Kunz: Für die UBS ist alles offen. Der Bundesrat gibt den «schwarzen Peter» an das Parlament weiter, das vermutlich die Eigenkapitalunterlegung der Auslandstöchter erheblich verwässern wird.
Wie stark wird diese Verwässerung sein?
Peter. V. Kunz: Ich bin davon überzeugt, dass sich die Parlamentarier nicht für eine volle Eigenkapitalunterlegung der Auslandstöchter entscheiden. Sie dürften sich für eine Verschärfung gegenüber den heute geltenden 45 Prozent einsetzen, aber sicherlich nicht für 100 Prozent. Schliesslich läuft die Lobby-Arbeit dazu seit drei Jahren intensiv und die UBS dürfte eine neue Lobby-Offensive starten.
Sollten die Regulierungsvorschläge aber wie geplant umgesetzt werden, würden sie den Schweizer Finanzplatz widerstandsfähiger machen?
Peter. V. Kunz: In der Theorie: ja. Aber sicher ist es nie, da niemand weiss, in welchen Bereichen die nächste Grosskrise ausbricht. Kommt hinzu, dass das Thema Eigenkapital nur ein Problem ist. Das Risikomanagement oder die Liquidität von Banken sind mindestens so heikle Themen. Diese werden mit der Revision nicht behandelt.
Gehen Sie davon aus, dass die UBS wegen der schärferen Kapitalregeln ihren Sitz aus der Schweiz etwa in die USA verlegen wird?
Peter. V. Kunz: Nein, das war und ist nie ein realistisches Szenario. Gerade UBS-Kunden aus Asien und Südamerika schätzen es, dass es sich um eine Schweizer Bank und nicht um eine US-Bank handelt. Sollten in drei Jahren die Demokraten wieder das Präsidium in den USA übernehmen, dürften die Bankenregulierungen erheblich verschärft werden. Warum sollte die UBS ein solches «US-Risiko» eingehen. Die Sitzverlegung war immer bloss eine Drohkulisse.