Folgen für AlleÄltere haben Wohnraum im Überfluss – die Jungen zahlen den Preis
Sven Ziegler
13.4.2026
Senioren geben ihre Häuser nicht frei – obwohl sie den Wohnraum nicht mehr benötigen. (Symbolbild)
IMAGO/Westend61
Viele ältere Menschen geben ihr Haus oder ihre grosse Wohnung nur ungern auf. Ein neuer Wohnreport von Helvetia und Sotomo zeigt nun, welche Folgen diese Zurückhaltung für den ganzen Wohnungsmarkt hat.
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Der neue Wohnreport von Helvetia zeigt nun auf, was diese Zurückhaltung für die Verteilung des knappen Wohnraums bedeutet. Die Kernaussage ist deutlich. Die Generation der 55- bis 74-Jährigen ist für den Wohnungsmarkt wichtiger geworden, als oft angenommen wird. Zwar ziehen weiterhin vor allem Jüngere um. Doch wenn Menschen dieser Altersgruppe ihre Wohnsituation verändern, hat das gemäss Report besonders spürbare Folgen, weil dadurch grössere Wohnungen mit mehr Zimmern auf den Markt kommen.
Familien profitieren, wenn Best Ager zügeln
Genau hier wird der Engpass sichtbar. Laut Studie werden Wohnungen, die von Best Agern freigemacht werden, nachher viel häufiger von Familien bewohnt. Vor dem Umzug dieser Altersgruppe wurden nur rund 12 Prozent dieser Wohnungen von Familien genutzt, danach sind es 36 Prozent. Für Michael Hermann von Sotomo ist klar: «Damit leisten zusätzliche Umzüge dieser Altersgruppe einen wichtigen Beitrag, bestehenden Wohnraum über den gesamten Zyklus von Lebensphasen hinweg effizienter zu verteilen.»
Das lässt sich auch umgekehrt lesen. Wenn ältere Eigentümerinnen, Eigentümer oder langjährige Mietparteien in grossen Objekten bleiben, obwohl sich ihr Platzbedarf längst verändert hat, bleibt Wohnraum gebunden, der für jüngere Haushalte deutlich besser geeignet wäre. Gerade in Zeiten chronischer Knappheit ist das mehr als eine private Wohnentscheidung. Es ist ein struktureller Faktor auf dem ganzen Markt.
Der neue Wohnreport macht denn auch deutlich, dass diese individuelle Zurückhaltung auch gesamtgesellschaftliche Folgen hat. Denn frei werdender Wohnraum entsteht nicht nur durch Neubau, sondern auch dadurch, dass bestehende Wohnungen und Häuser passend zu den Lebensphasen genutzt werden.
Wohneigentum ist der grösste Bremsklotz
Besonders deutlich ist die Studie bei der Frage, was Umzüge verhindert. In der politischen Debatte wird oft auf günstige Bestandsmieten verwiesen. Der Wohnreport sagt nun: Ja, dieser Effekt existiert. Aber er ist deutlich schwächer als ein anderer. Der eigentliche Bremsklotz ist laut der Untersuchung das Wohneigentum.
Die Wahrscheinlichkeit eines Umzugs ist bei Eigentümerinnen und Eigentümern gemäss Report über 60 Prozent tiefer als bei Mieterinnen und Mietern. Gerade in Einfamilienhäusern wohnen viele Best Ager, die nur selten ausziehen. Deshalb kommt bei Wohnwechseln dieser Altersgruppe in rund drei Vierteln der Fälle eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus auf den Markt und nicht ein Haus.
Das ist ein heikler Befund. Denn er zeigt, dass ausgerechnet jene Wohnform, die am meisten Platz bindet, besonders wenig Bewegung erzeugt. Oder zugespitzt gesagt: Einfamilienhäuser bleiben oft sehr lange in Händen von Menschen, deren Wohnbedarf längst kleiner geworden ist.
Oft ziehen nicht jene um, bei denen der Druck am grössten wäre
Hinzu kommt ein zweiter Punkt. Laut Report leben rund ein Drittel der über 55-Jährigen in einer Wohnung, die klar unterbelegt ist, also deutlich mehr Zimmer hat, als der Haushalt eigentlich braucht. Gerade diese Gruppe zieht aber nicht besonders häufig um. Wer sesshaft bleibt, wohnt gemäss Studie oft in grösseren und wertvolleren Objekten als jene, die tatsächlich zügeln.
Damit wird das Problem noch klarer. Es sind eben nicht zwingend die Haushalte mit besonders viel überschüssigem Raum, die Wohnraum für die nächste Generation freimachen. Oft ziehen vielmehr jene aus, die ohnehin schon etwas kompakter wohnen.
Das Fazit der Studie ist klar: Der Wohnungsmarkt könnte wohl deutlich stärker in Bewegung kommen, wenn ältere Menschen beim Übergang in eine neue Wohnphase besser begleitet würden. Denn solange Wohneigentum als Besitz fürs ganze Leben verstanden wird, bleibt die Bereitschaft zum Wechsel tief.
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