Extreme Teuerung Türkische Inflation steigt auf 73,5 Prozent

SDA/uri

3.6.2022 - 14:28

Markt in Ankara: Die Lebenshaltungskosten in der Türkei sind deutlich angestiegen.
Markt in Ankara: Die Lebenshaltungskosten in der Türkei sind deutlich angestiegen.
Bild: Keystone

Die Verbraucherpreise in der Türkei steigen weiter. Im Mai lag die Inflation nach offiziellen Angaben bei 73,5 Prozent – unabhängige  Beobachter rechnen mit einer doppelt so hohen Teuerung. 

3.6.2022 - 14:28

Die Inflation in der Türkei steigt immer weiter. Im Mai erhöhten sich die Lebenshaltungskosten gegenüber dem Vorjahresmonat um 73,5 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Freitag in Ankara mitteilte. Unabhängige Wirtschaftsexperten gingen sogar von einer Rate von mehr als 160 Prozent aus, berichtet die «Tagesschau» der ARD. 

Im Vormonat hatte die Rate knapp 70 Prozent betragen. Analysten hatten für Mai im Schnitt mit 76,5 Prozent gerechnet. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise um knapp drei Prozent. Laut der ARD kostete eine Fünf-Liter-Flasche eines günstigen Speiseöls damit nun umgerechnet neun Euro – vor einem Jahr waren es noch keine fünf Euro gewesen.

Noch wesentlich stärker als die Konsumentenpreise steigen die Herstellerpreise. Auf Jahressicht erhöhten sich die Preise, die Produzenten für ihre Güter erhalten, im Mai um rund 132 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat schlägt ein Anstieg von 8,8 Prozent zu Buche. Die Erzeugerpreise fliessen in der Regel zeitverzögert und teilweise in die Verbraucherpreise mit ein.

Währungshüter haben Geldpolitik gelockert

Die hohe Inflation in der Türkei hat mehrere Ursachen. Eine davon ist die schwache Landeswährung Lira, die importierte Waren und Dienstleistungen verteuert und damit die Inflation anfacht. Hinzu kommen starke Verspannungen im Welthandel, die ihre Ursache in der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg und der strengen Corona-Politik Chinas haben.

Die türkische Notenbank stemmt sich nach Meinung vieler Ökonomen nicht entschlossen genug gegen die hohe Teuerung. Vielmehr haben die Währungshüter ihre Geldpolitik seit vergangenen Sommer gelockert. Fachleute vermuten politischen Druck.

SDA/uri