Milliardengeschäft am Himmel Warum viele Flugzeuge gar nicht den Airlines gehören

Samuel Walder

20.3.2026

Wusstest du, dass viele Flugzeuge gar nicht der Airline selbst gehören?
Wusstest du, dass viele Flugzeuge gar nicht der Airline selbst gehören?
Bild: Hannes P Albert/dpa

Viele Flugzeuge tragen zwar das Logo einer Airline – gehören ihr aber gar nicht. Ein milliardenschwerer Leasingmarkt finanziert die Flotte und hält Airlines flexibel. Ein Unternehmen revolutionierte die Luftfahrt besonders.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Mehr als 50 Prozent der weltweiten Verkehrsflugzeuge sind heute geleast: Airlines mieten die Maschinen oft nur statt sie zu besitzen.
  • Das Leasing erspart Fluggesellschaften hohe Anschaffungskosten von über 100 Millionen Dollar pro Flugzeug hilft, die Flotten flexibel anzupassen.
  • Der Markt ist ein Milliardengeschäft und wird von grossen Firmen wie AerCap dominiert.

Wer am Flughafen ein Flugzeug sieht, denkt meist: Diese Maschine gehört der Airline, deren Logo draufsteht. Doch das stimmt oft nicht. Dass es heute über 5000 Airlines auf der Welt gibt und wir nach Lust und Laune hinfliegen können, wo wir wollen, ist unter anderem einer grundlegenden Geschäftsidee zu verdanken. Das Stichwort: Leasing.

Über 50 Prozent der weltweiten Verkehrsflugzeuge sind heute geleast – also gemietet statt gekauft. Selbst bei grossen Airlines ist ein Teil der Flotte geleast. Bei der Lufthansa gehören laut Geschäftsbericht  89 Prozent der Flugzeuge dem Konzern selbst – aber elf Prozent sind geleast. Das heisst, jedes zehnte Flugzeug gehört nicht der Lufthansa. Bei Billigairlines wie Eurowings liegt der Anteil noch höher.

Die Lufhansa least jedes zehnte Flugzeug. 
Die Lufhansa least jedes zehnte Flugzeug. 
Boris Roessler/dpa

Was einst eine Revolution war, ist heute praktisch ein Normalfall. Laut dem Branchenverband IATA sind heute über 50 Prozent der weltweiten Verkehrsflugzeuge geleast. In Europa liegt der Anteil teilweise sogar noch höher.

Hinter diesem System stehen spezialisierte Leasingfirmen, die Flugzeuge kaufen und an Airlines vermieten – oft ohne, dass Passagiere davon etwas merken. Denn die Airline wartet, reinigt und betreibt die Flugzeuge selbst. Die Leasing-Firma steht also in keinem Kontakt mit den Passagieren.

Ein Geschäftsmodell, das Milliarden spart

Doch wieso leasen Airlines die Flugzeuge und kaufen sie nicht selbst? Neue Flugzeuge kosten schnell 100 Millionen Dollar oder mehr. Etwa für eines der beliebtesten Modelle, den Airbus A320, müsste man zwischen 110 und 130 Millionen US-Dollar auf den Tisch blättern.

Für Airlines ist es kaum möglich, ganze Flotten auf einmal zu finanzieren. Statt Milliarden zu investieren, zahlen sie Leasingraten und können ihre Flotte flexibel anpassen.

Die International Lease Finance Corporation (ILFC) war eine der ersten Firmen, die Flugzeuge in grossem Stil einkaufte und systematisch an Airlines vermietete – und damit die Luftfahrt nachhaltig veränderte. Das Unternehmen wurde 1973 gegründet und gilt als Pionier des Flugzeug-Leasings.

Die Idee, Flugzeuge nicht mehr nur zu verkaufen, sondern zu vermieten, veränderte die Branche nachhaltig. Dadurch konnten Fluggesellschaften mehr Flugziele und Strecken anbieten, ohne gleich Konkurs zu gehen.

Die ILFC wurde 1973 von Steven F. Udvar-Házy, (Bild) und Leslie und Lou Gonda gegründet. Steven F. Udvar-Házy wurde in Ungarn im Jahr 1946 geboren. Seine Familie floh 1956 in die USA. 
Die ILFC wurde 1973 von Steven F. Udvar-Házy, (Bild) und Leslie und Lou Gonda gegründet. Steven F. Udvar-Házy wurde in Ungarn im Jahr 1946 geboren. Seine Familie floh 1956 in die USA. 
Aviation Week

ILFC wuchs in den folgenden Jahrzehnten stark. In der Spitze besass das Unternehmen rund 900 bis über 1000 Flugzeuge und hatte über 200 Airline-Kunden in mehr als 80 Ländern. Der Umsatz lag zeitweise bei vier bis fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Heute dominieren globale Leasingriesen

Heute wird der Markt von grossen Finanzfirmen geprägt. Der grösste Anbieter ist AerCap, der nach der Übernahme von ILFC im Jahr 2014 zum Branchenführer wurde.

Weltweit gibt es heute rund 25'000 Verkehrsflugzeuge. Das Unternehmen besitzt rund 1'700 Flugzeuge und vermietet diese an über 300 Airlines weltweit. AerCap besitzt also sieben Prozent der weltweiten Flugzeuge. Auch Firmen wie SMBC Aviation Capital oder Avolon sidn wichtige Player.

Mittlerweile steckt hinter dieser Geschäftsidee ein Milliardengeschäft. Das globale Flugzeug-Leasing hat laut Marktanalysen ein Volumen von rund 180 bis 200 Milliarden US-Dollar.

Dublin ist nicht nur die Stadt des St- Patricks Day und des Guinness. 60 Prozent der weltweit geleasten Flugzeuge werden von Dublin aus verwaltet. 
Dublin ist nicht nur die Stadt des St- Patricks Day und des Guinness. 60 Prozent der weltweit geleasten Flugzeuge werden von Dublin aus verwaltet. 
Getty Images

Ein weiteres Detail der Firmenstruktur hilft, lukrativ zu bleiben. Denn was auffällt: Viele dieser Unternehmen sitzen in Irland, insbesondere in Dublin. Der Grund sind günstige steuerliche Bedingungen und klare Regeln für Abschreibungen. Laut Branchenanalysen werden rund 60 Prozent der weltweit geleasten Flugzeuge von dort aus verwaltet.

Ein unsichtbares System im Hintergrund

Das Leasing verändert die Luftfahrt grundlegend. Für Airlines bedeutet es weniger Risiko und mehr Flexibilität, für Leasingfirmen planbare Einnahmen. Besonders in Krisen – etwa während der Corona-Pandemie – gewann das Modell weiter an Bedeutung, weil viele Airlines eigene Flugzeuge verkauften und zurückleasten, um liquide zu bleiben.

Das System funktioniert. Die Rollenaufteilung zwischen Airline und Leasingfirma ist nämlich klar aufgeteilt. Die Verantwortung bleibt bei den Airlines. Sie betreiben die Flugzeuge, kümmern sich um Wartung und Sicherheit. Die Leasingfirmen stellen im Kern ein Finanzprodukt bereit. 


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