KonjunkturSchweizer Wirtschaft schrumpft wegen US-Zöllen deutlich
SDA
17.11.2025 - 09:31
Die im August von US-Präsident Donald Trump auferlegten Importzölle von 39 Prozent für die Schweiz sorgten für grosse Verunsicherung in breiten Kreisen der Wirtschaft. (Archivbild)
Keystone
Der Zollhammer von US-Präsident Donald Trump hat die Schweizer Wirtschaft empfindlich getroffen. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im dritten Quartal auf bereinigter Basis mit -0,5 Prozent überraschend deutlich geschrumpft.
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17.11.2025, 09:31
17.11.2025, 11:30
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Dies geht aus der am Montag publizierten Erstschätzung des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco) hervor. Vor allem das chemisch-pharmazeutische Gewerbe habe im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal einen deutlichen Rückgang verbucht, heisst es in dem Communiqué. Während die Industrie insgesamt eine negative Entwicklung verzeichnet habe, sei der Dienstleistungssektor nur unterdurchschnittlich gewachsen.
Zur Erinnerung: Mitten im dritten Quartal, am 1. August, hatte Trump der Schweiz Importzölle von 39 Prozent auferlegt – notabene einer der höchsten Werte überhaupt. Die Entscheidung war ein Schock und sorgte für grosse Verunsicherung in breiten Kreisen der hiesigen Wirtschaft, vor allem aber bei stark exportabhängigen Branchen. Die ersten Auswirkungen bzw. Bremsspuren waren etwa in stark rückläufigen Exportzahlen der Uhren- oder Tech-Branche denn auch schnell sichtbar.
Schwächer als erwartet
Die wirtschaftliche Entwicklung ist damit deutlich schlechter ausgefallen als von Ökonomen erwartet. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP reicht die Bandbreite von -0,3 Prozent bis +0,2 Prozent.
Damit setzt sich die Verlangsamung in der Schweizer Wirtschaft mit beschleunigtem Tempo fort. Bereits im zweiten Quartal war das Wachstum auf magere 0,2 Prozent geschrumpft, nachdem im ersten Jahresviertel noch ein Plus von 0,8 Prozent zu Buche gestanden hatte.
Der Ökonom Valentino Guggia von der Migros Bank zeigt sich in einer ersten Einschätzung besonders vom Rückgang bei der chemisch-pharmazeutischen Industrie erstaunt, da diese nicht von den US-Zöllen betroffen sei. «Offenbar setzt die generell schwache Globalnachfrage und der starke Franken dem Sektor stärker zu als erwartet», meinte er. Darüber hinaus setze sich die Krise in der bereits vor den US-Zöllen angeschlagenen übrigen Industrie fort. Aus dieser Sicht gebe das Zollabkommen mit den Vereinigten Staaten Hoffnung auf den notwendigen Auftrieb, für die kommenden Quartale erwarte er aber dennoch eine schwierige Situation und höchstenfalls eine marginale Konjunkturbeschleunigung.
Für Claude Maurer, Chefökonom beim Wirtschaftsinstitut BAK Economics, hat das aktuelle Konjunkturbild etwas von einer Spaghetti-Pfanne von oben: «Alles zeigt in eine andere Richtung und liegt wirr durcheinander». Durch die Spaghetti hindurch zeige sich indes das Bild einer Wirtschaft, in der einzelne Branchen klar unter den Zöllen litten, ein Teil der Effekte aber temporär durch Lageraufstockungen abgefedert worden sei. Mit dem am Freitag verkündeten Zoll-Deal sollten diese Belastungen etwas zurückgehen.
Deutlich negativer bei Corona
Letztmals negativ war das BIP gemäss den Seco-Zahlen im ersten Quartal 2024 mit -0,1 Prozent bzw. im zweiten Quartal 2023 mit -0,3 Prozent. Massiv stärker war der Einbruch derweil im Lockdown der ersten Corona-Phase. Damals – also im zweiten Quartal 2020 – sackte das BIP um 6,4 Prozent ab, nachdem schon das erster Jahresviertel (-1,1%) klar negativ gewesen war.
Die aktuellen Daten basieren auf einer Schnellschätzung des Seco. Noch unvollständig verfügbare Grunddaten werden dabei mit prognostizierten Werten ergänzt. Die später verfügbaren vollständigen und aktualisierten Daten könnten das Ergebnis noch verändern. Die offizielle Schätzung zum dritten Quartal werden am 28. November publiziert.
Wadephul: China signalisiert Entgegenkommen bei Seltenen Erden
STORY: Bundesaussenminister Johann Wadephul hat bei seinem nachgeholten Besuch in Peking nach eigenen Angaben in Wirtschaftsfragen Fortschritte verbuchen können. Unter anderem äusserte er sich dort am Montag zum Thema Versorgung Deutschlands und Europas mit den Seltenen Erden. O-Ton Johann Wadephul (CDU), Bundesaussenminister: «Es ist gut, dass so ein substanzieller Kontakt stattfinden kann. Es waren heute offene und intensive Gespräche; Gespräche, die dazu da sind, immer wieder auszuloten, wie man gerade bei schwierigen Fragen vorankommen kann. Wir haben gute, konstruktive Gespräche geführt.»://: «Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein. Wir hören, dass die chinesische Seite durchaus Verständnis hierfür hat. Wir wissen, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen. Aber unsere chinesischen Gesprächspartner wissen auch, dass die Europäische Kommission die Wettbewerbsbedingungen genau beobachtet und sich auch immer vorbehalten muss, selbst aktiv zu werden.»://: «Es ist gut zu hören, dass dies auch im chinesischen Interesse ist. Man will einander ein verlässlicher Handelspartner und ein verlässlicher Wirtschaftspartner sein und auch als ein solcher gelten. Und es ist auch gut, von chinesischer Seite zu hören, dass man sich besonderen Engpässen auf deutscher und europäischer Seite mit besonderer Priorität widmen will.»://: «China hat versichert, dass man sehr konstruktiv an die Prüfung dieser Anträge herangehen wird und dass es keinerlei Bestrebungen gibt, gerade deutsche Unternehmen hier mit grösseren Problemen zu belasten. Das halte ich für eine gute Zusage und ermutige jetzt die deutsche Wirtschaft, hier jetzt konkret in die Beantragung hineinzugehen.»://: «Wir wollen Handelsbarrieren abbauen, aber das setzt voraus, dass auch China hier Massnahmen ergreift, die die Effekte der Überproduktion in Europa nicht zu stark werden lassen.» Bei Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe er hingegen keine nennenswerten Zugeständnisse der chinesischen Führung erhalten.
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