Neue Studie zeigt Schweizer Senioren geht es finanziell sehr gut, doch eine Sorge teilen viele

Sven Ziegler

27.11.2025

Senioren sind finanziell gut aufgestellt. 
Senioren sind finanziell gut aufgestellt. 
Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die neue Swiss-Life-Studie «Vorsorge-Panorama 2025» zeigt ein widersprüchliches Bild: Die Mehrheit der Erwerbstätigen spart regelmässig, aber kaum jemand ist überzeugt, den eigenen Lebensstandard im Alter halten zu können.

Sven Ziegler

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  • 62 Prozent der Erwerbstätigen können Geld auf die Seite legen – aber nur 42 Prozent erwarten, im Alter ihren Lebensstandard zu halten.
  • 58 Prozent halten ihr Finanzwissen für gut, tatsächlich bestehen jedoch grosse Wissenslücken; nur 11 Prozent können alle vorgelegten Vorsorgebegriffe erklären.
  • Höhere Krankenkassenprämien und die Teuerung belasten viele Haushalte: 38 Prozent berichten von einer Verschlechterung ihrer finanziellen Lage.

Die Schweiz spart – aber sie zweifelt. Das zeigt die aktuelle Swiss-Life-Studie «Vorsorge-Panorama 2025». Sie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 3500 Personen zwischen 18 und 80 Jahren sowie offiziellen Statistiken. Das Bild ist eindeutig: Trotz vergleichsweise guter finanzieller Voraussetzungen wächst die Unsicherheit über die eigene Zukunft.

Zwar geben 62 Prozent der Erwerbstätigen an, regelmässig Geld zur Seite legen zu können. Doch wenn es um die Frage geht, wie sicher ihre finanzielle Zukunft aussieht, bröckelt das Vertrauen: Nur 42 Prozent glauben, dass sie ihren Lebensstandard im Alter halten können.

Mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) sagt, die eigene finanzielle Situation habe sich in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. Die Gründe sind klar: steigende Krankenkassenprämien, höhere Mieten und der allgemeine Preisanstieg. Besonders betroffen sind jüngere Haushalte und Familien mit mittleren Einkommen, die laut Studie zunehmend an ihre Grenzen kommen.

Senioren sind zufrieden mit ihrem Leben

Knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung sagt, sie komme «leicht» oder «sehr leicht» über die Runden. Gleichzeitig geben 24 Prozent an, Mühe zu haben, finanziell zurechtzukommen – ein Anteil, der trotz Wohlstand seit Jahren konstant bleibt und zeigt, wie stark die Haushalte auseinanderdriften.

Während 62 Prozent sparen können, sorgen sich viele über die wachsende Lücke zwischen Einkommen, Lebenshaltungskosten und den erwarteten Rentenleistungen. Nur 29 Prozent der Befragten trauen der ersten und zweiten Säule zu, sie im Alter ausreichend zu versorgen. Die Angst vor einer realen Vorsorgelücke nimmt weiter zu.

Ganz anders präsentiert sich die Lage bei den Rentnerinnen und Rentnern: Eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent sagt, sie hätten rückblickend ihren Lebensstandard im Ruhestand wahren können. Am zufriedensten sind Rentnerpaare: 72 Prozent von ihnen zeigen sich mit ihrer finanziellen Lage zufrieden – deutlich häufiger als andere Bevölkerungsgruppen. Am anderen Ende der Skala stehen Alleinerziehende im Erwerbsalter: Nur 32 Prozent von ihnen sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden.

Ein weiterer Befund sticht hervor: 58 Prozent schätzen ihr Finanzwissen als «gut» oder «sehr gut» ein, doch der Realitätstest fällt ernüchternd aus. Nur 11 Prozent können die wichtigsten Vorsorgebegriffe korrekt erklären – darunter Umwandlungssatz, koordinierter Lohn oder Säule 3a. Laut Studie überschätzen viele ihr Wissen deutlich, was zu Fehlentscheidungen führen kann.

Finanzielle Unsicherheit bleibt weiter bestehen

Frauen blicken deutlich skeptischer in ihre finanzielle Zukunft. Nur 35 Prozent glauben, im Alter genug zu haben (Männer: 48 Prozent). Zudem sparen Frauen seltener regelmässig – eine Folge tieferer Löhne, häufiger Teilzeit und mehr Care-Arbeit.

Besonders klar wird die Zweiteilung im Blick auf die über 65-Jährigen. Einerseits berichten rund 80 Prozent der 65- bis 80-Jährigen von hoher Lebenszufriedenheit. Zwei von drei Seniorinnen und Senioren haben im vergangenen Jahr eine Reise unternommen, meist in der Schweiz oder Europa. Auch sozial stehen sie stabil da: 95 Prozent nennen mindestens eine Vertrauensperson, 61 Prozent stützen sich vor allem auf ihren Ehe- oder Lebenspartner.

Andererseits bleibt die finanzielle Unsicherheit bestehen – selbst im Ruhestand. Nur 32 Prozent der bereits pensionierten Befragten sind überzeugt, im Alter ausreichend abgesichert zu sein. Trotz guter Alltagsbewältigung sorgen steigende Gesundheitskosten und das Risiko, dass das Ersparte nicht ausreicht, für anhaltende Zweifel.

Seniorinnen und Senioren sind also häufig zufrieden – aber keineswegs sorglos.