«Drehen ihnen alles ab – mit einem Lächeln»Trump startet Handelskrieg – kommt es jetzt zum globalen Flächenbrand?
Sven Ziegler
4.3.2025
US-Präsident Donald Trump hat einen Handelskrieg gestartet.
KEYSTONE
US-Präsident Donald Trump hat eine neue Runde von Strafzöllen eingeleitet – mit drastischen Folgen für Verbraucher und Unternehmen. Kanada, Mexiko und China sind die Hauptziele der neuen Importabgaben, doch auch Europa könnte bald betroffen sein.
US-Präsident Donald Trump hat seine Handelspolitik erneut drastisch verschärft: Seit dem heutigen Dienstag gelten pauschale 25 Prozent-Strafzölle auf Importe aus Kanada und Mexiko. Energieprodukte aus Kanada werden mit 10 Prozent belegt, und bereits im Februar hatte die Regierung die Zölle auf chinesische Waren von 10 Prozent auf 20 Prozent verdoppelt.
Offiziell begründet das Weisse Haus die Massnahmen mit der Durchsetzung einer strengeren Migrations- und Drogenpolitik. Experten sehen darin hingegen einen aggressiven wirtschaftspolitischen Schachzug, der die US-Wirtschaft selbst stark belasten könnte.
Die neuen Zölle treffen eine breite Palette von Waren. Besonders spürbar werden sie in den alltäglichen Lebensbereichen. Viele frische Lebensmittel aus Mexiko werden teurer, etwa Tomaten, Paprika, Trauben und anderes Obst und Gemüse, da es hierfür innerhalb der USA kaum alternative ganzjährige Bezugsquellen gibt.
You can literally see the stock market plunge in real-time on Fox News as Trump announces new tariffs. pic.twitter.com/Kf8WOoDi3t
— No Lie with Brian Tyler Cohen (@NoLieWithBTC) March 4, 2025
Ähnliches gilt für bestimmte Agrargüter aus Kanada, beispielsweise Ahornsirup, Weizen und beliebte Genussmittel: So stammen zahlreiche Biersorten wie Mexikos meistexportierte Biermarke «Modelo» und Spirituosen wie Tequila und Mezcal aus Mexiko, während Kanada bedeutende Mengen Whiskey und Sirup liefert. All diese Produkte werden durch den Strafzoll spürbar verteuert.
Kanada und Mexiko liefern zudem zahlreiche Komponenten für US-Fahrzeuge – höhere Importkosten könnten die Autopreise steigen lassen. Experten rechnen damit, dass sich die Autos um mehrere tausend Dollar verteuern werden.
Preise dürften deutlich ansteigen
Viele chinesische Produkte wie Smartphones, Computerteile und Haushaltsgeräte werden zudem ebenfalls mit Zöllen belegt. Maschinen, elektronische Geräte und Konsumgüter aus China und anderen Ländern werden damit ebenfalls teurer.
Bereits in Trumps erster Amtszeit wurden Stahl und Aluminium mit Zöllen belegt; nun trifft es erneut Aluminiumlieferungen. Viele US-Brauereien und Getränkehersteller etwa importierten nach 2018 vermehrt Dosen-Aluminium aus Kanada, um den damaligen China-Zöllen auszuweichen. Nun ist damit Schluss: Dosen, Fässer und Deckel aus Kanada werden teurer – und lassen die Preise ebenfalls ansteigen.
Trump: Zölle gegen Kanada und Mexiko ab Dienstag in Kraft
STORY: Die von der US-Regierung angekündigten Zölle gegen Mexiko und Kanada in Höhe von 25 Prozent treten wie geplant am Dienstag in Kraft. Das teilte US-Präsident Donald Trump am Montag mit. Zudem würden ab dem 2. April die angedrohten «reziproken» Gegenzölle eingeführt, die weitere Staaten treffen würden. Für Verhandlungen mit Kanada und Mexiko gebe es keinen Spielraum mehr. Beide Staaten haben Vergeltungsmassnahmen angekündigt. Nach der Ankündigung gaben die US-Aktienmärkte im Verlauf nach und erreichten zunächst Tagestiefststände. Der mexikanische Peso und der kanadische Dollar fielen zum US-Dollar. Experten erwarten durch die Zölle und angekündigten Vergeltungszölle Verwerfungen in den eng verzahnten Wirtschaftsräumen der drei Staaten. Das Volumen der US-Importe aus den beiden Nachbarländern wird auf insgesamt 900 Milliarden Dollar geschätzt. In Asien gaben die Märkte am Dienstag zunächst ebenfalls nach.
04.03.2025
Die meisten Unternehmen dürften die höheren Kosten an die Kunden weitergeben. Entsprechend erwarten Ökonomen deutlich steigende Preise in den USA. Eine Analyse der Federal Reserve Bank of Atlanta beziffert den Effekt folgendermassen: Sollten die neuen Zölle vollständig an die Käufer weitergereicht werden, könnten die Kosten alltäglicher Einkäufe um rund 1,6 Prozent steigen – und in Warengruppen ohne Nahrungsmittel sogar um 2,6 Prozent. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr betrug die Inflation für diese Güter nur circa 1,2 Prozent.
