Auch wegen TrumpTesla schliesst erstmals ein Jahr mit Umsatzrückgang ab – Musk gibt Modelle auf
dpa
29.1.2026 - 04:13
Die Tesla-Auslieferungen waren im vergangenen Quartal erneut deutlich gesunken. (Archivbild)
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Das Geschäft von Tesla war bisher stets auf Wachstumskurs. Doch unter anderem durch die Politik von US-Präsident Donald Trump schrumpften 2025 die Erlöse.
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DPA, Redaktion blue News
29.01.2026, 04:13
29.01.2026, 04:16
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Erstmals in der Unternehmensgeschichte verzeichnet Elon Musks Elektroauto-Hersteller Tesla einen Umsatzrückgang.
Die Erlöse fielen im vergangenen Jahr angesichts gesunkener Auslieferungen um rund drei Prozent auf 94,8 Milliarden Dollar.
Tesla verbuchte 2025 den zweiten jährlichen Rückgang der Auslieferungen in Folge.
Firmenchef Elon Musk spielt die Bedeutung des Autoverkaufs für Tesla herunter und behauptet, dass die Zukunft des Unternehmens in selbstfahrenden Robotaxis und menschenähnlichen Robotern liegen werde.
Jedoch steht Tesla in beiden Bereichen erst am Anfang und trifft auf starke Konkurrenz.
Tesla hat erstmals ein Jahr mit einem Umsatzrückgang abgeschlossen. Die Erlöse fielen 2025 angesichts gesunkener Auslieferungen um rund drei Prozent auf 94,8 Milliarden Dollar, wie der von Elon Musk geführte Elektroauto-Hersteller mitteilte. Der Jahresgewinn fiel um 46 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Dollar.
Tesla verbuchte 2025 den zweiten jährlichen Rückgang der Auslieferungen in Folge. Sie sanken um 8,5 Prozent auf gut 1,636 Millionen Fahrzeuge. Den bisherigen Höhepunkt hatte Tesla 2023 mit etwas über 1,8 Millionen ausgelieferten Wagen erreicht. 2024 hatte der Umsatz trotz der niedrigeren Auslieferungen noch um ein Prozent zugelegt.
Negativer Verkaufstrend
Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres sanken die Tesla-Auslieferungen um rund 15 Prozent. Im dritten Quartal trieb die Torschlusspanik vor dem Auslaufen der US-Elektroautoprämie Ende September den Absatz zwischendurch auf ein Rekordhoch. Im Vierteljahr darauf folgte dann die Quittung mit dem nächsten Rückgang.
Das schlug sich auch in der Bilanz nieder. Der Umsatz fiel im vierten Quartal im Jahresvergleich um drei Prozent auf 24,9 Milliarden Dollar und der Gewinn sackte um 61 Prozent auf 840 Millionen Dollar ab.
Teslas Elektro-Pickup Cybertruck gilt als Flop.
Bild:Keystone/dpa/Fabian Sommer
Musk: Robotaxis und Roboter sind ohnehin die Zukunft
Firmenchef Elon Musk spielt allerdings die Bedeutung des Autoverkaufs für Tesla herunter und behauptet, dass die Zukunft des Unternehmens in selbstfahrenden Robotaxis und menschenähnlichen Robotern liegen werde. In beiden Bereichen steht Tesla erst am Anfang und trifft auf starke Konkurrenz.
So hat Tesla bisher nur ein paar Dutzend Robotaxis in der texanischen Stadt Austin im Einsatz, die zumeist von Aufpassern im Beifahrersitz begleitet werden. Die Google-Schwesterfirma Waymo betreibt unterdessen mehr als 2500 fahrerlose Wagen in mehreren US-Städten und ist auf Expansionskurs.
Tesla stellt Produktion der Modelle S und X ein
Musk kündigte am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen an, dass Tesla seine grösseren Elektroauto-Modelle S und X einstellt, um Kapazitäten für die Roboter-Produktion freizumachen. Die Produktion der beiden Modelle soll im kommenden Quartal auslaufen.
Besitzer*innen der Wagen würden über die Lebenszeit der Fahrzeuge weiterhin technische Unterstützung bekommen, versicherte Musk in einer Telefonkonferenz mit Analyst*innen.
Das 2012 eingeführte Model S war das erste komplett im eigenen Haus entwickelte Fahrzeug von Tesla. Es begründete den Ruf der Firma als Hersteller von Elektroautos, die mit guter Reichweite, Geschwindigkeit und attraktivem Design gegen die damals auf dem Markt dominierenden Wagen mit Verbrennermotoren bestehen können.
