Schweiz hat die höchste Millionärs-Dichte weltweit

Christiane Oelrich/dpa/phi

27.7.2021

Schweiz boomt als Tummelplatz der Reichen. Und der M-Club wächst und wächst – auch wegen Corona. Reiche Chinesen und Araber tragen weniger dazu bei; Italiener, Deutsche und Briten dafür mehr.

Christiane Oelrich/dpa/phi

27.7.2021

Seit Jahrzehnten ziehen Superreiche aus aller Welt in die Schweiz: Banken, Diskretion, Sicherheit und atemberaubende Natur sind einige Gründe dafür. Die Corona-Pandemie beflügelt nun den Run: «Die Pandemie löste einen Nachfrage-Boom nach Luxus-Immobilien aus», berichtet UBS.

Die höchsten Quadratmeterpreise werden in der Gemeinde Cologny bei Genf erzielt. Dort kostet ein einziger Quadratmeter so viel wie in manchen Gemeinden eine ganze Wohnung, staunt die deutsche Nachrichtenagentur »dpa»: etwa 35'000 Franken.

A Sotheby's employee displays a diamond and pearl tiara passed down through generations of the Italian royal family, during a preview at the Sotheby's, in Geneva, Switzerland, Thursday, May 06, 2021. It is estimated to sell between 1,000,000 - 1,500,000 US Dollars.The auction will take place in Geneva, on May 11, 2021. (KEYSTONE/Martial Trezzini)
Hier ist der Reiche noch König – das Symbolbild vom Mai 2021 zeigt teuren italienischen Kopfschmuck bei Sotheby's in Genf.
KEYSTONE

Corona habe die Sehnsucht vieler nach einem sicheren Hafen verstärkt, glauben UBS-Analysten: «Das Risiko höherer Steuern für Top-Verdiener [ist] – anders als mancherorts im Ausland – dank stabiler fiskalischer Position überschaubar.»

In der Schweiz liegt die Schulden-Quote bei 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In Deutschland sind es rund 70 Prozent, in anderen Ländern, etwa Frankreich, sind es sogar mehr als 100 Prozent.

Beliebt bei gut betuchten Deutschen

Viele Betuchte mit deutschen Wurzeln geniessen bereits die Vorzüge der Schweiz: etwa der Hamburger Unternehmer Klaus-Michael Kühne vom Logistikkonzern Kühne + Nagel. Die Zeitschrift Bilanz führt unter anderem ihn, aber auch die Erben der mit Kaffeehandel in Deutschland gross gewordenen Jacobs-Familie, die eine Beteiligungsgesellschaft in Zürich führen, mit zweistelligen Milliardenbeträgen auf der Liste der reichsten Deutschen.

epa04591089 Klaus-Michael Kuehne, majority shareholder of logistics company Kuehne+Nagel and grandchild of the company's founder, attends the celebrations for the company's 125th anniversary in Bremen, Germany, 28 January 2015. Founded in 1890 in Bremen, the logistics company operates global these days and employs some 63,000 people.  EPA/INGO WAGNER
Klaus-Michael Kühne lebt seit 1975 in der Schweiz. Der Hamburger hat sich mit seinem Logistik-Unternehmen Kühne + Nagel verkehrsstrategisch günstig in Schindellegi SZ niedergelassen.
EPA

Die Familie Liebherr des Baumaschinenherstellers gehört nach dieser Liste ebenso dazu wie die Industriellenfamilie von Finck, der Molkerei-Unternehmer Theo Müller und die Nachkommen von Franz Ströher, dem Gründer des Wella-Haarpflege-Unternehmens.

Die Bank Credit Suisse schätzt, dass 2020 fast jeder sechste Einwohner (14,9 Prozent) zum Millionärsclub gehörte. Auch wenn das grosszügig geschätzt ist: Die Gesamtzahl dürfte an der Millionengrenze liegen. Abgesehen von Kleinststaaten wie Monaco kommt kein anderes Land der Welt auf so eine Millionärsdichte.

Auch die Milliardäre sind keine ganz kleine Truppe: 135 haben so viel Geld auf der hohen Kante, wie die Zeitschrift Bilanz schätzt. Gerechnet wird in Dollar – ein Franken entspricht aktuell rund 1.09 Dollar oder 0.92 Euro.

«Kuhhandel mit dem Kanton»

Nun kommen neue Millionäre ins Land. Rechtsanwalt Enzo Caputo, der ausländischen Kunden zum Leben in der Schweiz verhilft, spricht von 25 Prozent Nachfragezuwachs. «Ich habe auch aus Deutschland regen Zuwachs verzeichnet», sagt er. Andere Anwälte sprechen sogar von bis zu 40 Prozent mehr Anfragen.

Nachprüfen lässt sich das nicht, Diskretion ist oberstes Gebot.

Aktivisten verschiedener eingeschriebener Parteien werben mit Plakaten im Namen eines Komitees
Helvetia verführt mit geringen Abgaben: Das Bild ist vom 30. Oktober 2014, als Aktivisten für ein «Ja zur Abschaffung der Pauschalsteuer» werben – erfolglos, wie sich später zeigen wird.
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«Ich mache eine Art Kuhhandel mit dem Kanton, ich handele Verträge aus über eine Pauschalbesteuerung», sagt Caputo der dpa. Zugezogene müssen ihren Reichtum gar nicht deklarieren. Das Paket von Pauschalsteuer und Aufenthaltsbewilligung war im Kanton Jura nach Angaben des Senders RTS für einen ledigen Nichteuropäer für 145'000 Franken im Jahr zu haben.

Auch ohne solche Deals: Die Einkommenssteuer ist je nach Kanton mit rund 22 Prozent teils nur halb so hoch wie in vielen anderen Ländern. Den Umzug bahnten Superreiche langfristig an, sagt Caputo. «Erst wird das Vermögen bei einer Schweizer Bank mit gutem Vermögensverwalter untergebracht. Dann kommt die Familie, dann das Familienoberhaupt.»

«Hochpreisige Wohnungen aus den Händen gerissen»

Nach Analysen der Boston Consulting Group liegt in keinem Land der Welt so viel Vermögen von Ausländern, die nicht im Land wohnen: 2,4 Billionen Dollar (2,2 Billionen Franken). Das ist ein Viertel sämtlicher Auslandsvermögen, mehr als in Hongkong und Singapur.

Einen Boom erleben auch Immobilienmakler: «Besonders im Luxusbereich ist die Nachfrage seit Sommer 2020 enorm gestiegen», sagt Franko Giovanoli, der bei der Firma Ginesta für St. Moritz und Umgebung zuständig ist. «Man hat uns die hochpreisigen Wohnungen aus den Händen gerissen.» Die Menschen suchten sichere Anlagen für ihr Geld.

Luxus am White Turf St. Moritz am Sonntag 19. Februar 2017.
St. Moritz – ein sicherer Wert für Reiche. Ein Bild vom White Turf im Februar 2017.
Bild: KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Reiche Chinesen, Inder oder Araber spielten keine grosse Rolle, eher Interessenten aus Deutschland, Italien und Grossbritannien. «Hochpreisig», das sind bei Giovanoli Anwesen für zweistellige Millionenbeträge. Deutsche seien eher im «mittleren Segment» unterwegs. Bescheidenere Ferienwohnungen, etwa mit dreieinhalb Zimmern, gebe es auch schon für 1 bis 2 Millionen Franken.

Fazit der UBS-Ökonomin Katharina Hofer: «Wer auf globalen Luxusmärkten nach einem Ort mit stabilen Institutionen und etablierten Luxusstandorten sucht, dürfte die Schweiz vermehrt ins Auge fassen.»