Alltagswaren würden also binnen kurzer Zeit deutlich teurer, was den Geldbeutel der Verbraucher spürbar belasten dürfte.
Konkrete Beispiele illustrieren die möglichen Aufschläge: Der US-Getränkekonzern «Constellation Brands», der Corona- und Modelo-Bier sowie Tequila aus Mexiko importiert, rechnet durch den Zoll mit etwa 16 Prozent höheren Einfuhrkosten. Dies würde voraussichtlich zu Preissteigerungen von circa 4,5 Prozent für die Endverbraucher führen.
Frische Lebensmittel wie mexikanische Tomaten oder Avocados im US-Winterangebot würden sich ebenfalls verteuern – da diese Waren oft importiert werden, müssen Verbraucher mit spürbaren Aufschlägen an der Ladenkasse rechnen
Inflation wird erhöht, Wachstum gebremst
Volkswirte und Finanzanalysten haben die möglichen gesamtwirtschaftlichen Folgen der neuen Zölle analysiert. Ein zentrales Ergebnis: Die Massnahme dürfte kurzfristig die Inflation erhöhen und das Wachstum bremsen, sodass eventuelle Vorteile, etwa mehr inländische Produktion oder höhere Zolleinnahmen, wieder zunichtegemacht werden.
Das Wells Fargo Investment Institute etwa erwartet, dass die Tarifpolitik zwar anfangs den Preisauftrieb und sogar den US-Dollar stärken könnte, letztlich aber das Wirtschaftswachstum dämpft.
Höhere Preise erhöhen zudem den Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen eher hoch zu halten – was Investitionen erschwert. Besonders breit angelegte Zölle über viele Länder und Produktkategorien hinweg dürften laut Wells Fargo den Verbraucherbudgets zusetzen und auch die Gewinne zahlreicher Unternehmen schmälern.
Die Trump-Administration setzt die Zölle ungeachtet der Folgen durch.
Darren Calabrese/The Canadian Press/AP/dpa
Auch die Aussenhandelsexperten malen ein düsteres Bild: Das Münchener ifo-Institut berechnete, dass Trumps neue Zölle und die absehbaren Gegenreaktionen der Partner den US-Export empfindlich treffen könnten. Insgesamt könnten die Ausfuhren der USA um etwa 22 Prozent einbrechen, falls Kanada, Mexiko und China wie angekündigt zurückschlagen.
Während China seine Handelsströme vergleichsweise flexibel umlenken kann, wären Kanada und Mexiko wegen ihrer starken Ausrichtung auf den US-Markt massiv betroffen.
Doch diese Zahlen machen auch klar: Ein solcher Rückgang des kanadisch/mexikanischen Exports impliziert spiegelbildlich einen Ausfall vieler Zwischenprodukte und Importgüter für die USA, was dort Produktion und Verbrauch weiter belasten würde. Die US-Wirtschaft ist also nicht isoliert – sie würde in einem eskalierenden Zollkrieg ebenfalls erheblichen Schaden nehmen.
Eskalation zeichnet sich ab
Die betroffenen Länder reagieren dehalb schnell: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum stellte klar, dass ihr Land spiegelgleiche Gegenzölle auf US-Produkte erheben werde. Kanadas Premierminister Justin Trudeau kündigte Vergeltungszölle im Wert von über 100 Milliarden Dollar auf US-Waren binnen 21 Tagen an
Damit zeichnet sich eine Eskalation ab: Jede Seite belegt die andere mit neuen Abgaben, was den Konflikt weiter verschärft. Handelspartner in Europa haben ebenfalls mit scharfer Rhetorik reagiert. EU-Industriekommissar Thierry Breton (beziehungsweise Kommissionsvize Stéphane Séjourné) erklärte, Europa werde «sofort und entschlossen reagieren», sollte Trump tatsächlich Zölle gegen die EU einführen.
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Interessant ist, dass selbst innerhalb von Trumps Republikanischer Partei Kritik laut wird. Mehrere republikanische Senatoren aus betroffenen Bundesstaaten warnten vor den Folgen. So äusserte Susan Collins, eine Republikanerin aus Maine, grosse Sorge, da die Wirtschaft ihres Staates eng mit Kanada verflochten ist. So würden Maine’s Hummer und Blaubeeren in Kanada verarbeitet und dann in die USA zurückimportiert, was durch die Zölle erheblich gestört würde.
Ähnliche Bedenken kommen aus Grenzstaaten wie Texas oder Michigan, wo zahlreiche Jobs vom reibungslosen Nordamerikahandel abhängen. Und auch Kanada reagiert angesäuert. Der Bürgermeister der Region Ontario sagte in einem CBC-Interview: «Wenn sie versuchen wollen, Ontario zu vernichten, werde ich alles tun, auch ihnen den Strom abdrehen – mit einem Lächeln im Gesicht.»