Preise, Jobs und AussichtenWas Trumps Wirtschaftskurs und seine Zölle in den USA bewirkt haben
Philipp Dahm
23.12.2025
Geht Donald Trumps Wirtschaftsplan auf? Die Vorgänge zwischen August und Dezember geben erste Hinweise. (Archivbild)
Bild:Keystone
Am 7. August sind viele von Trumps neuen Import-Zöllen in Kraft getreten. Was hatte das für Folgen für die US-Wirtschaft? Eine Chronik der Ereignisse zeigt Trends für das kommende Wirtschaftsjahr auf.
Nach seinem Amtsantritt krempelt Donald Trump die Wirtschaft um: Mit Zöllen entkoppelt er die USA vom weltweiten Handel und will mit ausländischen Investitionen mehr Produktion ins Land holen.
Wie wirkt sich diese Politik aus? Was bewirken die Zölle, die grossteils seit dem 7. August wirksam geworden sind? blue News sammelt in dieser Chronik Indizien, um den Blick aufs nächste Jahr zu schärfen.
August
19. August: Die grösste Baumarkt-Kette zieht die Preise an: «Für einige importierte Waren sind die Zölle heute offensichtlich erheblich höher», begründet Billy Bastek von Home Depot die Massnahme. Nur etwas mehr als die Hälfte der Produkte kommt aus den USA.
20. August: Der 50-Prozent-Zoll auf Stahl und Aluminium wird ausgeweitet und betrifft neu auch Produkte, die diese Metalle enthalten. Laut CNN müsse deshalb in 407 Produktkategorien mit höheren Preisen gerechnet werden. Das gelte für Haushaltswaren, aber auch für Industrieprodukte.
21. August: «CBS News» listet vier Gründe auf, warum die Zölle die Inflation noch nicht in die Höhe getrieben haben.
Warum die Inflation (noch) nicht steigt
Es gibt noch viele Ausnahmen: Im Juni musste nur auf 48 Prozent der eingeführten Waren Zoll gezahlt werden.
Viele Unternehmen haben noch eiligst Waren eingeführt, bevor die Zölle in Kraft getreten sind.
Um keine Marktanteile zu verlieren, nehmen Firmen und Händler die Zölle vorerst auf die eigene Kappe.
Zölle treiben die Teuerung nur allmählich in die Höhe: Erst ein Jahr später zeige sich in der Regel der volle Effekt.
31. August: Weil die Kundschaft aus Kanada ausbleibt, klagen Geschäfte in Seattle über Umsatzeinbussen von bis zu 30 Prozent. Die «‹selbstgemachte Verletzung› des US-Tourismus» mache «einige Amerikaner wütend und enttäuscht», berichtet CNN.
September
4. September: «Durch die Zollerhöhungen verkaufte Brasilien im August 18 Prozent weniger in die USA», schreibt das brasilianische Magazin «Veja», «die Gesamtexporte stiegen jedoch». Etwa die Hälfte der US-Exporte sei von Trumps 50-Prozent-Zoll betroffen, doch dank höheren Ausfuhren nach China und in die Mercosur-Staaten seien die Handelsbilanz weiter positiv.
9. September: Die US-Behörden müssen laut CNBC einräumen, dass die Wirtschaft im Jahr vor dem März 911'000 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat, als zuvor gemeldet: «Das einbrechende Job-Wachstum und die wackelnde Wirtschaft setzen die Notenbank unter Druck, die Zinsen zu senken.»
24. September: Der US-Autor und Analyst Peter Zeihan warnt, dass die rigide Ausländer-Politik sich auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, wobei grössere Firmen weniger Probleme haben würden als kleine Start-ups. Sie könnten wegen Bürokratie und Kosten weniger Fachkräfte anwerben. Er rechnet wegen der Zölle mit steigenden Preisen.
