Wirbel um Trump-Besuch Haben Schweizer Unternehmer mehr gewusst als erlaubt?

Sven Ziegler

21.11.2025

Welche Rolle spielte diese Runde beim Zoll-Deal mit Trump? 
Welche Rolle spielte diese Runde beim Zoll-Deal mit Trump? 
KEYSTONE

Im Zollstreit zwischen der Schweiz und den USA sorgt eine Aussage von alt Botschafter Thomas Borer für neue Diskussionen. Er deutete an, Schweizer Wirtschaftsführer hätten im Vorfeld ihres Treffens mit US-Präsident Donald Trump einen Vertragsentwurf gekannt.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Aussagen von alt Botschafter Thomas Borer zu angeblichen Vertragskenntnissen sorgen für politische Irritationen.
  • Das Departement von Wirtschaftsminister Guy Parmelin bestreitet, vertrauliche Unterlagen an Firmenchefs weitergegeben zu haben.
  • Mehrere Parteien verlangen Aufklärung über den Informationsfluss rund um das Treffen im Oval Office.

Im Zusammenhang mit dem Zollkonflikt zwischen der Schweiz und den USA rückt ein Besuch Schweizer Wirtschaftsführer im Oval Office erneut in den Fokus. Anlass dafür ist eine Aussage des ehemaligen Diplomaten Thomas Borer in der SRF-Sendung «Club».

Dort sagte er, die anwesenden Unternehmer hätten Donald Trump den «Entwurf des Vertrags präsentiert». Weil die Gespräche in «engster Absprache» mit dem Wirtschaftsdepartement stattgefunden hätten, stellt sich für mehrere Parteien nun die Frage, wie weit der Informationsfluss vor dem Treffen tatsächlich ging. Das berichtet der «Tages-Anzeiger».

Politikerinnen und Politiker wollen klären, ob die Delegation im Vorfeld Einblick in vertrauliche Verhandlungsdokumente erhalten hat. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer fordert «volle Transparenz» und verlangt im Nationalrat, dass die Geschäftsprüfungskommission rasch aufgezeigt bekommt, «wer was wusste und welchen Einfluss private Akteure hatten». Sie warnt vor einem möglichen Interessenkonflikt, falls einzelne Wirtschaftsvertreter besser informiert gewesen sein sollten als das Parlament.

Vorgang wurde auch in der Kommission thematisiert

Wenige Tage zuvor hatte SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin in einem Interview betont, die Firmenleitungen hätten «kein einziges geheimes Dokument gesehen» und zu keinem Zeitpunkt mehr gewusst als die parlamentarischen Kommissionen.

Sein Departement hält auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» fest, dass die Unternehmer vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ein «allgemeines Briefing» erhalten hätten – jedoch ohne vertrauliche Details. Den Vertragstext, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war, habe in der Delegation jedoch niemand sehen können.

In der Gruppe, die Trump Anfang November empfing, waren mehrere prominente Wirtschaftsführer vertreten, darunter Alfred Gantner von der Partners Group, Johann Rupert von Richemont und Jean-Frédéric Dufour von Rolex. Der Besuch hatte dem festgefahrenen Zollstreit neuen Schub verliehen. Kurz darauf gab der Bundesrat bekannt, dass mit den USA eine grundsätzliche Einigung erzielt worden sei.

Thomas Borer relativiert Aussagen

Während das Wirtschaftsdepartement die Darstellung klar zurückweist, relativierte Borer seine Aussagen noch während der Fernsehsendung – und später gegenüber dem «Tages-Anzeiger» komplett: Die Unternehmer hätten Trump keinen Vertragsentwurf präsentiert. Er selbst habe zudem keinerlei Mandat gehabt und lediglich «mit einigen Kontakten in Washington ausgeholfen».

Am Zoll-Deal mit den USA gibt es denn auch immer wieder Kritik, zuletzt von prominenter Seite. Nick Hayek, der Konzernchef der Swatch Group, hat Kritik am Zoll-Deal geübt. Hayek äussert die Befürchtung, dass Washington weitere Forderungen stellen könnte.