Kritik an Keller-Sutter Trump teilt in Davos gegen die Schweiz aus – das hat er gesagt

dpa

21.1.2026 - 16:12

Trump lästert über Keller-Sutter

Trump lästert über Keller-Sutter

US-Präsident Donald Trump kritisiert in seiner Rede am WEF die Schweizer Bundesrätin Karin Keller-Sutter scharf.

21.01.2026

Donald Trump beginnt seinen Auftritt in Davos mit viel Eigenlob. Der US-Präsident referiert über die USA als das «angesagteste Land». Erwähnt wird auch Karin Keller-Sutter – und natürlich Grönland.

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DPA, Dominik Müller

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  • Donald Trump lobte in seiner Davos-Rede seine «America First»-Politik, bekräftigte erneut das US-Interesse an Grönland und kritisierte Europa scharf.
  • Er attackierte mehrere europäische Politiker, darunter Emmanuel Macron und Karin Keller-Sutter, und begründete frühere Zollverschärfungen gegenüber der Schweiz mit persönlichen Eindrücken.
  • Trump verteidigte seine Wirtschafts- und Energiepolitik, verspottete europäische Klimamassnahmen und kündigte verstärkte Investitionen in Atomkraft an.

Viel Selbstlob, deutliche Kritik an Europa – und keine Zweifel an «America first» und den Grönlandplänen: US-Präsident Donald Trump hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos vor allem seine isolationistische Politik angepriesen. Zum Schutz der Welt müsse Grönland von den USA übernommen werden, behauptete Trump erneut. Gewalt werde er dafür aber nicht anwenden, sagte er.

Er forderte stattdessen «sofortige Verhandlungen» – mit wem, sagte er nicht. Dänemark, zu dem Grönland gehört, und weitere europäische Staaten hatten stets bekräftigt, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe. Nur die USA könnten «dieses riesige Stück Land» verteidigen, sagte Trump. «Wir brauchen es für die strategische nationale Sicherheit und die internationale Sicherheit.»

Trump lästert über Keller-Sutter

An den europäischen Staaten arbeitete sich der US-Präsident an mehreren Stellen seiner langen Rede ab. Europa entwickle sich nicht «in die richtige Richtung», sagte er. Bestimmte Länder seien nicht wiedererkennbar, das meine er nicht im positiven Sinne, sondern «sehr negativ», sagte Trump. 

Auch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron kritisierte der US-Präsident. Dass Macron am Vortag mit Sonnenbrille auf dem Davos-Podium gesprochen hatte, erwähnte der US-Präsident spöttisch.

Auch die Bundesrätin Karin Keller-Sutter bekam ihr Fett weg: Als sich die damalige Bundespräsidentin – deren Name Trump nicht erwähnt – im Zusammenhang mit den Zollverhandlungen bei ihm gemeldet habe, habe sie sich immer wieder wiederholt und darauf hingewiesen, dass die Schweiz ein kleines Land sei.

Sie sei aggressiv gewesen, habe ihn genervt und habe «einen schlechten Eindruck hinterlassen», sagte Trump. Darum habe er die Zölle sogar von ursprünglich 30 auf 39 Prozent erhöht. «Dann ist die Hölle wirklich ausgebrochen.» Erst als dann Wirtschaftvertreter auf ihn zugekommen seien, habe er die Zölle wieder reduziert. Heute sind sie auf 15 Prozent. «Die Schweiz hat die USA ausgenutzt. Aber ohne uns wäre die Schweiz nicht mehr die Schweiz», sagt Trump.

Das «angesagteste» Land der Welt

Trump hatte seine Rede mit viel Lob für sich im ersten Jahr seiner Amtszeit begonnen. Die USA seien das «angesagteste» Land der Welt, sagte der US-Präsident, der «viele Freunde» und «einige Feinde» begrüsste. «Wenn Amerika boomt, boomt die ganze Welt. Das war schon immer so. Wenn es schlecht läuft, läuft es schlecht, für alle», sagte er.

Besonders hob Trump die eigene, in Europa stark umstrittene Wirtschafts- und Zollpolitik hervor. «Anstatt Steuern zu erhöhen oder einheimische Produzenten zu fördern, senken wir diese und erhöhen die Zölle für ausländische Nationen, um für die Schäden aufzukommen, die sie verursachen», sagte Trump.

Auch seine – bei Ökonomen stark umstrittene Haushaltspolitik – erwähnte Trump: «Wir haben die Bundesausgaben um 100 Milliarden Dollar gekürzt und das Haushaltsdefizit des Bundes in einem einzigen Jahr um 27 Prozent gesenkt. Es wird noch deutlich weiter sinken, wodurch die Inflation von den Rekordhöhen der Biden-Regierung deutlich zurückgehen wird.»

Die Bemühungen um saubere Energie in anderen Ländern kritisierte Trump scharf. Er sprach von einem «grünen Betrug», «vielleicht den grössten Schwindel der Geschichte». Europa verschandele die Landschaft mit Windrädern, die Energieproduktion sei viel zu teuer. 

Die USA setzten neben Öl und Gas auch in grossem Umfang auf Atomenergie. «Ich habe eine Verordnung unterzeichnet, die den Bau und die Genehmigung vieler neuer Kernreaktoren vorsieht», sagte er. Es seien grosse Fortschritte bei der Sicherheit von Atomreaktoren gemacht worden. 

Verspätete Landung in der Schweiz

Der US-Präsident hatte seine Rede trotz einer deutlich verspäteten Anreise relativ pünktlich begonnen. Wegen technischer Probleme war der Regierungsflieger Air Force One auf dem Weg in die Schweiz umgedreht – die US-Delegation stieg in ein Ersatzflugzeug und landete schliesslich am Mittwochmittag in Zürich. Durch die verspätete Ankunft kommt es voraussichtlich nicht zu einem Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit Trump.

Am Donnerstagabend, im Anschluss an das Forum, wollen Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs der EU bei einem Krisentreffen in Brüssel darüber beraten, wie sie am besten auf Trumps Zolldrohungen reagieren könnten.

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