So viel legen die Schweizer jeden Monat beiseite

tsha

2.12.2019 - 10:56

Die Schweizer sparen immer mehr Geld. Das trifft allerdings nicht auf jeden zu.
Bild: Keystone

Die Schweizer sparen so viel Geld wie lange nicht mehr. Doch nicht alle Haushalte können es sich leisten, etwas beiseitezulegen.

Seit dem Jahr 2000 untersucht das Bundesamt für Statistik (BFS), wie viel Geld die Schweizer monatlich beiseitelegen. Die aktuelle Auswertung zeigt nun: Noch nie seit Beginn der Statistik wurde hierzulande so viel gespart wie derzeit. Wie «20 Minuten» berichtet, lag der Mittelwert der monatlichen Sparbeträge im Auswertungszeitraum 2015 bis 2017 bei 1'460 Franken pro Haushalt. Zwischen 2006 und 2008 lag der Wert noch bei deutlich niedrigeren 913 Franken.

Der Sparbetrag ist die Summe, die nach Abzug der Lebenshaltungskosten vom Einkommen übrigbleibt. Einzahlungen der Arbeitgeber in die Pensionskasse fliessen nicht in die Statistik ein.

Die Auswertung des BFS zeigt allerdings auch grosse Unterschiede beim Sparverhalten der Schweizer. Spitzenverdiener (mehr als 13’622 monatliches Haushaltseinkommen) legen im Schnitt jeden Monat 4'860 Franken auf die Seite; Haushalte mit einem Einkommen von unter 4’914 Franken im Monat sparen hingegen gar nichts – im Gegenteil: Sie geben im Schnitt jeden Monat 706 Franken mehr aus, als sie eingenommen haben.

«Die Mittelschicht schmilzt»

Für Marco Salvi von Avenir Suisse gibt es dafür eine einfache Erklärung: «In der tiefsten Einkommensklasse befinden sich üblicherweise viele Jungen», so der Ökonom gegenüber «20 Minuten». Weil diese noch nicht erwerbstätig seien und für ihre Ausbildungskosten aufkommen müssten, machten sie Schulden. «Gleichzeitig aber können sie damit rechnen, später durch eine bessere Entlohnung und allfällige Erbschaften mehr Einkommen zu haben.» Anders sieht das Sébastien Mercier vom Verein Schuldenberatung Schweiz. «Die Schere zwischen gut und schlecht Verdienenden geht auf. Die Mittelschicht schmilzt. Die Hälfte dieser Gruppe wird ärmer», sagt er.

Weltweit gesehen gibt es nur ein Land, in dem die Bevölkerung einen prozentual grösseren Anteil ihres Einkommens spart als die Schweizer: China. Während im Reich der Mitte dafür vor allem ein mangelhaftes System der sozialen Absicherung verantwortlich ist, haben die hohen Sparbeträge hierzulande einen anderen Hintergrund: Laut Ökonom Salvi sind die Alterung der Gesellschaft und die generell hohen Einkommen die entscheidenden Faktoren. Viele 50- oder 60-Jährige hätten eine hohe Einkommensklasse erreicht und würden in diesem Alter bereits Geld für die Pensionszeit beiseitelegen.

Ob es gesamtgesellschaftlich betrachtet sinnvoll ist, so viel zu sparen wie die Schweizer, ist unter Experten allerdings umstritten. Während Ökonom Salvi glaubt, dass hohe Ersparnisse auch hohe Investitionen bedeuten, weil das Geld von den Banken entsprechend verwendet werde, sieht Daniel Lampart die Sache anders. Der Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund glaubt, dass zu rigides Sparen den Konsum drosselt. Das schade der Wirtschaft und gefährde Arbeitsplätze.

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