Viele bleiben – bis es zu spät istWarum so viele Senioren ihr Haus nicht loslassen
Sven Ziegler
24.1.2026
Viele Senioren bleiben bis weit über 80 in ihrem Haus.
KEYSTONE
Viele ältere Menschen wohnen allein in grossen Häusern – und ziehen trotzdem nicht um. Eine neue Zürcher Studie zeigt, warum der Schritt in eine kleinere Wohnung oft erst sehr spät erfolgt.
Wer ein Einfamilienhaus besitzt, bleibt meist lange. Sehr lange. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Zürcher Kantonalbank zum Zürcher Immobilienmarkt. Demnach liegt das Durchschnittsalter von Hausbesitzern bei rund 62 Jahren – und der eigentliche Auszug erfolgt oft erst sehr spät. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eigentümer ihr Haus freiwillig verlassen, steigt laut Studie erst ab etwa 85 Jahren deutlich an.
Die ZKB-Studie zeigt denn auch: Nach der Pensionierung steigt die Umzugswahrscheinlichkeit nur geringfügig. Erst im sehr hohen Alter nimmt sie deutlich zu – oft dann, wenn gesundheitliche Einschränkungen den Alltag im Haus erschweren. Reinigung, Unterhalt, Gartenarbeit oder Treppensteigen werden zur Belastung.
Drei zentrale Faktoren halten Senioren vom Umzug ab
Dann bleibt häufig nicht mehr die Möglichkeit, eine Wunschwohnung zu finden – sondern nur noch ein Platz dort, wo gerade Kapazität besteht. Nicht selten ist das ein Pflegeheim.
Die Analyse der ZKB identifiziert drei zentrale Faktoren bei jenen, die freiwillig aus dem Einfamilienhaus ausziehen.
Wer im Alter umzieht, möchte meist im gleichen Ort bleiben. Gerade im Kanton Zürich ist das schwierig, weil bezahlbare Wohnungen rar und die Immobilienpreise in den letzten zwanzig Jahren stark gestiegen sind.
Als zweiten Grund identifiziert die Studie eine Hemmschwelle bei Alleinlebenden. Diese würden deutlich seltener umziehen. Die Räumung eines Hauses sei für viele ein «Gräuel», sagt ZKB-Immobilienexpertin Ursina Kubli in der Studie. Zu zweit lasse sich der Aufwand leichter bewältigen – emotional wie praktisch.
Aufwand wird unterschätzt
Immobilienmaklerin Katerina Karajannakis arbeitet seit Jahren mit Menschen über 60, die ihr Haus verkaufen und in eine kleinere Wohnung ziehen wollen. Sie sagte kürzlich gegenüber der NZZ: «Ich versuche, die Leute wachzurütteln.» Viele müssten sich ehrlich fragen, ob ein Haus mit Treppe und grossem Garten wirklich noch altersgerecht sei.
Häufig aber werde der Aufwand unterschätzt. Keller, Estrich und Schränke seien voll, die Räume gross, aber kaum genutzt. «Es ist ja nicht nur ein Haus», sagt Karajannakis. «Es ist ein halbes Leben, das darin steckt.»
Die ZKB-Studie hat ausserdem das Verhalten nach dem Umzug analysiert. Dabei wird klar: Verkleinern heisst nicht klein wohnen. Über 60 Prozent der Ausziehenden entscheiden sich für Wohnungen mit mindestens vier Zimmern. Der Wunsch nach Platz für Gäste, Hobbys oder ein Büro bleibt bestehen – und erschwert den Umzug zusätzlich. Viele Paare rechtfertigen den Verbleib im Haus damit, dass sie es nach dem Auszug der Kinder endlich für sich geniessen wollen. Eines der wichtigsten Argumente, um das Haus zu behalten, ist laut Studie denn auch der Platz für Besuche der Familie.