Musk will Platz für Optimus-Roboter schaffen
Das Model X mit den markanten Flügeltüren folgte 2015. Danach wurden die beiden Modellreihen immer mal wieder aufgefrischt. Inzwischen machen die neueren Fahrzeuge Model 3 und Model Y den Grossteil des Tesla-Geschäfts aus: Im vergangenen Jahr entfielen auf sie fast 97 Prozent der Auslieferungen.
Auf den bisherigen Produktionslinien für Model S und X sollen künftig die humanoiden Roboter von Tesla mit dem Namen Optimus gebaut werden. Musk hatte jüngst in Aussicht gestellt, sie bis Ende kommenden Jahres in den Verkauf bringen zu wollen.
US-Präsident Donald Trump sorgte unterdessen nicht nur dafür, dass die Steuervergünstigung von 7500 Dollar beim Kauf eines Elektroautos auslief, sondern entzog Tesla mit dem Aushöhlen der Regeln zum CO2-Ausstoss auch eine verlässliche Geldquelle: Einnahmen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten.
In den vergangenen Jahren hatte Tesla die Gewinnsituation mit dem Verkauf der Verschmutzungsrechte immer wieder ordentlich aufgebessert. Doch nun sind andere Autobauer weniger daran interessiert. Teslas Erlöse aus dem Zertifikatehandel fielen im vergangenen Quartal auf 542 Millionen Dollar. Im vierten Quartal 2024 waren es noch 692 Millionen Dollar gewesen – und 2,76 Milliarden Dollar im gesamten Jahr.
Das Jahr 2025 lief für Tesla holperig. In den ersten Monaten war Musk in Washington als Trumps Kostensenker im Regierungsapparat aktiv. Dabei ging er eher rabiat vor und brüstete sich unter anderem damit, die Entwicklungshilfe-Behörde «in den Holzhäcksler» geworfen zu haben.
Musk und Trump gingen im Frühsommer im Streit auseinander, was der Präsident mit der Abschaffung der Elektroauto-Prämie erklärte. Musk bestritt das. Inzwischen vertragen sich die beiden wieder.
US-Präsident Donald Trump bei einer Veranstaltung mit Tesla-CEO Elon Musk vor dem Weissen Haus im März.
Bild:Keystone/Pool/AP
Wegen Musks Auftreten und seiner politischen Ansichten wandte sich ein Teil der potenziellen Tesla-Käufer ab. Zu Jahresbeginn wurde Tesla zudem vom Modellwechsel beim Bestseller Model Y gebremst. Teslas futuristisch aussehender Elektro-Pickup Cybertruck gilt als ein Flop. Musk kündigte am Mittwoch aber an, dass der Cybertruck zu einem autonom fahrenden Wagen gemacht werden soll.
In den USA griffen Autokäufer im vergangenen Jahr unterdessen verstärkt zu Fahrzeugen mit Verbrenner- und Hybrid-Antrieben – und in Europa waren im Elektroauto-Markt andere Hersteller auf dem Vormarsch, unter anderem aus China.
Tesla-Aktionäre genehmigen Musk Vergütung von 878 Mrd Dollar
STORY: Tesla-Chef Elon Musk hatte am Donnerstag allen Grund zur Freude. Er hat sich bei den Aktionären des Elektrobauers mit seinem umstrittenen Vergütungspaket durchgesetzt. Sie stimmten am Donnerstag auf ihrer Hauptversammlung für einen Gehaltsplan, der ihm über das nächste Jahrzehnt bis zu 878 Milliarden Dollar einbringen könnte. Der Vorschlag wurde mit mehr als 75 Prozent der Stimmen angenommen. Ein Sieg Musks war erwartet worden. Dies lag daran, dass der Milliardär nach dem Umzug des Unternehmens von Delaware nach Texas das volle Stimmrecht für seinen Anteil von rund 15 Prozent ausüben durfte. Die Zustimmung erfolgte trotz des Widerstands einiger Grossinvestoren, darunter der norwegische Staatsfonds. Und auch, obwohl Musks politisch weit rechts einzuordnende Rhetorik der Marke Tesla in diesem Jahr geschadet hat. Die Abstimmung gilt als Bestätigung für Musks Vision, Tesla von einem reinen Elektroauto-Hersteller zu einem Giganten für Künstliche Intelligenz und Robotik umzubauen. Die Aktie von Tesla legte im nachbörslichen Handel um mehr als drei Prozent zu.