Auswirkungen auf dein Portemonnaie So will dir der Bundesrat schon wieder tiefer in die Tasche greifen

Dominik Müller

29.1.2026

Die Mehrwertsteuer zahlen wir mit jeder Tasse Kaffee.
Die Mehrwertsteuer zahlen wir mit jeder Tasse Kaffee.
Keystone

Der Bundesrat plant eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Wird der Vorschlag umgesetzt, hätte dies direkte Auswirkungen auf das Portemonnaie – vor allem bei Haushalten mit tiefen Einkommen.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Bundesrat will die Mehrwertsteuer in der Schweiz um 0,8 Prozentpunkte erhöhen, um die Armee angesichts wachsender sicherheitspolitischer Risiken besser zu finanzieren.
  • Die Erhöhung würde alltägliche Ausgaben verteuern, besonders spürbar für einkommensschwache Haushalte.
  • Eine Mehrwertsteuer-Erhöhung gilt politisch als durchsetzbarer als Alternativen, muss jedoch noch Parlament und Volksabstimmung passieren.

Was hat der Bundesrat beschlossen?

Der Bundesrat hat am Mittwoch entschieden, die Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte zu erhöhen. Mit den zusätzlichen Einnahmen soll die Aufrüstung der Schweizer Armee finanziert werden. Hintergrund sind steigende sicherheitspolitische Risiken in Europa und ein höherer Finanzbedarf über mehrere Jahre.

Wie stark steigt die Mehrwertsteuer konkret?

Der Normalsatz (siehe Punkt 3) würde von heute 8,1 auf 8,9 Prozent steigen. Auch die beiden anderen Sätze – der reduzierte Satz und der Sondersatz für Beherbergung – würden entsprechend angehoben. Die Erhöhung gilt nicht nur für einzelne Produkte, sondern flächendeckend.

Bereits zuvor war bekannt, dass der Bundesrat die Mehrwertsteuer um zusätzliche 0,7 Prozent erhöhen will, damit die 13. AHV-Rente bezahlt werden kann. Die Mehrwertsteuer könnte also von heute 8,1 auf deutlich über 9 Prozent steigen.

Was bedeuten Normalsatz, reduzierter Satz und Sondersatz?

Die Mehrwertsteuer kennt in der Schweiz drei Stufen:

  • Normalsatz: Er gilt für die meisten Güter und Dienstleistungen, etwa Kleider, Elektronik, Restaurantbesuche, Streaming-Abos oder Coiffeurtermine. (Heute bei 8,1 Prozent)
  • Reduzierter Satz: Dieser gilt für Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Medikamente, Zeitungen oder ÖV-Tickets. (Heute bei 2,6 Prozent)
  • Sondersatz für Beherbergung: Er gilt speziell für Hotelübernachtungen inklusive Frühstück und soll den Tourismus unterstützen. (Heute bei 3,8 Prozent)

Was bedeutet die Erhöhung für meinen Alltag?

Im Alltag heisst das: Fast jeder Einkauf wird etwas teurer. Die Mehrwertsteuer fällt immer dort an, wo konsumiert wird. Man merkt die Erhöhung nicht bei einem einzelnen Produkt stark, sondern in der Summe über das Jahr.

Ein paar konkrete Beispiele, sofern alle drei Mehrwertsteuer-Sätze um 0,8 Prozent erhöht werden:

  • Wocheneinkauf für 200 Franken: rund 1.60 Franken mehr
  • Restaurantrechnung von 120 Franken: knapp 1 Franken Aufpreis
  • Neues Smartphone für 1000 Franken: rund 8 Franken mehr
  • Jahreskonsum von 30'000 Franken: etwa 240 Franken Mehrkosten pro Person und Jahr

Die Beispiele zeigen: Es sind verhältnismässig kleine Beträge – aber sie summieren sich.

Wer spürt die Erhöhung besonders stark?

Vor allem Haushalte mit tiefem Einkommen. Sie geben einen grossen Teil ihres Einkommens für Konsum aus und können weniger sparen. Wohlhabendere Haushalte investieren oder sparen mehr – und zahlen im Verhältnis weniger Mehrwertsteuer. Aber grundsätzlich gilt: Die Mehrwertsteuer bezahlen alle.

Warum setzt der Bundesrat trotzdem auf die Mehrwertsteuer?

Weil sie politisch einfacher durchzusetzen ist als andere Steuern. Sie belastet alle gleichermassen und bringt dem Bund zuverlässige Einnahmen. Zudem ist die Mehrwertsteuer in der Schweiz im internationalen Vergleich noch immer tief: In vielen EU-Ländern liegt sie bei 20 Prozent oder mehr.

Gibt es Bereiche, die weniger betroffen sind?

Ja. Der reduzierte Satz schützt gezielt den Grundbedarf. Lebensmittel oder Medikamente verteuern sich weniger stark als Luxus- oder Konsumgüter. Wenn allerdings alle Mehrwertsteuer-Sätze um 0,8 Prozentpunkte erhöht würden, wäre der reduzierte Satz prozentual stärker betroffen, weil er am tiefsten ist.

Treibt die Mehrwertsteuer-Erhöhung die Inflation an?

Ja, aber nur begrenzt. Fachleute rechnen mit einem einmaligen Preisschub, nicht mit einer dauerhaften Teuerung. Die Inflation in der Schweiz gilt aktuell als tief und stabil, weshalb die Erhöhung aus Sicht der Nationalbank als verkraftbar gilt.

Gäbe es Alternativen zur Mehrwertsteuer?

Ja, etwa eine Erbschaftssteuer oder eine Finanztransaktionssteuer. Diese würden gezielter hohe Vermögen belasten. Politisch sind solche Modelle aber umstritten und bisher nicht mehrheitsfähig – wie im November 2025 etwa das Volksnein zur Juso-Initiative, die eine nationale 50-Prozent-Erbschaftssteuer ab 50 Millionen Franken forderte, zeigte.

Eine Finanztransaktionssteuer zielt hingegen auf Abgaben, die beim Handel mit Finanzinstrumenten wie Aktien, Obligationen oder Kryptowährungen erhoben werden.

Fazit: Was heisst das nun für die Bevölkerung?

Die Armee erhält mehr Geld – bezahlt wird es von allen. Nicht spürbar auf einmal, aber bei jedem Einkauf ein bisschen. Die Mehrwertsteuer bleibt damit das wichtigste Finanzierungsinstrument des Bundes – und für viele Haushalte ein stiller, aber dauerhafter Kostenfaktor.

Allerdings: Zunächst wird der Bundesrats-Beschluss im Parlament diskutiert. Abgesehen von der Mitte, der Partei des zuständigen Bundesrats Martin Pfister, haben sich alle Parteien abweisend über eine Mehrwertsteuer-Erhöhung geäussert. Und das letzte Wort hätte ohnehin das Volk: Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer unterliegt zwingend dem Referendum.