«Absolut korrupt» Wie sich Donald Trump mit Dell-Aktien bereichert

Philipp Dahm

4.6.2026

Michael und Susan Dell kündigen am 2. Dezember 2025 im Beisein von Donald Trump im Weissen Haus ihre Rekordspende an (v.l.n.r.). Das Geld soll das Startkapital für die sogenannten Trump Accounts bilden – vom US-Staat gemanagte Sparkonten, mit denen Eltern Geld für ihre Kinder anlegen können:
Michael und Susan Dell kündigen am 2. Dezember 2025 im Beisein von Donald Trump im Weissen Haus ihre Rekordspende an (v.l.n.r.). Das Geld soll das Startkapital für die sogenannten Trump Accounts bilden – vom US-Staat gemanagte Sparkonten, mit denen Eltern Geld für ihre Kinder anlegen können:
Bild: IMAGO/Newscom / AdMedia

Im Januar und Februar wirbt Donald Trump auffallend oft für Dell-Computer. Nun kommt heraus, dass der Präsident selbst Aktien der Firma gekauft hat, bevor das Pentagon einen Grossauftrag an sie vergab.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • «Geht und kauft Dell-Computer»: Donald Trump wirbt im Frühjahr auffallend euphorisch für den amerikanischen Technikkonzern.
  • Das scheint verständlich: Gründer Michel Dell hat Ende 2025 mit seiner Frau 6,25 Milliarden Dollar für Kinder gespendet.
  • Nun kommt heraus, dass Trump im Februar und März Aktien der Firma gekauft hat, bevor Ende Mai das Pentagon Dell einen Auftrag über fast 10 Milliarden Dollar vergab.
  • Die Aktie hat seit Trumps Kauf im Februar um 240 Prozent zugelegt.

Eines muss man Donald Trump, noch 79 Jahre alt, lassen: Mit Blick auf Technik ist der Mann auf der Höhe der Zeit. Er hat in Kryptowährungen und die Finanz-Plattform World Liberty Financial investiert. Seine Regierung fördert KI-Projekte und neue nukleare Reaktoren.

Auch für die Informationstechnologie hat der New Yorker ein Herz – und besonders laut schlägt es zuletzt für einen heimischen Hersteller: Immer wieder hat Trump in diesem Jahr den Technikhersteller Dell gelobt, der 1984 von Michael Dell gegründet wurde und 2024 einen Gewinn von 3,21 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat.

Donald Trumps Aktienkäufe zahlen sich aus – ein Schelm, wer Insiderhandel dabei denkt.
Donald Trumps Aktienkäufe zahlen sich aus – ein Schelm, wer Insiderhandel dabei denkt.
Bild: Keystone

Trump rührt die Werbetrommel

«Ich hoffe, dass alle losziehen und Dell-Computer kaufen. Mein Sohn Barron liebt diesen Computer», sagt Trump in einer Rede am 28. Januar.

Am 19. Februar lobt er in einer Ansprache, die eigentlich der Wirtschaft der Stadt Rome im Bundesstaat Georgia gewidmet ist: «Geht und kauft Dell-Computer. [...] Sie machen ein gutes Produkt.»

Auch die Rede zur Lage der Nation am 24. Februar nutzt er, um die Werbetrommel zu rühren: «Als ich Michael Dell fragte ‹Wie verdienst du das viele Geld?›, sagte er: ‹Nun, ich sass einfach in meinem Wohnheim in der Schule, baute Computer und verkaufte sie an Leute. Und ich verkaufte und verkaufte und verkaufte.› Ziemlich tolle Geschichte. Das nennt man den amerikanischen Traum. Er hat viele Computer verkauft, viele dieser Laptops. Ich gratuliere ihm dazu.»

Am 27. Februar doppelt er nach: «Dell-Computer, geht raus und kauft einen Dell-Computer.»

Nun muss man diese Loblieder im Kontext sehen. Das US-Unternehmen mit Sitz in Rock Round, Texas, beschäftigt immerhin rund 120'000 Menschen. Der Mutterkonzern Dell Technologies gehört laut dem Wirtschaftsmagazin «Fortune» zu den 50 grössten Firmen des Landes.