29. September: Der US-Aktienmarktsteigt und steigt. Trotz Ausreissern nach unten hat der Aktienindex S&P 500 nach Trumps Zoll-Ankündigung im April um 15 Billionen Dollar zugelegt, erklärt CNN. Einerseits profitieren davon mehr Leute denn je: 45 Prozent haben direkt oder indirekt in Aktien angelegt. Andererseits gehören 87 Prozent der Aktien den obersten zehn Prozent.
Oktober
16. Oktober: «75 Prozent der Amerikaner berichten von steigenden Preisen, während Trump behauptet, die Teuerung sei ‹vorbei›», titelt «Guardian» und bezieht sich auf eine eigene Umfrage: «Neun Monate nach dem Amtsantritt von Donald Trump, bei dem er versprach, die Preise ‹vom ersten Tag› an zu senken, gibt eine deutliche Mehrheit der Amerikaner an, dass ihre monatlichen Kosten um 100 bis 749 Dollar gestiegen sind.»
17. Oktober: «Lagen wir bei Trumps Zöllen falsch?», fragen sich die Experten vom «Economist», nachdem sie die Massnahmen zunächst zerrissen haben. Die kurze Antwort: Nein. Noch seien viele Zölle ausgesetzt – das dicke Ende komme noch. Man schätzt, dass die Konsumenten 37 Prozent der Zölle tragen, US-Unternehmen 51 und das Ausland 9 Prozent.
22. Oktober: An diesem Tag durchbricht der US-Schuldenbergden Wert von 38 Billionen Dollar. Bis Ende des Jahres dürfte der Wert 38,5 Billionen erreichen. Den aktuellen Stand siehst du hier.
Charlie Bilello points out that the Interest Expense on US National Debt rose to a record $1.25 trillion in the last 12 months, more than doubling over the past 4 years. The US Government now spends more money on interest than it does on National Defense. #EconSky
26. Oktober: «Während die Inflation steigt, macht Trump denselben Fehler, der Biden versenkt hat», kommentiert «MS Now». Die Wirtschaft war bei den letzten Wahlen im November 2024 für die Wähler*innen «extrem wichtig» gewesen – und beim Portemonnaie ziehen keine Ausreden. Nicht, als Joe Biden versucht habe, die Inflation schönzureden – und auch heute glaube man Trump nicht, wenn er Ähnliches behaupte.
November
3. November: «Es gibt ‹überwältigende Beweise› dafür, dass die Zölle dieKonsumentenpreisesteigen lassen, sagt die Bank of America». So teilt «Business Insider» den Lesenden mit, dass das Volk für das Gros der Abgaben aufkommt, die Washington auf Importe aufschlägt. Sie würden 50 bis 70 Prozent der Zölle zahlen.
10. November: CNN liefert neue Zahlen zur Wirtschaftslage. Die Konsumentenstimmung ist demnach im Vergleich zum Januar um 30 Prozent gesunken – und so tief wie seit 1951 nicht mehr. 61 Prozent der Teilnehmenden einer Umfrage sagen weiterhin, die Wirtschaftslage habe sich unter Trump verschlechtert.
19. November: Selbst eine Umfrage bei Trumps Haus- und Hofsender «Fox News» zeigt, dass es im Volk brodelt. 76 Prozent sehen demnach die Wirtschaft in einer schlechten Lage. Trumps Zustimmungswerte sinken laut dieser Statistik auf 41 Prozent.
23. November: «Amerikaner spüren den Schmerz der Bezahlbarkeitskrise: ‹Es gibt keinen Spielraum mehr›», meldet der britische «Guardian» kurz vor Thanksgiving und fasst zusammen: «Die Kosten für Lebensmittel, Wohnen, Kinderbetreuung, Bildung und Gesundheit sind für viele untragbar geworden, und sie geben den Politikern die Schuld.»
25. November: «Konsumenten-Vertrauen fällt auf tiefsten Punkt seit April, während die Jobsorgen steigen», weiss CNBC. «Die Verbraucher waren deutlich pessimistischer, was die Geschäftslage in sechs Monaten angeht», erklärt Dana Peterson vom Conference Board. «Die Erwartungen für die Arbeitsmarktbedingungen Mitte 2026 bleiben ausgesprochen negativ, und die Erwartungen für steigende Einkommen schrumpften dramatisch, nachdem sie sechs Monate lang stark positiv waren.»
