Tetra Pak versus MilchkesseliAls in der Schweiz die Milchkriege tobten
SDA
17.5.2026 - 21:30
Bevor die abgepackte Milch im Juli 1964 die Verbandsmolkerei Zürich verlassen durfte, musste sie im Labor bakteriologisch untersucht werden.
Keystone (Archivbild)
Während im Parlament über die «Liberalisierung der Pastmilch» gestritten wurde, stand 1964 bereits die nächste Innovation an. In der Schweiz tobten im 20. Jahrhundert mehrere «Milchkriege».
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Keystone-SDA, Redaktion blue News
17.05.2026, 21:30
17.05.2026, 21:33
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Im 20. Jahrhundert tobten in der Schweiz zahlreiche «Milchkriege».
So wurde in der Milchwirtschaft immer wieder heftig gestritten, wer wann und wo welche Milch verkaufen durfte.
Früher wurde offene Milch im «Milchkesseli» vom Milchmann vor die Haustür transportiert.
Mittlerweile ist in Tetra Paks abgefüllte Milch allgegenwärtig.
«Das Tetraeder war die einfachste Variante, um aus einem Schlauch eine Packung zu formen», sagte Josef Meyer von Tetra Pak Schweiz 2009 am Schweizer Fernsehen. Die Form gab der Verpackung dann auch ihren Namen – «Tetra Pak». Gegründet wurde die Firma 1950 von einem Schweden. Erstmals konnte Milch am Laufmeter abgepackt werden. Einfach, hygienisch und erst noch platzsparend.
Die Idee hinter dem Abfüllprozess kam aus der Wurstproduktion: Eine Maschine formte aus dem Karton ein Rohr und füllte ihn mit Milch. Danach wurde das Rohr versiegelt und abgetrennt. Der rechte Winkel zwischen Boden und Spitze gab der Packung dann ihre charakteristische Pyramidenform.
Milch ist in der Schweiz das, was andernorts Öl und hohe Benzinpreise sind – nämlich politischer Zündstoff. Immer wieder wurde in der Schweiz heftig darüber gestritten, «wer wann wo welche Milch verkaufen durfte – und wer wann wo und wem Milch liefern musste». So auch Anfang der 1960er-Jahre, wie die Autoren des Archivs für Agrargeschichte in ihrem Grundlagenwerk zur Schweizer Milchwirtschaft, «Milch für alle», beschrieben.
Ein Mädchen im Oktober 1957 mit einem Milchkesseli
KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Jules Vogt
Früher wurde offene Milch im «Milchkesseli» vom Milchmann vor die Haustür transportiert. Der konnte aber weder für die Kühlung noch für die Keimfreiheit der Milch garantieren. Mit der Pasteurisierung konnte die Haltbarkeit der Milch verlängert werden. Verkaufen durfte nur, wer über eine entsprechende Bewilligung verfügte.
Bis die Behörden den Verkauf von Pastmilch «ohne Wenn und Aber» auch für Grossverteiler wie die Migros freigaben, sollte es aber noch einige Jahre, zig Aktionen und zwei Urnengänge brauchen. Während in der Schweiz noch über die «Liberalisierung der Pastmilch» gestritten wird, stand 1964 schon die nächste Innovation in den Startlöchern.
Während Pastmilch noch einer Kühlung bedurfte, war keimfrei abgefüllte, ultrahocherhitzte UHT-Milch wochenlang bei Zimmertemperatur haltbar. Bevor die abgepackte Milch im Juli 1964 die Verbandsmolkerei Zürich verlassen durfte, musste sie im Labor bakteriologisch untersucht werden.
Bis das Ergebnis der Prüfung feststehe, vergehen gemäss «Südwestrundfunk» fünf volle Tage. Überall könne «die Hausfrau» die dreieckigen Milchtüten nun aufbewahren, so der deutsche Sender 1964. «Ob im Küchenschrank, auf dem Regal oder im geheizten Büro – diese Milch wird nicht sauer».
Lange konnte sich die dreieckige Form zwar nicht halten, wohl aber die Zusammenarbeit der schwedischen Firma mit dem Schweizer Detailhandel. Erst im Tetraeder, später im Tetra-Brik, besiegelte der Milchverkauf in Supermärkten den Erfolg von Tetra Pak in der Schweiz.