Dells Spende für die Trump Accounts

Trump hat einen weiteren guten Grund, dem Firmengründer dankbar zu sein: Im Dezember haben Michael und Susan Dell bekanntgegeben, 6,25 Milliarden Dollar zu stiften, damit Fonds für amerikanische Kinder über je 1000 Dollar angelegt werden. Diese können erst darauf zugreifen, wenn sie volljährig sind.

Das Magazin «Time» widmet Michael und Susan Dell am 25. Mai seine Titelgeschichte.
Das Magazin «Time» widmet Michael und Susan Dell am 25. Mai seine Titelgeschichte.
Gemeinfrei

6,25 Milliarden Dollar – eine derart grosse Spende hat es noch nie gegeben. Andererseits kann Michael Dell seine Grosszügigkeit verkraften: Mit einem geschätzten Vermögen von 255 Milliarden Dollar gehört der 61-Jährige zu den zehn reichsten Menschen des Planeten. Von den Fonds darf übrigens auch der Präsident profitieren: Sie wurden Trump Accounts getauft.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Trump Dell in den Himmel lobt – und seine Kauf-Aufrufe zahlen sich aus. Alleine eine Aussage vom 8. Mai lässt den Aktienkurs um 13,11 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 260,46 Dollar je Aktie steigen. Das sind fast 106,91 Prozent mehr als noch im Vorjahr, weiss «TradingKey».

Trump kauft Dell-Aktien im Februar und März

Was damals jedoch noch nicht bekannt ist: Donald Trump hat bereits am 10. Februar selbst Dell-Aktien gekauft. Der Wert liegt zwischen einer und fünf Millionen Dollar, schreibt CNBC unter Berufung auf das Office of Government Ethics. Am selben Tag hat er übrigens auch Aktien des Technologiekonzerns Nvidia akquiriert, des weltweit führenden Entwicklers von Grafikprozessoren. Eine Woche später wird ein grosser Chip-Deal mit Meta bekannt.

Im März kaufte Trump drei weitere Male Dell-Aktien, weiss «Forbes». Im gleichen Monat wird ein Rekord gebrochen: An einem Tag steigt der Wert um 31,6 Prozent. Doch dieser Höchstwert wird bald schon wieder eingestellt.

Am 27. Mai beschert das Pentagon dem Unternehmen einen Grossauftrag: Für 9,7 Milliarden Dollar soll Dell in fünf Jahren die Software des Verteidigungsministeriums überarbeiten. Die Aktie schiesst bis zum 29. Mai um 32,1 Prozent nach oben. Michael Dells Vermögen steigt durch den Auftrag und den Kurssprung um 35 Milliarden Dollar, ergänzt «Forbes».

«Kein anderer Präsident würde damit davonkommen»

Seit Trumps Investment am 10. Februar ist das Wertpapier von Dell nun schon 240 Prozent in die Höhe geschnellt – und es ist sein Ministerium, das bei dem Kurssprung geholfen hat. Das riecht nach Insidergeschäft – und ruft Kritiker auf den Plan. Unrecht sind die Geschäfte jedoch nicht: Ethische Vorgaben etwa für Senatoren gelten nicht für den Präsidenten.

Follow this: First, Trump quietly buys up to $5 million of Dell stock. Then, he urges his followers to “go out and buy a Dell.” Today, his Pentagon awards a $9.7 billion deal to Dell. www.bloomberg.com/news/article...

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— Bill Grueskin (@bgrueskin.bsky.social) 28. Mai 2026 um 01:45
Donald Trump News

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Donald Trump verlangt höhere Verteidigungsausgaben der Nato-Partner. (Archivbild)
Allison Robbert/AFP Pool via AP/dpa

Dennoch: «Die Vergabe eines fast 10 Milliarden Dollar schweren Auftrags an ein Unternehmen, das eng mit einem Freund und Spender des Präsidenten verbunden ist, scheint ein offensichtlicher Interessenkonflikt zu sein», sagt Greg Williams von der Washingtoner NGO Project on Government Oversight gegenüber der Politik- und Nachrichtenseite «The Hill».

«Das ist absolut korrupt», geht Tara Setmayer vom überparteilichen Super-PAC Seneca Project bei CNN noch weiter. «Das ist unerhört. Kein anderer Präsident würde mit so einem Interessenkonflikt davonkommen. Nicht nur Trump selbst, auch seine gesamte Familie macht Milliarden von Dollar.»

US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer über neue Strafzölle.

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