Zuversicht für 2026 Schweizer blicken optimistisch auf ihre Finanzen – eine Gruppe überrascht besonders

Sven Ziegler

23.12.2025

Schweizerinnen und Schweizer sind optimistisch für das kommende Jahr. (Symbolbild)
Schweizerinnen und Schweizer sind optimistisch für das kommende Jahr. (Symbolbild)
KEYSTONE

Die Schweizerinnen und Schweizer blicken etwas zuversichtlicher auf ihre finanzielle Zukunft. Wer für 2026 mit mehr Geld rechnet, setzt dabei vor allem auf sich selbst – nicht auf politische Entlastungen.

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Keystone-SDA, Sven Ziegler

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  • 27 Prozent der Schweizer Bevölkerung erwarten für 2026 eine Verbesserung ihrer finanziellen Lage.
  • Die Hoffnung stützt sich vor allem auf höhere Löhne, Boni oder einen besser bezahlten Job.
  • Besonders junge Erwachsene zeigen sich optimistisch, ältere Generationen deutlich zurückhaltender.

Die finanzielle Stimmung in der Schweiz hellt sich leicht auf. Laut einer repräsentativen Umfrage von comparis.ch rechnen 27 Prozent der Bevölkerung damit, dass sich ihre finanzielle Situation im Jahr 2026 verbessern wird. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch ein Jahr zuvor.

Gleichzeitig ist der Anteil jener Personen gesunken, die eine Verschlechterung erwarten: von 27 Prozent auf aktuell 24 Prozent. Rund die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass sich an ihrer finanziellen Lage im kommenden Jahr kaum etwas ändern wird.

«Mehr Leute hoffen auf Besserung. Die Grundhaltung bleibt aber zurückhaltend», sagt Comparis-Finanzexperte Michael Kuhn. Insgesamt dominiere weiterhin die Erwartung von Stabilität.

Hoffnung auf mehr Einkommen

Auffällig ist, worauf sich der Optimismus stützt. Wer für 2026 bessere Finanzen erwartet, setzt vor allem auf das eigene Erwerbsleben. 31 Prozent der Optimistinnen und Optimisten hoffen auf einen höheren Bonus oder eine Lohnerhöhung – entweder bei sich selbst oder beim Partner. Weitere 28 Prozent rechnen mit einem besser bezahlten Job, etwa durch einen Stellenwechsel oder eine Beförderung.

Andere Faktoren spielen eine deutlich geringere Rolle. Kaum jemand erwartet spürbare Entlastungen durch politische Massnahmen oder sinkende Lebenshaltungskosten. «Der finanzielle Optimismus beruht vor allem auf individuellen Einkommenshoffnungen und weniger auf staatlichen Entlastungen», sagt Kuhn. Das zeige Vertrauen in den Arbeitsmarkt – aber auch geringe Erwartungen an strukturelle Entlastungen.

Junge deutlich optimistischer

Besonders zuversichtlich zeigen sich junge Erwachsene. In der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen erwarten 45 Prozent eine Verbesserung ihrer finanziellen Lage im Jahr 2026. Bei den 36- bis 55-Jährigen sind es noch 23 Prozent, bei den über 56-Jährigen lediglich 11 Prozent.

Dass ältere Menschen deutlich vorsichtiger urteilen, überrascht Kuhn nicht. «Junge Personen stehen oft am Anfang ihrer Karriere. Sie rechnen mit Aufstieg, Lohnerhöhungen und neuen Chancen», sagt er. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, langfristige Herausforderungen – etwa bei der Altersvorsorge – zu unterschätzen.

Nüchterner Blick bei Älteren

Ältere Erwerbstätige und Pensionierte beurteilen ihre finanzielle Zukunft deutlich realistischer. Ihre Einkommen steigen kaum noch, während fixe Ausgaben hoch bleiben. Dazu zählen vor allem Krankenkassenprämien und Wohnkosten.

«Ältere Personen wissen relativ genau, welche Einnahmen sie künftig haben werden», erklärt Kuhn. Das führe zu weniger Optimismus, aber oft zu einer sachlicheren Einschätzung der eigenen Lage – auch wenn Pensionierte ab 2026 erstmals von einer 13. AHV-Rente profitieren.

Neben dem Alter beeinflussen weitere Faktoren die Erwartungen. So rechnen 33 Prozent der Haushalte mit einem Monatseinkommen über 8’000 Franken mit einer Verbesserung ihrer finanziellen Lage. Bei Einkommen bis 4’000 Franken sind es nur 20 Prozent.

Auch der Bildungsstand spielt eine Rolle: Personen mit höherer Ausbildung blicken häufiger optimistisch in die Zukunft. Zudem zeigen sich Stadtbewohnerinnen und -bewohner zuversichtlicher als Menschen in Agglomerationen oder ländlichen Regionen – trotz hoher Wohnkosten.

Fixkosten dämpfen die Zuversicht

Wer für 2026 mit einer Verschlechterung rechnet, nennt klare Gründe. Rund drei Viertel der Pessimisten führen steigende Krankenkassenprämien an. Knapp ein Drittel sorgt sich um höhere Mieten oder steigende Hypothekarzinsen.

«Steigende Fixkosten bleiben der grösste Unsicherheitsfaktor», sagt Kuhn. Sie schränkten den finanziellen Spielraum vieler Haushalte zunehmend ein.

Die Umfrage wurde im November 2025 vom Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von comparis.ch unter 1’039 erwachsenen Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.