Niemand will Einheits-BankomatSchweizer Banken wollen Bargeld-Bezug nicht einfacher machen
SDA
28.5.2026 - 14:21
Banken wollen weiterhin eigene anstelle von gemeinsamen Bankomaten anbieten.
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In der Schweiz geht die Bargeldnutzung zurück, und es braucht immer weniger Bancomaten. Der Bund und die Nationalbank wünschen sich ein schweizweites Netz, um die Bargeldversorgung zu gewährleisten. Doch Kooperationen haben es schwer.
Keystone-SDA
28.05.2026, 14:21
28.05.2026, 16:01
SDA
Im November luden die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) in der Sache zu einem Runden Tisch. Danach hiess es von der Börsenbetreiberin SIX, man werde mit der Post prüfen, ob ein gemeinsames Pooling für den schweizweiten Betrieb von Geldautomaten sinnvoll sei.
Doch die Diskussionen sind im Sande verlaufen. Das Projekt werde derzeit nicht weiterverfolgt, heisst es vonseiten der SIX.
Auf eigene Faust
Sowohl die Post als auch die SIX positionieren sich somit weiterhin jeweils als Bargeld-Dienstleisterin für die Schweiz. Von der Post heisst es, mit ihren Filialen und den rund 740 Postomaten sorge der Staatsbetrieb bereits für eine hohe Verfügbarkeit für den Bezug von Bargeld. Und für eine weitere «Stärkung» des Netzes setze man auf Kooperationsmodelle.
Bisher läuft jedoch nur ein einziges Pilotprojekt mit der Thurgauer Kantonalbank (TKB): Ende September 2025 wurde ein gemeinsamer Geldautomat in Güttingen in Betrieb genommen, den die Post verantwortet und an dem Kundinnen und Kunden der Kantonalbank und der Postfinance gebührenfrei Bargeld abheben können. Das Pilotprojekt soll Erkenntnisse für eine mögliche weitere Zusammenarbeit liefern, sagt Post-Mediensprecher Stefan Dauner zur Nachrichtenagentur AWP.
Auch die SIX zieht ihr eigenes Ding durch: Sie sieht sich weiterhin in der Poleposition, ein schweizweites Netz zu verantworten. Denn die hiesigen Geldautomaten sind – ausser jene der Postfinance – bereits heute mit der Software der Börsenbetreiberin ausgerüstet. Das betrifft über 4500 Geräte.
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Die SIX will zum einen den Betrieb der Geldautomaten für die Banken übernehmen. Die grössere Vision ist jedoch das sogenannte Bancomat-Pooling: Langfristig soll es weniger und gemeinsame, dafür besser ausgelastete Automaten geben. Laut einer früheren Studie der SIX würden schweizweit rund 2200 Bancomaten genügen, um die Nachfrage zu decken. Heute gibt es in der Schweiz immer noch rund 6000 Geldautomaten.
Bei ihren Plänen will die SIX auf der bestehenden Infrastruktur aufbauen: Alle Banken können sich individuell dem Pooling anschliessen. «Damit geht die Schweiz einen anderen Weg als Länder wie Schweden, Belgien oder die Niederlande», sagt SIX-Manager Beat Glauser zu AWP. Dort wurde das Geldautomaten-Netz «auf einem weissen Blatt Papier neu geplant». Schweden war eines der ersten Länder mit zentralisiertem Bargeldnetz: Die Banken gründeten gemeinsame ATM-Gesellschaften, reduzierten ihre eigenen Automaten und verlagerten den Betrieb auf gemeinsame neutrale Geräte.
Alte Geräte abzubauen und gemeinsame neue Standorte zu definieren, erfordert allerdings hohe Investitionen. Und es gibt in der Schweiz – im Gegensatz zu anderen Ländern – keinen staatlichen Zwang. «Viele Schweizer Banken sind noch nicht so weit, ihre Automaten aufzugeben, und wollen weiterhin sichtbar bleiben», sagt Glauser.
Schleppende Entwicklung
Das zeigen auch die Zahlen: Die SIX betreibt aktuell rund 50 Geldautomaten für Dritte, davon sind rund 30 im Pooling-Modell integriert. Fünf Banken wie etwa die Urner Kantonalbank (UKB) und die Baloise Bank seien dabei, und mit weiteren Finanzinstituten sei man im Gespräch, sagt Glauser.
An den Pooling-Automaten können die Kunden der verschiedenen Banken neben Auszahlungen auch Geld einzahlen und den Kontostand abfragen. Die Höhe der Gebühren für die Endkunden legt jede Bank selbst fest. Glauser feierte erst jüngst auf der Plattform «LinkedIn», dass ein Kunde einer Bank zum ersten Mal eine Einzahlung an einem bankfremden ATM der SIX durchgeführt habe. Diese Funktion zwischen zwei unabhängigen Finanzinstituten sei seit Anfang 2026 möglich.
Diese Art Pooling lohnt sich erst, wenn viele Banken mitmachen. Dann kann der Betreiber von den Skaleneffekten und die Kunden können von den geteilten Kosten profitieren. Ein Automat verursacht jährlich Betriebskosten von rund 30'000 Franken. Die wirtschaftliche Logik hinter der Konsolidierung ist damit offensichtlich.
Langfristig rechnet die SIX damit, dass die Banken freiwillig gemeinsame Automaten nutzen werden, weil sich die Einzelstandorte wirtschaftlich nicht mehr rechnen.
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