Dezember
3. Dezember: «Trump-Beamte in Panik, als brutaler Job-Bericht Trumps Zölle verantwortlich macht», lautet die Überschrift der «New Republic». Der Grund: Laut Management-Firma ADP sind im Privatsektor im November 32'000 Jobs verloren gegangen, obwohl mit einem Zuwachs von 10'000 Arbeitsplätzen gerechnet worden war.
15. Dezember: «Trump sagt, dass die Zölle 18 Billionen Dollar eingebracht haben. Das ist unmöglich», titelt das libertäre Magazin «Reason». Die Zahlen seien «faktisch falsch und logisch absurd»: «Trumps Zölle werden im Laufe des nächsten Jahrzehnts voraussichtlich etwa 2,3 Billionen Dollar einbringen.» 18 Billionen in diesem Jahr seien auch deshalb Quatsch, weil die USA 2025 Waren im Wert von «nur» 3,3 Billionen importiert hätten.
Arbeitslosenzahlen in den USA: Mit 4,6 Prozent ist die Quote so hoch wie seit September 2021 nicht mehr. Für den Oktober liegen wegen des Shutdowns keine Daten vor.
US Bureau of Labor Statistics
16. Dezember: «Wie kann eine A+++++-Wirtschaft so viele Pleiten haben?», fragt «The Hill». Die A+++++-Wertung hat Trump selbst abgegeben. Das Problem: Daten zufolge könnte es 2025 so viele Geschäftsaufgaben geben wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das Gros davon betreffe den industriellen Sektor, doch auch andere Bereiche wie die Landwirtschaft seien betroffen.
17. Dezember: Die Flüge von Kanada in die USA haben 2025 um 40 Prozent abgenommen, schreibt «CTV News» unter Berufung auf zwei Reiseanbieter. «Immer mehr Kanadier entscheiden sich, nach Europa oder weiter nach Süden zu fliegen», sagt Anita Emilio vom Flight Centre Canada.
Niemand kann die Zukunft voraussagen – am allerwenigsten Journalisten. Es scheint allerdings so, als gäbe es in Sachen Konsumentenstimmung, Jobs und Preise einen negativen Trend. Ausnahmen bestätigen die Regel: Benzin oder Eier, die sich wegen der Vogelgrippe verteuert hatten, sind vielleicht günstiger geworden. Doch Ende des Monats bleibt im Geldbeutel zu wenig.
Ob sich das in 2026 ändert? Die Inflation ist im November überraschend gesunken: Nach zuvor 3 Prozent lag sie nicht bei 3,1 wie erwartet, sondern bei 2,7 Prozent. Andererseits dürften sich die Zölle weiter auf die Preise durchschlagen: Wie etwa Autos bei diesen Vorzeichen erschwinglicher werden sollen, bleibt Trumps Geheimnis.
Bei den Jobs wird sich so schnell wohl nichts ändern: Selbst wenn die Billionen von Investitionen kommen, die der Präsident verspricht, dauert es Jahre, Fabriken zu bauen und Personal auszubilden. Allenfalls müssen die Menschen jene Arbeit ausführen, die abgeschobene Immigranten gemacht haben.
Oder wird es ganz wild – und das Oberste Gericht entscheidet, dass der Präsident gar keine Zölle erheben darf? Dann werden Milliarden von Rückzahlungen fällig – auch wenn das Szenario eher unwahrscheinlich ist. Fest steht: Das Wirtschaftsjahr 2026 wird für die USA besonders spannend.
Wegen KI-Boom: Eine Kleinstadt macht Milliarden und die Bewohner fliehen
Ashburn in den USA war einst eine verschlafene Vorstadt. Heute gilt der Ort als Hauptstadt des Internets – mit der weltweit höchsten Dichte an Rechenzentren. Für die Bevölkerung bedeutet das wachsende Belastung.